Coronakrise / Research

Wie gewinnt die Gastronomie Familien zurück?

Vertrauen und Bindung schaffen, Ängste abbauen, Entlastung und Abwechslung bieten, das sind die Schlüssel-Parameter, mit denen Gastronomen Familien wieder ins Restaurant holen können.
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Vertrauen und Bindung schaffen, Ängste abbauen, Entlastung und Abwechslung bieten, das sind die Schlüssel-Parameter, mit denen Gastronomen Familien wieder ins Restaurant holen können.

Tiefeninterviews mit Müttern und Vätern in Deutschland, Südkorea, Großbritannien und den USA, die Revenue Management Solutions im Mai führte, sollen ans Licht bringen, wie die Gastronomie nach dem Re-Start Familien wieder zum Restaurant-Besuch gewinnen kann. Die gute Nachricht: Familien besuchen durchaus wieder Restaurants. Es scheint, dass die Mütter, die Entscheidung darüber treffen. Wie kann die Gastronomie hier ansetzen?

„Die Wiedereröffnung der Gastronomie bedeutet nicht einfach die Rückkehr zu den Geschäfts-Mechanismen der Zeit vor Corona. Sondern die Branche startet quasi neu, ohne wirkliches Gespür und ohne Erfahrungs- und Ausblickdaten. Unsere bisherigen Erfahrungswerte sind in dieser Situation nicht wirklich brauchbar“, sagt Philipp Laqué, Managing Director bei RMS im Gespräch mit FOOD SERVICE.

"Doch die gute Nachricht lautet, dass Familien durchaus wieder Restaurants besuchen", betont Laqué. Dies ist eine der zentralen Botschaften der im Mai von RMS geführten Interviews mit Familien in Großstädten auf der ganzen Welt, darunter Seoul, London, Berlin und Dallas. Befragt wurden Familien mit zwei Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren. Im Fokus stand die zentrale Frage der Gastro-Branche: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Familien wieder auswärts essen gehen?

Es zeigte sich, dass Familien in den ihnen zur Verfügung stehenden Restaurants durchaus einige Essensroutinen beibehalten, also auch wieder essen gehen. Teilweise wird der Instore-Verzehr durch To-go- bzw. Delivery-Anlässe ersetzt: Zum Beispiel gaben die Befragten an, dass sie traditionelle Anlässe wie die "Pizza-Nacht" Freitagabends im Restaurant derzeit als Lieferservice fortsetzen.

Vertrauen vorhanden?

"75 Prozent der Konsumenten weltweit vertrauen darauf, dass die Gastronomie-Branche ihre Mahlzeiten sicher produziert und liefert. Allerdings sind die Verbraucher besorgt, dass die Vielfalt und Verfügbarkeit frischer Lebensmittel abnehmen könnte. Dies belegen unsere globalen Erkenntnisse zu anderen Verbraucherthemen, die wir untersucht haben", betont Branchen-Experte Laqué.

Worauf Gastronomen achten sollten

Ein wichtiger Schlüssel des erfolgreichen Re-Starts: Die Gastronomen müssen die Kunden dort abholen, wo sie gerade stehen. Heißt: Sie müssen vorhandene Bedenken und neue Bedürfnisse erkennen. Obwohl die Situation volatil sei, ergaben die Interviews übereinstimmende Kernthemen, die zu folgenden Empfehlungen für die Gastronomie führten:

1. Ängste abbauen.

