Coronavirus

Schulcaterer alarmiert – Politik ist gefordert

Noch sind nur vereinzelt Schulen und Kitas in Deutschland geschlossen.
Thomas Fedra
Noch sind nur vereinzelt Schulen und Kitas in Deutschland geschlossen.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus greift die italienische Regierung zu drastischen Maßnahmen: Vom 5. bis 15. März bleiben alle Schulen und Universitäten des Landes geschlossen. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert. Bislang wurden nur vereinzelt Schulen geschlossen wie etwa in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Eine bundesweite Schließung aller Schulen würde die Cateringunternehmen hart treffen. Drei Stimmen zur aktuellen Situation und was die Politik jetzt machen muss.

Keine Versicherung haftet

Das Familienunternehmen Lehmanns Gastronomie in Bonn hat bislang noch keine Einbußen durch die Ausbreitung des Coronavirus erfahren. Weder belieferte Schulen noch Kitas seien von Schließungen betroffen, berichtet Stefan Lehmann, Juniorchef des Unternehmens. "Für uns ist das Coronavirus ein hochsensibles Thema. Würden alle Schulen und Kitas geschlossen wie in Italien, wäre das für uns eine Katastrophe", so Stefan Lehmann. Schon das Sturmtief Sabine am zweiten Februar-Wochenende dieses Jahres habe finanzielle Spuren hinterlassen. O-Ton Lehmann: "An dem Montag waren mehr als die Hälfte der von uns belieferten Schulen und Kitas geschlossen." Ein Großteil des Tagesumsatzes sei dadurch verloren gegangen. Dafür komme leider auch keine Versicherung auf.

"Die Ertragsausfallversicherung kommt nur auf, wenn der Versicherungsschaden bei uns liegt. Dies heißt, wenn beispielsweise aufgrund eines Brandes die Küche für eine Woche geschlossen werden muss", erläutert Stefan Lehmann. Bei sturm-, hitze- und kältefrei in den Schulen haftet die Versicherung nicht. Dies würde auch auf etwaige Schließungen aufgrund des Coronavirus zutreffen. Zwei Wochen keine Schulen beliefern zu können, gleiche daher einem "Super-Gau", so der Unternehmer. Der Spezialist für Schul- und Kitaverpflegung fährt täglich rund 150 Kunden im Köln-Bonner-Raum an. Bislang seien noch keine Rückfragen besorgter Schulen oder Eltern eingangen, weil man ohnehin in der Region bekannt sei für die in der Praxis gelebte "extreme Hygiene". Dennoch wurden intern die ohnehin sehr hohen Hygienestandards noch einmal verschärft. Insgesamt sieht sich der regionale Caterer gut aufgestellt in Sachen Coronavirus. Er hofft, dass sich weder Kunden noch Mitarbeiter infizieren und sich die Situation bald wieder beruhigt.

Politik muss Entschädigungen zahlen

Die Unternehmensgruppe Hähnchen mit Sitz in Großpösna/Leipzig produziert täglich rund 20.000 Mahlzeiten sowie zusätzlich 6.000 Frühstücke und Vesperpakete für Schulen und Kitas im Raum Leipzig, Dresden, Chemnitz, Schkeuditz, Altenburg, Plauen und Gera. Bislang sei noch keiner der Kunden von dem Coronavirus betroffen. Für den Ernstfall ist der Schul- und Kitacaterer jedoch gerüstet. "Wir haben einen Krisenplan aufgestellt und uns diesbezüglich mit Ministerium, Gesundheits- und Veterinäramt eng abgestimmt", erklärt Wilfried Hänchen, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe.

Eine pauschale Schließung aller Schulen wie in Italien sieht er nicht zielführend: "In Leipzig und Dresden gibt es bislang keine Corona-Fälle. Warum sollte man also im vorauseilenden Gehorsam alle Schulen schließen?", gibt er zu bedenken. Bei einem monatlichen Umsatz von 2 Mio. Euro würden bei ihm 80 Prozent der Einnahmen wegfallen. "Dann könnte ich dicht machen", weiß der Vollblutunternehmer. Er fordert deshalb mit Nachdruck die Politik auf, für den Ernstfall eine Regelung für Entschädigung zu entwickeln. Bislang gebe es diesbezüglich von der Bundesregierung keine Pläne oder Überlegungen, beklagt er. Selbst wenn nur regional Schulen und Kitas geschlossen würden, müsse es für die betroffenen Cateringunternehmen Ausfallentschädigungen geben. "Wir nehmen die derzeitige Situation sehr ernst", betont Winfried Hänchen. Kinder könnten sich schließlich nicht wehren. Doch Schulen und Kitas zu schließen und gleichzeitig Bundesliga-Spiele weiter laufen zu lassen, sei aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar. Hier müsse die Politik eine klare Linie fahren.

"We can get no desinfection"

"Wir sind hier in Berlin heute an Tag 7, nachdem der erste Corona-Fall bestätigt wurde. In Berlin sind es heute Morgen (Stand: 8. März) 29 Fälle. Von unseren Schulen ist bislang keine betroffen", berichtet Eva-Maria Lambeck, Geschäftsführerin des Berliner Cateringunternehmens Greens Unlimited. Bis zu 15.000 Essen produziert der Caterer mit nachhaltig-sozialem Anspruch täglich für Schulen und Kitas der Hauptstadt. Man beobachtet die derzeitige Situation kritisch. "Wir haben eine Rückmeldung aus einer Schule, die die Bitte an die Eltern formuliert hat, dass Kinder mit Fieber nicht mehr in die Schule geschickt werden. Diese Schulleiterin hat die Essenszahlen um 25 reduziert", sagt sie. Insofern spüre man bis dato keine wirtschaftlichen Auswirkungen. Darüber hinaus folge man den Empfehlungen der Senatsverwaltung und halte die besonderen hygienischen Regeln ein.

Der allgemeine Krankenstand bedingt unter anderem durch Erkältungen sei zurzeit sehr hoch, entspreche jedoch den jahreszeitlich bedingten Gegebenheiten. Eva-Maria Lambeck: "Wir begegnen dem Ganzen mit erhöhter Aufmerksamkeit und wahren Ruhe und Besonnenheit. Darüber hinaus erfreuen wir uns (noch) an den vielen humoristischen Reaktionen wie beispielsweise der Abwandlung des Rolling-Stones-Klassikers "We can get no desinfection". Schließlich sorge die allgemeine Aufregung für entsprechende Hamsterphänomene, so die Managerin. Desinfektionsmittel seien Mangelware.

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