Fresenius-Praxistage

Neueste Entwicklungen im Allergenmanagement

Die siebten Fresenius-Praxistage „Allergenmanagement“ am 6. und 7. März in Mainz boten einen umfassenden Überblick über aktuelle rechtliche Entwicklungen, neue Analyse-Tools und Ansätze für ein umfassendes Allergenmanagement. Neben Tipps zur rechtskonformen Allergenkennzeichnung standen vor allem Fallbeispiele und Erfahrungen aus der Praxis auf dem Programm.

Dazu hatten die Veranstalter Experten aus Unternehmen wie Dr. Oetker, Develey und Hochwald gewinnen können. Alexandra Notari von LSG Group beschrieb die Herausforderungen für das Allergenmanagement beim Airline-Catering. Außerdem standen auf der Agenda: neue Erkenntnisse zur Analytik von Gluten und ein Update zur Allergenkennzeichnung in Europa. Sylvia Becker vom ECARF Institute (Berlin) berichtete über die Überarbeitung der Kriterien des ECARF-Siegels für allergikerfreundliche Lebensmittel.

67 Prozent der Deutschen finden es wichtig, dass Lebensmittelverpackungen auf möglicherweise allergieauslösende Inhaltsstoffe hinweisen. Das ist ein Ergebnis des Ernährungsreports 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Allerdings gibt es immer noch keine eindeutige gesetzliche Regelung zur Kennzeichnung von Allergenspuren. Und das wird sich, darüber waren sich die meisten Referenten einig, in absehbarer Zeit nicht ändern. Politik, Industrie und Wissenschaft ringen weiter um klare Nachweise, praktikable Gesetze und funktionierende Allergenmanagementstrategien.

Nach Schätzungen der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) leiden 30 Prozent der Bevölkerung unter mindestens einer Allergie. Allergenmanagement ist für Lebensmittelindustrie und -handel deshalb eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Nicht nur, weil es gilt, eine große Zielgruppe zu bedienen und Marktanteile zu gewinnen oder zu verteidigen: Allergene haben eine hohe Rückrufrate, wie Jürgen Schlösser von Dr. August Oetker Nahrungsmittel und Andreas Witsch von Develey Senf & Feinkost feststellten. Die Kosten für einen Produktrückruf können nach Schätzungen des „Runden Tisches Allergenmanagement“ bis zu eine Million Euro betragen.

Schlösser und Witsch zeigten in ihrem Referat auf, welche Dimensionen das Allergenmanagement im Zuge der Globalisierung annimmt: Jährlich sind etwa 130 Millionen Container auf allen sieben Weltmeeren unterwegs. Täglich fahren 1,3 Millionen LKWs über Deutschlands Straßen. Um so wichtiger ist die Risikoanalyse entlang der Lieferkette. Nur so können Hersteller vermeiden, dass sich Transportbehälter als „trojanische Pferde“ für Allergene erweisen, denn eine Rückverfolgung von Lebensmitteln in den Behältern ist nicht möglich. So sei zum Beispiel die Steigleitung bei LKWs eine Quelle für Verunreinigung von ca. 50 Kilogramm, die oft übersehen wird. Allerdings würden Argumente für gutes Allergenmanagement noch zu wenig bei der Lieferantenauswahl und -beurteilung berücksichtigt.

Kommunikationsaufgaben in der Luft

Die Herausforderungen für das Allergenmanagement beim grenzüberschreitenden Airline-Catering skizzierte Alexandra Notari von LSG Group. Für alle Flugzeuge, die aus Europa starten, gilt die Lebensmittelinformationsverordnung LMIV. Die LMIDV sieht vor, dass vor Abgabe eines nicht verpackten Lebensmittels, eine Allergeninformation mündlich mitzuteilen ist. Den Fluggesellschaften stehen dafür verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Hinweise, dass die Allergeninformationen an Bord zur Verfügung stehen, können zum Beispiel auf der Serviette, im Entertainmentsystem, auf der Kopfstütze des Vordersitzes oder auf der Sicherheitskarte abgebildet werden.

ECARF-Siegel für Lebensmittel: Neue Kriterien in der Bearbeitung

Sylvia Becker, Geschäftsführerin des ECARF Institutes (Berlin), stellte auf der Fresenius-Tagung das ECARF-Siegel vor. Seit 2006 kennzeichnet es Produkte und Dienstleistungen, die sich auf die Bedürfnisse von Allergikern einstellen. Ein unabhängiger Beirat aus international führenden Ärzten, Wissenschaftlern und Technikern hat dazu jeweils Kriterien entwickelt, die für verschiedene Produktgruppen wie Cremes, Staubsauger oder Hotels gelten. Sie umfassen Schwellenwerte und Ausschlusskriterien, die eine allergische Reaktion sehr unwahrscheinlich machen. Ein Produkt erhält das Siegel, wenn durch Tests, Gutachten oder Studien nachgewiesen werden kann, dass die Kriterien erfüllt sind.

Das ECARF-Siegel gibt es auch für Lebensmittel: Das Institut hat bereits Lebensmittel zertifiziert, die die Deklaration „frei von“ führen und deren Hersteller ein effektives Allergenmanagement nachweisen können. Die Kriterien für Lebensmittel befinden sich nach Aussagen Beckers derzeit in Überarbeitung. Zu klären sei dazu nicht nur die Definition von Grenzwerten sowie des Prüfprozesses und des Qualitätsmanagements. Man benötige auch klare Kriterien für die visuelle und textliche Gestaltung auf Lebensmittelverpackungen: „Was ist enthalten? Was ist nicht enthalten? Bis zu welchem Grenzwert darf es enthalten sein?“ Und nicht zuletzt: „Wie erklärt man diesen Grenzwert schnell und einfach?“

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR zzgl. MwSt. bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

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