Dehoga Digital Day

Digitale Tools und Tipps für Gastronomen

Die Kasse als Kernstück: Gastronomen haben bei der Digitalisierung oft noch Nachholbedarf.
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Die Kasse als Kernstück: Gastronomen haben bei der Digitalisierung oft noch Nachholbedarf.

Die Digitalisierung ist weiter auf dem Vormarsch. Aktuelle Beispiele in einigen Industriebereichen zeigen, wie bereits heute Assistenz- und Sprachsysteme eingesetzt werden: Navigationssysteme, Pizzabestellungen, Onlinetischreservierungen. Die deutsche Gastronomie hat in diesem Bereich trotz der gesellschaftlichen und strukturellen Herausforderungen einen großen Nachholbedarf. Auf der Anuga bot der DEHOGA ein Diskussionsforum, um den digitalen Einstieg für Gastronomen zu erleichtern.

Unter der Moderation von Michael Kuriat, Keynote Speaker und Gastronom, gab es Einblicke in Anwendungsbeispiele digitaler Tools, sowie wissenschaftliche Insights in die „Digitale Data Journey“ von Restaurantgästen. Diese gewährte Katharina Blöcher, Doktorandin der Universität Leipzig und zeigte auf, wie viele digitale Touchpoints der Gast heute bereits in den 3 Stufen (vor, während und nach dem Restaurantbesuch) hat. In einzelnen Silos werden Kunden-Daten, Bestell-Daten, Produkt-Daten und Daten aus Social Media erfasst.

Und in Zukunft wird sich die Gastronomie einer neu zu entwickelnden Kernkompetenz stellen müssen: Diese gesammelten Daten über intelligente Kassensysteme (die heute eher einem CRM gleichen) zusammenzuführen, auszuwerten und Optimierungen für die kritischen Bereiche abzuleiten - beispielsweise Auslastung, Wareneinsatz und Personalplanung.

Große Systemgastronomen, wie z.B. McDonald's, die als positives Beispiel für den Einsatz von digitalen Techniken benannt wurden, erhöhen die Akzeptanz und auch die Lernfähigkeit der Kunden für die verschiedenen Einsatzbereiche digitaler Tools, wie Bezahlsysteme, Bestellungen über Chatbots und Voicesysteme. Ai Wok in Düsseldorf, Spyce in Boston und Cafe X in San Francisco sind weitere Beispiele für digitale Leuchttürme in der Gastronomie.

Bessere Planung gegen Foodwaste und Verschwendung

Einhergehend mit der Digitalisierung wurde ebenfalls das Thema der Nachhaltigkeit in den Blickpunkt gerückt. Apps, die vordergründig helfen, Foodwaste zu vermeiden und hierüber möglicherweise neue Zielgruppen ansprechen (wie To Good To Go), können darüber hinaus auch Wareneinsätze optimieren.

Einen Schritt weiter gehen Anwendungen wie Delicious Data, die ähnlich wie Revenuemanagement-Systeme in der Hotellerie verschiedene Datenpunkte wie Wetter, Feiertage und vergangenheitsbezogene Daten in ihre Berechnung integrieren, um genauer vorhersagen zu können, wie viele Mahlzeiten verkauft werden können. Die Vorhersage dieser Berechnungen, die mittels KI fortlaufend optimiert werden, sind um ein vielfaches genauer, als die Einschätzung von einzelnen Menschen und verleihen dem Gebiet „Predictive Data“ ein besonderes Gewicht in der Gastronomie. Insbesondere in Betrieben, die regelmäßig Speisen im 4- bis 5-stelligen Bereich produzieren.

Im Bereich der Qualitätssicherung und der dazugehörigen Dokumentation wurde die Anwendung „Q4me“ durch Kurt Wehner, Geschäftsführer Fachgruppen DEHOGA NRW, vorgestellt. Ein cloudbasiertes Tool, welches für DEHOGA-Mitglieder kostenfrei zur Verfügung steht.

Sichtbarkeit im Netz als wesentlicher Erfolgsfaktor

Die Metro Group präsentierte ihre Lösungsansätze für Gastronomen und stellt viele digitale Services, ebenfalls teilweise kostenfrei über die Plattform Dish, für Gastronomiebetriebe zur Verfügung. Angefangen von einer Website bis hin zur Erstellung von Google My Business Profilen. Denn hier sind sich alle Teilnehmer einig: Die digitale Sichtbarkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Generierung von Gästen, die zunehmend online ihren Tisch buchen, und ebenfalls bei der Rekrutierung von Mitarbeitern.

Den Trend zur progressiv wachsenden Online-Buchung unterstrich Daniel Simon von Open Table. Hinter dem Reservierungssystem verbirgt sich ein Tool zur Akquise neuer Gäste, zur Optimierung der Auslastung, ein Tool für Bewertungen und Empfehlungsmanagement. Es stehen viele aussagekräftige Daten zur Verfügung, die Auswertung und Interpretation erfordert Zeit. Zeit, die sich Gastronomen freischaufeln können, wenn erste Einsätze von digitalen Tools ihre Wirkung entfalten.

Ebenso kann Wissenschaft einen wertsteigernden Beitrag leisten, indem sie die verschiedensten Softwaretypen analysiert und Empfehlungen ausspricht. Wissenschaft kann dabei helfen, Guidelines für den Umgang mit der Digitalisierung für den Bereich der Gastronomie und Hotellerie zu entwickeln.

Praxistipps:

1. Digitalisierung funktioniert nur Schritt für Schritt: Nacheinander einzelne Tools nutzen und Akzeptanz bei Mitarbeitern und Gästen testen
2. Bestehende Tools und Applikationen einsetzen, um die Reichweite zu erhöhen und die Restaurantauslastung intelligent zu optimieren
3. Die Kasse als Herzstück der Datenanalyse zu nutzen
4. Kundenbewertungen ernst nehmen und proaktives Community-Management betreiben
5. Online-Sichtbarkeit sicherstellen über Website, Google My Business Profil und Bewertungsportale

Über den Autor: Michael Pütter ist Inhaber und Geschäftsführer der Agentur Puetter Online Communications in Köln (Puetter-online.de).

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Schwesterzeitung ahgz.


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