Ausbildung

Koch-Azubis gesucht!

Neue Wege der Ansprache sind nötig, um junge Talente fürs Kochen zu begeistern.
WISAG Catering
Neue Wege der Ansprache sind nötig, um junge Talente fürs Kochen zu begeistern.

Was ist die wichtigste Maßnahme, um Menschen für die Arbeit als Koch oder Köchin in Ihrem Unternehmen zu begeistern? In einer exklusiven Umfrage hat gv-praxis führende Caterer und Eigenregie-Betriebe befragt. Der Tenor: Neue Wege der Ansprache sind nötig.

Dieser Text ist Teil unseres Specials "Nur Mut! – Ideen für das Geschäft von morgen".

Eine Anzeige schalten und warten, dass sich ein geeigneter Kandidat meldet? Mitarbeiter der  Konkurrenz in der Zigarettenpause vor der Küchentüre abwerben? Das sind keine empfehlenswerten Methoden, um Personal zu rekrutieren. Wer gute Mitarbeiter finden und dauerhaft für sein Unternehmen gewinnen will, muss umdenken. "Wir müssen bereit für Veränderungen und offen für Neues sein, um den Generationswechsel erfolgreich zu meistern", sagt Raimund Gertz, Leiter der Wirtschaftsbetriebe der LVM Versicherungen in Münster.
„Wir haben den kompetten Prozess zu unserem Mitarbeiter-Recruiting umgestellt. Das reicht vom digitalen Bewerberpool bis hin zur Auslobung von Benefits. Außerdem wurde ein Azubi-Blog eingerichtet.“
Meike Dunkel, Marketingleiterin, Dorfner Menü Catering, Nürnberg

Image-Kampagne

Wie man zeitgemäße Wege der Ansprache gehen kann, zeigt Wisag Catering: "Wir bringen Dich in Teufels Küche" lautete das Motto einer Postkartenaktion, mit der das Unternehmen um junge Koch-Azubis warb. "Jeder, der junge Menschen kennt – die teuflisch viel Spaß am Kochen haben – konnte per Postkarte auf eine Ausbildung bei uns aufmerksam machen", beschreibt Wisag-Geschäftsführer Ulrich Höngen die Idee. Ein neuer Blickwinkel ist unbedingt notwendig. Ganz wesentlich ist es, die Faszination des Koch-Berufes herauszustellen und etwas gegen dessen schlechtes Image zu tun.

Allzu oft werden heute nur die negativen Seiten thematisiert. Es gilt, Interesse und Spaß am Beruf zu wecken. "Unsere Köche dürfen wirklich Köche sein und ihre Leidenschaft zu Lebensmitteln frei und kreativ ausleben. Food-Trends und neue, kreative Speisen sind ausdrücklich erwünscht", sagt Dr. Christoph Thome vom Mannheimer Caterer Genuss & Harmonie. Schon während des Bewerbungsprozesses können Interessierte im Rahmen eines Schnuppertages Einblicke in die Küche von Genuss & Harmonie nehmen und sehen, wie man dort arbeitet. Die Kernthemen Kulinarik und Kompetenz rangieren auch für die Compass Group in der Aus- und Weiterbildung ganz oben. "Wir wollen jährlich mindestens 100 Auszubildende für den Köcheberuf gewinnen und sie weiter entwickeln", so Carsten Bick, bis Dezember 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung. Bei der Suche nach Kandidaten sollen Aktions- und Azubi-Starter-Tage helfen.

Niemanden in eine feste Rolle pressen

Im Vergleich zur öffentlichen Gastronomie können die Arbeitgeber in der Gemeinschaftsgastronomie mit Vorteilen punkten, die es nach ihrer Ansicht noch viel stärker zu kommunizieren gilt. Dies betrifft besonders die Arbeitszeiten, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben. Menschliche und soziale Aspekte sind jüngeren Generationen sehr wichtig. Der Ton in den Küchen ist oft rau, der Druck groß, Azubis stehen ganz unten in der Hackordnung. Hier sehen sich die befragten Caterer und Eigenregie-Betriebe in der Pflicht, ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem Mitarbeiter mit Freude tätig sind: "Bei uns geht es um den Menschen. Wir pressen unsere Mitarbeiter nicht in eine Rolle, die sie nicht ausfüllen können. Sie sollen das tun, was sie gerne tun, dann machen sie es richtig und vor allem mit Herz und Verstand", wissen die Verantwortlichen in der Betriebsgastronomie von MAN Energy Solutions. Natürlich spielen Entfaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten eine große Rolle. Denn was nutzt der Ausbildungsplatz, wenn er keine Perspektiven bietet? "Ob sich jemand für eine Branche entscheidet, hängt sehr davon ab, was für ihn in Zukunft möglich ist", weiß Gastronomiechef Egmont Merté von der Allianz in München.

Bei Aramark und Sodexo können sich Nachwuchskräfte in speziellen Kochklassen weiterbilden und mit Sterneköchen trainieren. Denn wer lernt, braucht einen Mentor. Daher ist das intensive Begleiten eine der wichtigsten Maßnahmen, um dem Nachwuchs Spaß an der Arbeit zu vermitteln. "Zufriedene Mitarbeiter, die ihre Freude am Beruf in sozialen Netzwerken teilen, sind unsere besten Botschafter", weiß Andreas Voßmöller von Evonik.
Fachkräfte finden – so gelingt's
Dem Mangel an Fachkräften im Gastgewerbe kann auf mehreren Ebenen begegnet werden – eine Vorschlagsliste der Hochschule Fulda:
Rahmenbedingungen der Ausbildung anpassen
  • Ausbildungsrahmenpläne aktualisieren
  • Evtl. neuen Ausbildungsberuf flankierend zum Koch einführen aufgrund der gestiegenen Anforderungen und des notwendigen höheren Schulabschlusses
Rahmenbedingungen im Betrieb verbessern
  • Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessern
  • Ausbildungs- und Arbeitsentgelte erhöhen
  • Imagekampagne (Employer Branding)
  • Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen
  • Personalführung verbessern
Passende Azubis und Fachkräfte finden
  • Neue Wege in der Akquise (neue Medien)
  • Neue Zielgruppen fokussieren
    (Flüchtlinge, Inklusion, evtl. Abiturienten)
  • Auswahlverfahren optimieren
  • Talentmanagement verbessern
  • Studierende und Absolventen in Betrieb holen
  • Duales, Praxis-integriertes Studium ermöglichen
Abbrecher- & Durchfallquoten minimieren
  • Passende Auszubildende einstellen
  • Ausbildungsarbeit verbessern, Auszubildende individuell stärker fördern und begleiten

Fachpersonal im Betrieb halten
  • Arbeitsklima und -bedingungen verbessern
  • Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten ermöglichen und transparent kommunizieren


stats