Andreas Klensch zur Bonpflicht

"Geringe Bereitschaft, den Bon mitzunehmen"

Andreas Klensch, Geschäftsführer Operations Valora, ist verantwortlich für die Marken Ditsch und Backwerk.
Valora
Andreas Klensch, Geschäftsführer Operations Valora, ist verantwortlich für die Marken Ditsch und Backwerk.

Seit Jahresbeginn gilt die Belegausgabepflicht, nach der auch für Kleinstbeträge ein Kassenbon ausgestellt werden muss. Von einzelnen Gastronomen und Bäckereien kommt Protest wegen des zusätzlichen Aufwands und entstehenden Abfalls. Andreas Klensch, Geschäftsführer Operations Valora, sieht für die Marken Ditsch und Backwerk eine erhöhte Komplexität an Hochgeschwindigkeits-Standorten.

Nach dem Verständnis von Andreas Klensch, als Geschäftsführer Operations bei Valora verantwortlich für die Konzepte Ditsch und Backwerk, ist der Einsatz von manipulationssicheren Kassen absolut nachvollziehbar. Genauso sei die wahrscheinlich ab Herbst 2020 verfügbare technische Sicherheitseinrichtung (TSE) sinnvoll. "Die Belegausgabepflicht unterstützt das Sicherungsbedürfnis aber nicht und führt nur zu einem erhöhten Aufwand an Verbrauchsmaterial und Personal und widerspricht jeder Nachhaltigkeitsstrategie", betonte Klensch gegenüber FOOD SERVICE.

Höhere Kosten bei hoher Kundenfrequenz

Außerdem gibt er zu bedenken, dass die Belegausgabepflicht zu höheren Kosten aufgrund des Materials und der manuellen Ausgabe führen werde, gerade in Betrieben mit hoher Kundenzahl. "An Hochgeschwindigkeitsstandorten ergibt sich eine zusätzliche Komplexität für den Speed of Service", merkt er zudem kritisch an.
Über Valora
Der Schweizer Mutterkonzern von Ditsch und Backwerk ist in erster Linie an Verkehrsstandorten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Niederlande und Frankreich tätig. Neben Kiosk-Konzepten gehören die Foodservice-Marken Ditsch, Brezelkönig, Caffè Spettacolo und Backwerk zum Portfolio. Ebenso betreibt Valora eine der weltweit führenden Produktionen von Laugengebäck und profitiert im Bereich Backwaren von einer stark integrierten Wertschöpfungskette.
Valora erzielt nach eigenen Angaben jährlich einen Außenumsatz von über 2,7 Mrd. Schweizer Franken. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Muttenz, Schweiz.
In Deutschland betrug der Foodservice-Umsatz (netto) im Jahr 2018 geschätzt 264 Mio. Euro bei 514 Units (Stand: 31.12.2018, Quelle: foodservice Top 100)

Bisher kaum Bon-Mitnahme

Jede Transaktion erzeugt in den Kassen der Valora-Marken einen Bon. Durch die gesetzliche Auflage ergibt sich eine Erhöhung der Bons gegenüber der bisherigen Ausgabe nur auf Verlangen des Kunden. Doch derzeit kommt aus den Ditsch- und Backwerk-Stores die Botschaft: "Die Gäste zeigen eine geringe Bereitschaft, den Bon mitzunehmen." Kommuniziert wird die Bonpflicht per Hinweis auf den Kundendisplays. "Wir sehen darin aktuell kein Social-Media-relevantes Thema", sagt Klensch.

Kein Schulungsaufwand

In puncto Umstellung auf die Kassensicherungsverordnung gab es in den Ditsch- und Backwerk-Standorten keinen speziellen Schulungsaufwand, da bereits alle Kassen systemkonform waren. "Die Nachrüstung mit TSE erfolgt, sobald diese im Markt verfügbar sind", ergänzt Klensch. Die Mehrkosten für die Umstellung lassen sich aktuell bei Ditsch und Backwerk bzw. Valora nicht eruieren. Hard- und Software-Kosten fallen dank bereits systemkonformer Ausstattung nicht an, die Implementierungskosten werden auf 3.000 Euro beziffert.
Über die Belegausgabepflicht
Seit 1. Januar 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung. Sie beinhaltet auch die Belegausgabepflicht. Gastronomen, Bäcker und Einzelhändler sind verpflichtet, bei jedem Kunden einen Kassenzettel auszudrucken. Der Kunde muss den Bon allerdings nicht mitnehmen. Ausnahmen zur Belegausgabepflicht gibt es u.a. für Wochenmärkte. Für die Gastronomie gibt es speziell keine Ausnahmen. Es kann jedoch eine Ausnahmeregelung beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Diese gilt beispielsweise bei Notfällen wie Stromausfällen oder technischen Problemen.

Welche besseren Alternativen sich Klensch vorstellen könnte?

"Die bisherige Regelung hat sich bewährt und könnte durch einen elektronischen Beleg per Mobile Payment ergänzt werden. Hierfür müsste es aber Vereinfachungen hinsichtlich der Datenschutzbestimmung geben."

Seine Erwartungen an die Politik formuliert Andreas Klensch klipp und klar: "Auseinandersetzung der Politiker mit dem breiten Feedback und eine angemessene Korrektur der Ausgabepflicht, insbesondere eine vereinfachte elektronische Übermittlung."

stats