Coronavirus / Miete

"Ein Aufschub rettet uns nicht“

Die Deutsche Bahn sucht nach partnerschaftlichen Lösungen mit ihren Mietern.
imago images / Emmanuele Contini
Die Deutsche Bahn sucht nach partnerschaftlichen Lösungen mit ihren Mietern.

Laufende Personalkosten und Mieten bei gleichzeitigem vollständigen und stark gemindertem Umsatz treiben Gastronomie-Betreiber in kürzester Zeit in Liquiditätsprobleme. Das gerade erlassene Kündigungsverbot der Bundesregierung bei Mietausfällen schützt die Gewerbetreibenden nicht vor Zahlungsunfähigkeit – es vertagt nur das Problem. Experten raten den Mietern zum Gespräch mit ihren Vermietern. Wir haben uns umgehört, was dabei herauskommt.

„Bis vor wenigen Wochen, sprich: vor Ausbruch der Corona-Krise, waren wir ein wirtschaftlich solides Unternehmen mit denkbar gutem Rating bei unserer Bank“, sagt Kerstin Rapp-Schwan, Geschäftsführerin der fünf Schwan Restaurants in Düsseldorf. „Einen vollständigen Umsatzausfall über mehrere Woche bei gleichzeitig laufenden hohen Kosten bringt allerdings jedes noch so stabile Gastronomie-Unternehmen an seine Grenzen.“ Das Gespräch mit den Vermietern hat die Düsseldorfer Gastronomin längst gesucht. „Eine Stundung oder auch eine Minderung der Mieten rettet uns allerdings nicht. Allein eine vollständige Aussetzung der Mieten kann helfen.“
 
Auch Lars Obendorfer, Gründer des Frankfurter Imbiss-Konzepts Best Worscht in Town, steht im Gespräch mit den Vermietern seiner 26 Standorte in Deutschland. Sein pragmatisches Verhandlungsziel: Miete für drei Monate aussetzen, dann im Nachgang der Krise die gestundeten Beträge abbezahlen. Dass die Vermieter auf diesen Vorschlag eingehen, hält er für realistisch.

Die Hamburger Gastronomin Cornelia Poletto berichtete ihren Followern in den Sozialen Medien: „Der Vermieter meiner Kochschule ist auf mich zugekommen und hat mir sowie allen seinen Mietern aus der Gastronomie angeboten, die Miete für den kommenden Monat zu erlassen und sie für die Folgemonate bis auf Weiteres um die Hälfte zu kürzen.“ Für diese „großzügige, solidarische Geste“ sei sie sehr dankbar, so Poletto, und „es lässt mich hoffen, dass wir diese Krise gemeinsam meistern können“.
 

Das Verständnis für die Notlage der Mieter seitens der Vermieter sei da, sagt auch Madjid Djamegari, Vorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF). „Das Echo, das wir von unseren Mitgliedern bekommen, ist zu 85 % positiv. Viele Vermieter stunden nicht nur, sondern gehen auch mit der Miete runter. Das freut uns auf der einen Seite, auf der anderen Seite muss man ganz klar sagen: Wenn nur gestundet wird, müssen wir nach der Krise doppelt zahlen - die aufgeschobene Miete und die dann anfallende Miete. Und im Gegensatz zu anderen Branchen, werden wir dann eben nicht den doppelten Umsatz einfahren. Ein Optiker beispielsweise wird nach der Krise voraussichtlich alle jene geplanten und aufgeschobenen Brillenkäufe reinbekommen. Wir aber können eben nur die Tische belegen, die wir haben."

Umgekehrt mahnt Djamegari auch zum Verständnis für die Vermieter: "Die Vermieter haben auch Verpflichtungen und müssen ihre Kredite bedienen. Die Krise betrifft uns alle. Nicht nur unsere Branche." Unsere Mitglieder haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das heißt, die meisten Vermieter, allen voran die Stadt Frankfurt, stunden, reduzieren oder verzichten sogar auf die Miete.“

Keine Miete im Luv Lübeck

Positiv-Schlagzeilen hat in den letzten Tagen der Shoppingcentervermieter Ingka, eine Tochter des Möbelriesen Ikea, gemacht. Mieter, die ihre Betriebe aufgrund der behördlichen Anordnung schließen mussten, müssen im Lübecker Einkaufszentrum Luv – wie auch in den weltweit 44 weiteren Ingka-Centern – weder Miete noch Nebenkosten- oder Marketingpauschale zahlen. Die Zusage gelte bis auf Widerruf. „Die Mieter sollen in der jetzigen Lage ein Problem weniger haben“, sagte ein Unternehmenssprecher der Immobilienzeitung (ebenfalls Deutscher Fachverlag).
 
Nicht alle Vermieter dürften sich allerdings diese Generösität leisten können. Denn natürlich auch auf der Vermieterseite gibt es Zahlungsverpflichtungen.
 
„Wir verstehen die Sorgen der Mieter sehr gut.“
ECE-Sprecher Lukas Nemela

„Wir verstehen die Sorgen der Mieter sehr gut, da sie natürlich ganz besonders stark von den aktuellen Beschränkungen im Einzelhandel betroffen sind. Da die ECE die Center im Auftrag der jeweiligen Eigentümer betreibt und vermietet, kann sie nicht selbst über mögliche unterstützende Maßnahmen – gleich welcher Form – entscheiden“, erklärte ECE-Sprecher Lukas Nemela im Gespräch mit FOOD SERVICE. „Deshalb stehen wir zurzeit im engen Austausch mit den verschiedenen Eigentümern unserer Center, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie die Mieter in dieser herausfordernden Lage unterstützt werden können. Dabei orientieren wir uns an den Maßgaben der Bundesregierung. Sobald Ergebnisse aus der Abstimmung mit den Investoren vorliegen, werden wir unsere Mieter darüber informieren.“
 
Darüber hinaus würden jetzt die Betriebskosten in den Centern kurzfristig auf das notwendige Minimum gesenkt, um die Nebenkosten für die Mieter zu reduzieren und sie so auf der laufenden Kostenseite zu entlasten, etwa durch reduzierte Beleuchtung und Klimatisierung oder weniger Bewachungspersonal in den Centern.
 
Partnerschaftliche Lösungen strebt man auch bei der Bahn an. „Die Mietzahlungen für den Monat April haben wir vorerst gestundet“, sagt Horst Mutsch, Leiter Vermietung bei DB Station & Service in Berlin. Fällig ist die Aprilmiete für die Gastronomen an Bahnhofsstandorten erst im Juli.


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