Die Beurteilung der Risiken ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung, wann und wo man mit der Familie wieder essen geht. Dabei gilt es vor allem, die Mütter zu überzeugen. Denn: "Es ist wahrscheinlich, dass die Mütter die Entscheidungen darüber treffen, was die Familie verzehrt und wo dies statt findet – vor Covid-19 und jetzt", zeigt die Studie.
"Unsere weltweite Umfrage im April zeigte, dass sichtbare Hygienemaßnahmen und minimale Kontakte die maßgeblichen Faktoren sind, die den Entscheid für den Restaurantbesuch während der Pandemie stark beeinflussen", merkt Laqué an. Auch im Mai zeigten sich die Interviewpartner anhaltend besorgt in puncto Sicherheit und Hygiene. Dies führte dazu, dass die Befragten weiterhin Restaurants für Drive-Through- oder Mitnahmelieferungen nutzen, um für bestimmte Vorsichtsmaßnahmen die Verantwortung selbst in der Hand zu haben.
„75 Prozent der Konsumenten weltweit vertrauen darauf, dass die Gastronomie-Branche ihre Mahlzeiten sicher produziert und liefert.“
Philipp Laqué, Managing Director bei Revenue Management Solutions

2. Gastronomie als Entlastungsfaktor, besonders für Mütter.

Die Befragten nannten als Hauptgrund für das Auswärts-Essen-Gehen vor Covid-19, dass sie dies als "Erleichterung" bzw. Pause im Alltag betrachteten. In der derzeitigen Situation, ohne Schule, Kinderbetreuung, Haushaltshilfe usw. sei diese Belastung exponentiell gewachsen und liege größtenteils auf den Schultern der Mütter, heißt es in den Untersuchungsergebnissen. "Wenn sich Familien in der Gastronomie sicher fühlen, werden sie diese aus diesem Grund auch wieder frequentieren", so das Fazit.

3. Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen.

Auch hier gilt: Vor Corona wurde das Auswärts-Essen als "Goodie" für die Kinder genutzt, um ihnen ein Highlight zu bieten und die Möglichkeit, selbst ihr Essen zu wählen. Die Gastronomie sollte ihre Werbe- und Marketing-Maßnahmen besonders auf Kinder ausrichten, um Familien zu bestärken, ihre alten Gewohnheiten wieder aufzunehmen, empfiehlt RMS. Darum: "Wer ein neues kontaktloses Menü entwickelt, sollte dies kinderfreundlich gestalten, damit Kinder selbstständig wählen und bestellen können", gibt der RMS-Experte zu bedenken.

4. Abwechslung ist das A & O.

Abwechslung – ein wichtiger Grund, warum Familien essen gehen. Vor allem Familien im Vereinigten Königreich gaben an, dass sie bereitwilliger die Risiken akzeptieren, die mit dem Auswärtsessen verbunden sind, wenn sie Gerichte bestellen können, die sie zu Hause nicht so leicht zubereiten können. Auch in den USA ist ein derartiger Trend zu beobachten. Vor Corona bevorzugten Familien Restaurants, die eine breite Auswahl für alle Familienmitglieder boten. Dies bleibt auch in der Coronakrise die Priorität.

5. Der Vertrautheitsfaktor zählt.

Wie bereits vor Covid-19 geben die Befragten in den USA an, dass sie Restaurants bevorzugen, die in der Nähe ihres Wohnortes liegen, Interesse an der Familie als Gast zeigen – sich beispielsweise an ihre Namen und Essensvorlieben erinnern. Dieses starke Bindungs-Moment ist nun noch wichtiger geworden, ergibt die Umfrage. Folglich sollte das Marketing, auch bei Restaurant-Ketten, in hohem Maße lokal ausgerichtet sein, mit gezielten Botschaften, die das Engagement und das Verständnis für Familien der Region hervorheben, empfiehlt die RMS-Studie.

6. Kreativität als Differenzierungsmerkmal.

Die Atmosphäre und besondere Merkmale der Restaurants, die Kinder ansprechen, werden vor Covid-19 und auch aktuell bei der Wahl eines Restaurants von den Befragten höher bewertet als die Qualität der Speisen. Restaurants als Treffpunkte für große Familienanlässe, das vermissen Menschen am derzeit meisten, ergibt die Befragung.

Über Revenue Management Solutions (RMS)
Die Experten von RMS beraten Unternehmen der Hospitality-Branche bei unterschiedlichsten Themen der Unternehmensführung, Markenpflege, Marketing, Entscheidungsfindung usw. Als globales Unternehmen ist RMS mit Niederlassungen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Singapur und Tokio vertreten.


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