Food Waste

Neues Geld für Foodtech-Start-up


Jakob Breuninger und Valentin Belser unterstützen Gastronomen mit viel eigener und künstlicher Intelligenz.
Paul Günther · Photodesign
Jakob Breuninger und Valentin Belser unterstützen Gastronomen mit viel eigener und künstlicher Intelligenz.

Um die Warenkalkulation in der (Gemeinschafts-) Gastronomie zu optimieren und Food Waste zu reduzieren, hat das Start-up Delicious Data (vormals Noyanum) eine Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) auf Basis Künstlicher Intelligenz entwickelt. Nun sichern Bayern Kapital und andere namhafte Investoren die weitere Entwicklung.

Die KI-Lösung der Gründer Valentin Belser und Jakob Breuninger prognostiziert den Absatz gastronomischer Einrichtungen, um darüber die Warenverkäufe zu steuern. Dies soll nachhaltigere Betriebsabläufe ermöglichen, Food Waste eindämmen und letztlich die Betriebskosten reduzieren. Auch die Personalplanung soll verbessert werden, zum Beispiel für das Terrassengeschäft je nach Wetterlage.

Neben Bayern Kapital beteiligen sich Doodle-Gründer Myke Näf, Clarissa und Michael Käfer (Käfer Capital), die GeMü Beteiligungs GmbH sowie ein weiterer Privatinvestor an Delicious Data. Die Finanzierung und das Investorennetzwerk wurden über das BayStartUP-Netzwerk arrangiert. Dr. Georg Ried, Geschäftsführer von Bayern Kapital, sagt: "Delicious Data trifft mit seiner Software den Nerv der Zeit und verbindet Nachhaltigkeit mit erhöhter Wirtschaftlichkeit in einem milliardenschweren Sektor. Wir waren beeindruckt, wie ausgereift das Produkt bereits ist und welche Einsparungen an Lebensmitteln und Kosten es im realen Betrieb ermöglicht."

Food Waste signifikant reduziert

Laut aktueller Schätzungen auf Basis von Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wandern bei Großverbrauchern jedes Jahr allein in Deutschland etwa 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Abfall. Um diese erschreckenden Mengen zu verringern, haben Belser und Breuninger ihre SaaS-Lösung bereits 2017 als Studenten entwickelt, in einer Mensa getestet und ihr Unternehmen unter dem Namen "Food Oracle" gegründet. Die Prognosewerte lagen schon damals an 90 Prozent der Tage näher an der Verkaufsmenge als die Schätzungen der Küchenleitungen. Insgesamt wurde die Prognosegenauigkeit durchschnittlich um bis zu 80 Prozent verbessert. "Das Wichtigste ist, dass wir die Daten über einen längeren Zeitraum haben, mindestens zwei, besser drei Jahre, um daraus Trends abzulesen", sagt Jakob Breuninger.

Das Programm analysiert die Verkaufshistorie eines Gastronomiebetriebs und kombiniert diese mit externen Faktoren wie Wetter oder Urlaubszeiten. Der Delicious-Data-Algorithmus richtet sich an gastronomische Großbetriebe wie Hochschulmensen, Betriebskantinen, Krankenhäuser oder die Systemgastronomie. Die Software befindet sich heute im Livebetrieb bei 30 Hochschulmensen darunter das Studierendenwerk Ulm. Mittlerweile wird die Software in drei Betrieben bei Deutschlands zweitgrößtem Cateringdienstleister Aramark getestet. Das entspricht aktuell Essensprognosen für rund 30.000 Gäste täglich.

Das Start-up plant, mit den Mitteln aus der Seed-Runde das Prognosesystem weiterzuentwickeln, neue Kunden zu akquirieren sowie erste Mitarbeiter einzustellen. Im nächsten Schritt peilt Delicious Data die Marktsegmente Hotellerie, Freizeit- und Verkehrsgastronomie an.

Branchenpreis

Jakob Breuninger (l.) und Valentin Belser bei der Verleihung des DIG-Nachwuchspreises in der Kölner Flora im Okotber 2017 zusammen mit der Nominierten Eva Schlüter, A’verdis, Münster.
Thomas Fedra
Jakob Breuninger (l.) und Valentin Belser bei der Verleihung des DIG-Nachwuchspreises in der Kölner Flora im Okotber 2017 zusammen mit der Nominierten Eva Schlüter, A’verdis, Münster.
Bereits im Herbst 2017 würdigte das Deutsche Institut für Gemeinschaftsgatronomie e.V. (DIG) die zukunftsweisende Idee gegen Lebensmittelverschwendung der studentischen Jungunternehmer mit dem Axel-Bohl-Preis. Der mit 3.000 Euro dotierte Branchen-Nachwuchspreis wurde im Rahmen einer feierlichen Gala in der Kölner Eventlocation Flora überreicht.

Über Bayern Kapital
Die Bayern Kapital GmbH, Landshut, wurde auf Initiative der Bayerischen Staatsregierung 1995 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der LfA Förderbank Bayern gegründet. Bayern Kapital stellt als Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern den Gründern innovativer High-Tech-Unternehmen und jungen, innovativen Technologieunternehmen in Bayern Beteiligungskapital zur Verfügung. Bayern Kapital verwaltet laut eigenen Angaben derzeit elf Beteiligungsfonds mit einem Beteiligungsvolumen von rund 325 Millionen Euro. Bislang hat die Gesellschaft rund 300 Millionen Euro Beteiligungskapital in 270 innovative technologieorientierte Unternehmen verschiedenster Branchen investiert, darunter Life Sciences, Software & IT, Werkstoffe & Neue Materialien, Nanotechnologie sowie Umwelttechnologie. In Bayern seien über 7.500 Arbeitsplätze dauerhaft in zukunftsfähigen Unternehmen entstanden, so die Information.


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