Fachkräftemangel

Zukunftsbranche oder Branche ohne Zukunft?


Die Zahlen der Auszubildenden im Gastgewerbe in Deutschland sind seit 2007 rückläufig.
Patrick Ludolph
Die Zahlen der Auszubildenden im Gastgewerbe in Deutschland sind seit 2007 rückläufig.

Der Fachkräftemangel macht der Gastronomie weiter zu schaffen, einer wachsenden Zahl von Unternehmen steht eine schwindende Zahl gut ausgebildeter Kräfte gegenüber. Wie können Berufe im Gastgewerbe wieder attraktiver werden?

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"Man steht hier schnell ohne Leute da", sagt Claas-Erik Johannsen, Hotelier des Benen-Diken-Hofs in Keitum auf Sylt und Vorsitzender des dortigen  Dehoga-Bezirksverbands. Seit Jahren schon klagt die beliebteste Ferieninsel Deutschlands über rückläufige Azubi-Zahlen und Personalknappheit, immer wieder ist von Schließungen die Rede. Zuletzt traf es das Traditionslokal „Kiek in“ in Westerland, das nach 53 Jahren am Platz gehen musste. „Dass es an Kräften mangelt, liegt zum einen daran, dass Wohnraum bei uns sehr knapp und kostbar ist, zum anderen an der unzuverlässigen Zugverbindung, die es Pendlern schwer macht“, so Johannsen. Genaue Zahlen darüber, wie viele Mitarbeiter im Gastgewerbe auf der Insel fehlen, liegen der Degoga Sylt nicht vor, 400 offene Stellen waren letztes Jahr im Sommer bei der Arbeitsagentur Flensburg für alle Branchen der Insel gemeldet.

Immer weniger Azubis

„Wegen des Personalmangels können viele Betriebe nicht ihre volle Kapazität ausspielen und bleiben hinter ihren Umsätzen zurück“, so Johannsen. Das Problem macht sich auch an den Azubi-Zahlen bemerkbar: 2016 gab es auf Sylt noch 22 Azubis im Gastgewerbe, von denen heute noch 15 dabei sind, im Jahr 2017 waren es 16 Azubis, von denen nur neun bis heute ihre Ausbildung fortsetzten. Um mehr junge Menschen in die Branche zu holen, hat die Dehoga 2016 die Initiative „Festmachen auf Sylt“ ins Leben gerufen, die Geflüchteten den Weg in Gastronomie und Hotellerie ebnen sollte. Aus Mangel an Interessenten kam schon 2018 keine Azubi-Gruppe mehr zustande.

Deutlich über Mindestlohn

Die Firma Gosch hat im Wettbewerb mit anderen Sylter Gastronomie-Betrieben einen klaren Vorteil: Sie hat in der Vergangenheit immer wieder in Wohnraum investiert und kann ihren Angestellten daher 200 Betten und Apartments zu Mietpreisen zwischen 100 und 350 Euro im Monat bieten. Trotzdem merkt auch das Franchise-Unternehmen, das neben der Sansibar das gastronomische Marken-Zugpferd der Insel ist, deutlich die Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Auf der Insel beschäftigt Gosch 200 fest angestellte Mitarbeiter, dazu zählen drei Azubis im Stammhaus. In der Saison kommen 100 Saisonkräfte hinzu. „Man muss in gelernte Kräfte investieren, mit einem Gehalt deutlich über dem Mindestlohn“, sagt Rüdiger Brochonski, Leiter des Lizenzfachgeschäfts bei Gosch.

Auch attraktive Arbeitszeiten, etwa die Einhaltung einer 5-Tage-Woche, seien wichtig, um als Arbeitgeber überhaupt noch infrage zu kommen. Mit dieser Haltung trifft er jedoch auf Widerstand, auch bei den Lizenznehmern: „Die Gastro ist old school. Alle haben sich darauf verlassen, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber es ist Zeit, dass ein Umdenken einsetzt. Die 5-Tage-Woche geht auch in der Gastronomie, wer sagt, es geht nicht, der will nicht.“

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