"Digital Food"@re:publica

Innovatoren und Metzger-Marketing im Social Web

Moderatorin Katie Gallus mit Steffen Schütze und Michi Kasper.
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Moderatorin Katie Gallus mit Steffen Schütze und Michi Kasper.

Im Rahmen der re:publica in Berlin fand erstmals die Fachkonferenz "Digital Food" in Kooperation mit der dfv Mediengruppe statt. Die hochkarätigen Sprecher stellten unter anderem innovative Konzepte, gelungenes Social Media-Marketing und neue Wege im Delivery Business vor. Durch die Veranstaltung im Deutschen Technikmuseum führten Moderatorin Katie Gallus und foodservice-Redakteur Markus Roman.

Als erster Gast stellte Verena Bahlsen die Idee und das Konzept hinter Herrmann's vor. Die Bahlsen-Tochtergesellschaft soll in Berlin ein Netzwerk zwischen Food-Innovatoren und Nahrungsmittel-Industrie aufbauen. Im Mittelpunkt steht das Herrmann's-Cafe und Retaurant in der Torstraße in Berlin, das neben dem Restaurant-Betrieb eine Testküche zur Produktentwicklung sowie Investorenberatung betreibt. Bahlsen betonte die Mission, die Foodbranche auf Dauer zu verändern, etwa mit neuen Zutaten wie Algen. Im anschließenden Q&A ging sie auf eine Zuschauer-Frage ein, ob die besten Entwicklungen oder Investmentempfehlungen ohnehin bei Bahlsen als Muttergesellschaft landeten. Das sei nicht so und könne man sich gar nicht leisten, wenn man langfristig das Vertrauen von Innovatoren und anderen Partnern gewinnen und behalten wolle, sagte Bahlsen.

"Digital Food"@re:publica: Fachkonferenz in Berlin zur Digitalisierung in der Food-Branche


Restaurants ohne Gästebereich

Paul Gebhardt sprach über seine Firma Guru Collective, die in Berlin, aber seit neuestem auch in anderen Städten, etwa Barcelona, sogenannte Ghost Restaurants betreibt. Diese haben keinen Gastbereich und produzieren ausschließlich für den Delivery-Verkauf. Durch entsprechende Küchenausstattung können an einem Standort verschiedene Konzepte ihre Gerichte produzieren, etwa Pizza, Burritos oder Burger. Verkauft werden diese dann unter unterschiedlichen Marken. Als Vorteil führte Gebhardt unter anderem die schnellere Produktion und damit Auslieferung sowie die höhere Qualität der Produkte durch Spezialisierung an. Trotz guten Geschäfts räumte er im anschließenden Q&A ein, dass die hohe Abhängigkeit von Lieferdiensten wie Deliveroo oder Foodora ein Risiko sei. Momentan könne man dieses am besten minimieren, indem man mit verschiedenen Marken möglichst schnell in einer Region einen möglichst hohen Marktanteil und damit eine gute Verhandlungsbasis erreiche.

Unter dem Motto "Slow Food. Fast." sprach Christian Hamerle über sein Restaurant-Konzept "Data Kitchen", in dem dank einem von SAP entwickelten Bestellvorgang Gerichte in Fine-Dining-Qualität minutengenau zubereitet und vom Gast abgeholt werden können. Zudem präsentierte Hamerle seine Vision, das künftig dank digitaler genauer Datenerfassung die gesamte Lebensmittel-Produktionskette von der Landwirtschaft bis ins Restaurant viel effizienter werden könne. "Dadurch vermeidet man nicht nur Lebensmittelverschwendung, sondern arbeite für alle Beteiligten auch ökonomischer", sagte Hamerle.

Provokatives Facebook-Marketing zur Azubi-Suche

Ein gelungenes Beispiel für effizientes, kostengünstiges Marketing in den sozialen Medien präsentierten Steffen Schütze (Inhaber Metzgerei Hack) und Michi Kasper (Kasper Communication) aus Freising. Mit frechen und leicht provokativen Posts auf Facebook - unter anderem für die Fachkräfte-Suche - erreichten sie bundesweite Aufmerksamkeit in sozialen und traditionellen Medien. Auch, wie sie mit den auftretenden Shitstorms umgingen, beschrieben die beiden in ihrem Vortrag.

Metzgerei Hack: Humorvolle Azubi-Suche auf Facebook


Den Abschluss der Fachkonferenz machte Katharina Blöcher, Doktorandin an der Universität Leipzig. Sie führte ins Thema Customer Relationship Marketing ein und zeigte auf, wie Gastronomen mit Kundendaten personalisiertere Services bieten können. Auf diesem Weg sollen Kunden besser erreicht und an ein bestimmtes Unternehmen gebunden werden.

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