Coronakrise

Nach Blitzumfrage: Dehoga schlägt Alarm

Guido Zöllick, Präsident des Dehoga-Bundesverbandes, fordert schnelle und effektive Hilfe von der Politik.
DEHOGA/Thomas Fedra
Guido Zöllick, Präsident des Dehoga-Bundesverbandes, fordert schnelle und effektive Hilfe von der Politik.

Drei Viertel der Betriebe im Gast- und Hotelgewerbe melden Umsatzeinbußen. Nach einer Blitzumfrage mit knapp 10.000 Rückmeldungen schlägt der Dehoga Alarm. "Die Branche braucht jetzt schnelle Lösungen", wiederholt Guido Zöllick, Präsident des Dehoga-Bundesverbandes, aufgrund aktueller Zahlen seine Forderung an die Politik von Anfang März .

Am schlimmsten trifft es gemäß der Umfrage derzeit die Eventcaterer: 84,5 Prozent melden Umsatzrückgänge. Bei den Restaurants sind es bundesweit 72,9 Prozent. Mit knapp 83 Prozent liegen die Hoteliers in der Mitte. "Für Hotels, Caterer und Restaurants sind das massive Verluste, die nicht zu kompensieren sind. Viele unserer kleinen und mittelständischen Betriebe haben keinen Puffer", mahnt Zöllick und fordert von den politischen Entscheidern Liquiditätshilfen (40,9 % der Teilnehmer) und Fördermaßnahmen.

Das Gastgewerbe fordert zudem die Verbesserung der Kurzarbeiterregelung (38 %). Dazu gehöre insbesondere die hundertprozentige Erstattung der Sozialabgaben, aber auch Steuererleichterungen (52,1%) wie Stunden der Steuerlast (29,4 %) bzw. eine Mehrwertsteuer auf Essen von 7 Prozent (69,1 %) .

Städte besonders betroffen

Innerhalb von zwei Tagen beteiligten sich 9.574 Unternehmen an der Online-Umfrage des Dehoga Bundesverbandes. In den Städten zeigt sich die Situation besonders alarmierend. Hier melden 85,1 Prozent der Betriebe Umsatzverluste, im ländlichen Raum sind es 67,2 Prozent. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verzeichnen 82 Prozent der Betriebe Umsastzverluste. 955 Betriebe beziffern die Umsastzverluste mit 62 Millionen Euro seit Februar. "Wir sind mit einer Situation konfrontiert, wie wir sie noch nicht erlebt haben, auch nicht 2008/2009 nach der Bankenkrise", stellt Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga in Nordrhein-Westfalen fest.

Der Dehoga Bayern spricht von 78 Prozent betroffenen Betrieben. "Leere Betten bedeuten immer auch leere Restaurants, was extrem schnell zu dauerhaften Folgeschäden für den Tourismus, Bayerns zweitwichtigste Leitökonomie, führen kann", führt Angela Inselkammer aus. Vielen unbekannt sei, so die bayerische Dehoga-Präsidentin, dass 87 Prozent der Betriebe klein- und mittelständisch seien und über fast keine Liquidität verfügten. "Bleiben hier Umsätze aus, können sie Forderungen nicht mehr begleichen."

Umfrage-Ergebnisse in Zahlen

Die Höhe der Umsatzausfälle bewegt sich laut Dehoga bei 45 Prozent der Betriebe zwischen 10.000 und 50.000 Euro. 10 Prozent der Betriebe melden Einbußen zwischen 50.000 und 100.000 Euro, acht Prozent zwischen 100.000 und 500.000 Euro und 1,8 Prozent über 500.000 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 25 Prozent der antwortenden Betriebe weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz erwirtschaften, fast 50 Prozent der Betriebe liegen unter 500.000 Euro Jahresumsatz. 

"Das Gastgewerbe hat eine hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Die Gefährdung von Existenzen darf nicht hingenommen werden", bemerkt Zöllick mit Blick auf den am Sonntag tagenden Koalitionsausschuss. Was es nun brauche sei schnelle, effektive und unbürokratische Unterstützung.

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