Hessische Ernährungsstrategie

Wird gefördert: Gemeinschafts- & Schulverpflegung

Die hessische Umweltministerin Priska Hinz will das Essen in öffentlichen Einrichtungen verbessern.
Umweltministerium/Oliver Rüther
Die hessische Umweltministerin Priska Hinz will das Essen in öffentlichen Einrichtungen verbessern.

Das Essen in öffentlichen Kantinen, Kitas und Schulen soll besser werden. Die hessische Umweltministerin Priska Hinz hat dazu die Hessische Ernährungsstrategie vorgestellt. Sie umfasst fünf Handlungsfelder.

„Bei unseren täglichen Entscheidungen in Bezug auf unser Essen geht es nicht nur darum, ob es uns gut schmeckt und satt macht.“
Priska Hinz, Staatsminiserin, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Vor allem gehe es darum, dass wir mit dem, was wir essen, wo wir es einkaufen und wie wir es zubereiten maßgeblich unsere Umwelt und unsere Gesundheit beeinflussen, betont Umweltministerin Priska Hinz. Es gehe dabei um Klimaschutz, Artenvielfalt und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser, Luft und Böden sowie um Tierwohl.
Mit der auf fünf Handlungsfeldern aufbauenden "Hessischen Ernährungsstrategie" will die Ministerin folgendes fördern bzw. verbessern:
  • gesunde und nachhaltige Angebote in der Gemeinschafts- und Schulverpflegung
  • die Erzeugung, das Angebot und die Vermarktung nachhaltiger, ökologischer und regeionaler Lebensmittel
  • die Ernährungsbildung
  • zivilgesellschaftliches Engagement
  • wirksame Reduzierung der Lebensmittelverschwendung.
Um die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Wirkung der Maßnahmen zu schaffen, seien laut Hinz "die Vernetzung der beteiligten Akteurinnen und Akteure und eine umfangreiche Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher besonders wichtig".

Grundnahrungsmittel Bildung

"Wissen schafft zahlreiche Gelegenheiten, positive Ernährungsentscheidungen für sich selbst und unsere Umwelt zu treffen", ist Priska Hinz überzeugt, weshalb ihr die Bereiche Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung wichtig sind: "In dem bewährten Projekt Werkstatt Ernährung beispielsweise lernen Kinder der Klassen 5 bis 7 ihre Sinne einzusetzen und erfahren, wie sich Lebensmittel anfühlen, riechen und verarbeiten lassen – oder wie man mit Lebensmittelresten umgeht und den Kühlschrank optimal einräumt." Zu den Maßnahmen gehört das Projekt "Calciumhaltiges Schulfrühstück" der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), um ein altersgerechtes und gesundes Schulfrühstück einzuführen. Ein Leitfaden soll erstmals Informationen für ein nachhaltiges Speisenangebot bieten – zugeschnitten auf die verschiedenen Arten von Einrichtungen.

Verantwortlich für die Inhalte des Leitfadens zeichnet das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt. "Es macht einen großen Unterschied, ob eine kleine Kindertagesstätte oder eine große Schule die Küche auf nachhaltigere Speisen umstellen möchte. Hier setzt der Leitfaden an, der modular aufgebaut ist und für Kantinen öffentlicher und privater Einrichtungen das passende Konzept liefern soll", sagt Dr. Robert Hermanowski, Geschäftsführer des FiBL. Im Fokus stehen mehr biologische, saisonale und regional erzeugte Lebensmittel. "Wenn wir den Einrichtungen empfehlen, ausschließlich Bio zu erhöhen, egal woher, dann profitiert unsere regionale Landwirtschaft nicht davon."

Vorreiter Studierendenwerk

Ein großes Projekt soll gemeinsam mit der Ökomodellregion Lahn-Dill/Gießen die Schulverpflegung mit bio-regionalen Lebensmitteln stärken. Mit im Boot ist etwa Frank Nettlenbusch, Betriebskoordinator des Studierendenwerks der TU Darmstadt für den Campus Lichtwiese. Die Hochschulgastronomen sind Vorreiter in Sachen bio-regional. "In unseren Mensen geben wir bis zu 10.000 Essen am Tag aus und integrieren dabei einen Bioanteil von 23 Prozent. Wir sehen, wie gut die Gerichte angenommen werden, wenn man den Leuten nachhaltige und weniger fleischlastige Speisen schmackhaft präsentiert. Solange den Gästen nichts aufgezwungen wird, sind sie offen für mehr Bio und weniger Fleisch und auch bereit, mehr dafür zu zahlen", so der gelernte Küchenmeister.

Ziel der Hessichen Ernährungsstrategie ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und zu befähigen, die richtigen Ernährungsentscheidungen zu treffen. Deshalb geht noch im Jahr 2020 das Landesprogramm "100 KlimaKantinen" an den Start. Es umfasst die Bereiche Speisepläne und bio-regionale Produkte ebenso wie klimafreundliches Kantineninventar und soziale Aspekte wie die Inklusion. Teilnehmen können Kantinenbetreiber, die nachweislich mehr tun als andere, um nachhaltiger zu wirtschaften – zum Beispiel geringere Tellerportionen ausgeben und so der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

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