Deutsches Studentenwerk

"Studenten brauchen Wohlfühlorte"

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär Deutsches Studentenwerk.
Kay Herschelmann
Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär Deutsches Studentenwerk.

Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, fordert eine Milliarde Euro an Investitionen in die Infrastruktur der Mensen und Cafeterien für die nächsten vier Jahre. Im Interview mit gv-praxis erläutert er, was sich ändern sollte.

Die Generation Y isst immer und überall. Ist Mittagessen Schnee von gestern?
Achim Meyer auf der Heyde: Die Studentenwerke bereiten im Jahr 90 Millionen Mittagessen für 2,5 Millionen Studenten zu! Die Mensen sind beliebt, aber die Mahlzeiten nicht mehr der klassische Strukturgeber im Tagesablauf. Die Studierenden haben zu wenig Zeit zum Mittagessen. Sie verbringen außerhalb der Lehrveranstaltungen weniger Zeit auf dem Campus.

Wie steuern die Studentenwerke dagegen?
Sie setzen verstärkt auf den Dreiklang Einkauf, Angebot und Kommunikation. Es geht um Werte und Ernährungstrends: Nachhaltigkeit, Regionalität, die Identifikation über Ernährung, sprich vegetarisch, vegan. Wichtig ist: Die Studierenden sind keine homogene Gruppe. Dennoch finden alle in der Mensa, was sie suchen!


Gibt es ein gemeinsames Vorgehen bei Verpackungen von To-go-Angeboten?
Unser verbandsweites Ziel sind Mehrwegsysteme bzw. sortenreine Verpackungen. In der Praxis gibt es jedoch verschiedene Lösungsansätze für Um- und Lieferverpackungen, To-go-Becher und Warmverpflegung zum Mitnehmen.

Wie beurteilen Sie die Subventionslage in den einzelnen Bundesländern?
Unzureichend. Der Finanzierungsanteil der Bundesländer liegt unter 9 Prozent! Anfang der 1990er Jahre trugen die Länder noch rund 25 Prozent bei. Bund und Länder bauen über die Hochschulpakte die Studienplatzkapazitäten aus, die soziale Infrastruktur aber nicht. Wir fordern einen Bund-Länder-Hochschulsozialpakt.

Wie wird künftig bezahlt?
Bargeld nimmt ab. Die Authentifizierung könnte auf einem Smartphone oder einem anderen Gerät auch sicher hinterlegt werden. Für die Zukunft sehe ich das Bezahlen per Smartphone.

Wo liegen die Potenziale?
Studenten brauchen Rückzugs-, Wohlfühl- und Kommunikationsorte, um sich auszutauschen, zu arbeiten und zu erholen. Wir fordern deshalb den Ausbau und die Sanierung bestehender Kapazitäten.

Was waren die Herausforderungen 2017?
Die intensive politische Kommunikation zur Bundestagswahl. Wir konnten durchsetzen, dass die Große Koalition das BAföG ausbaut und das studentische Wohnen wieder fördert. Das war nicht wenig Arbeit.

Welches Studierendenwerk im Mensaranking die Nase vorne hat und wie die Hochschulgastronomie ihrem Ruf als umweltbewusster, kulinarischer Trendsetter gerecht wird, lesen gv-praxis-Abonnenten im Oktoberheft oder im E-Paper.




Deutsches Studentenwerk – Verband der Studentenwerke
Die bundesweit 58 Studentenwerke betreuen mehr als 2,8 Millionen Studierende von über 300 Hochschulen an circa 200 Orten und kümmern sich um die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Förderung. Dafür bieten sie ein breites Angebot in den Bereichen Hochschulgastronomie*, Wohnen, Studienfinanzierung, Kinderbetreuung, Beratungs- und Vermittlungsdienste sowie Kultur.

Die Studentenwerke richten sich an einen heterogenen Kreis von Studierenden und berücksichtigen auch die Bedarfe von Studierenden mit be­sonderen Erschwernissen, beispielsweise Studierenden mit Behinderungen und chronischer Krankheit, internationalen Studierenden sowie Stu­dierenden mit Kindern.

*965 hochschulgastronomische Einrichtungen, darunter mehr als 400 Mensen, sowie Cafés, Cafeterien, Bistros und Restaurants



stats