HKI Großküchenforum

Alles, was zählt... im Digitalen

Lisa Scholer vom Tech-Start-up Flip UG stellte vor, wie interne Mitarbeiterkommunikation 4.0 funktioniert.
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Lisa Scholer vom Tech-Start-up Flip UG stellte vor, wie interne Mitarbeiterkommunikation 4.0 funktioniert.

Wie sieht die digitale Transformation aus und was bringt sie? An die 100 Gäste des HKI-Großküchen-Forums im ICS Internationales Congresscenter Stuttgart wollten es genau wissen.

Was zählt, ist der Kundennutzen lautet die Quintessenz des Fachevents des HKI Industrieverbands Haus-, Heiz- und Küchentechnik "Großküche 4.0: Wie die digitale Transformation gelingt". Zweite Erkenntnis: Die Küche ist eingebunden in eine lange Wertschöpfungskette von der Ackerscholle bis über den Teller des Gastes hinaus zur Lebensmittelrettung per Deutscher Tafel oder Too Good To Go. Treffen die Faktoren Digitalisierung, Internet of Things und Künstliche Intelligenz auf genügend Expertise, unternehmerischen Mut und persönliche Vernetzung können sie drastisch viel Arbeitszeit, Ressourcen, Kraft, Geld, CO2-Emissionen und Lebensmittel einsparen helfen.

Viele Blickwinkel, viel Expertise

Wie vielfältig dabei die Aufgabenstellungen sind, lies sich leicht an der Riege der neun unterschiedlichen Referenten ablesen. Vom Unternehmensberater über Dienstleister und Start-ups bis zu Fachplanern, Herstellern und zum Digital-Security-Experten.
Beter Burghardt, Techconsult GmbH, attestiert dem Gastgewerbe einen Digitalisierungsgrad nur knapp unter dem Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland.
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Beter Burghardt, Techconsult GmbH, attestiert dem Gastgewerbe einen Digitalisierungsgrad nur knapp unter dem Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland.
Den digitalen Reifegrad der Gastroprofis beschrieb Peter Burghardt, Techconsult GmbH, anhand einiger Zahlen. So verfolgen zum Beispiel 35 Prozent aller Gastbetriebe mittlerweile eine Digitalisierungsstrategie. Bei 31 Prozent der System- und Gemeinschaftsgastronomen ist sie bereits fest verankert. Im Digitalisierungsindex (100 Punkte) erreichen die System- und GV-Profis einen Wert von 55 Punkten, die top zehn Prozent des Gastgewerbes sogar 87. Wichtigste Themenfelder: IT- und Sicherheit sowie Kundenbeziehungen. Sein Apell: Digitale Projekte werden nicht heute auf- und morgen gewinnbringend umgesetzt. "Manchmal ist der Weg etwas länger" und zehn Jahre gehen schnell ins Land.

Lebhaft wurde diskutiert. Am Ende herrschte einhellig die Meinung: Was der Kunde braucht, zählt. Er braucht einfache Anwendungen für komplexe Prozesse.
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Lebhaft wurde diskutiert. Am Ende herrschte einhellig die Meinung: Was der Kunde braucht, zählt. Er braucht einfache Anwendungen für komplexe Prozesse.
"Digitalisierung ist ein Tool, keine Lösung", lautet das Credo des Küchen-Vernetzungsspezialisten Marc-Oliver Schneider, Geschäftsführer der Kiconn GmbH. So fasste er die Paneldiskussion im Sinne aller Diskutanten perfekt zusammen. Digitale Lösungen bringen nur Mehrwerte, wenn sie vorhandene Probleme und Aufgaben besser und schneller lösen als der analoge Weg.

KI nutzen, nicht fürchten

Künstlicher Intelligenz werde mehr zugetraut als sie kann, betonten die KI-Spezialisten Christian Lührs und Suhas Patel. IT-Producer Lührs, Simplexion: "KI meint vor allem den wachsenden Anschluss von Geräten an das Internet." Man könne überwachen und steuern sowie aus den erarbeiteten Daten Schlüsse für Marketing und Prozesse ziehen. Praktische, wirtschaftliche Vorteile beschrieb Patel, CEO des Start-ups Tvarit. Seine prädiktive Analyseplattform bezieht auch Aspekte rund um den Arbeitsplatz ein: Temperatur, Luftfeuchte, Licht und Akustik, Faktoren, die optimiert geregelt Produktivität und Zufriedenheit steigern sollen.

Diverse Ansätze versprechen endlich eine Antwort auf die zentrale Frage, wie die Praktiker in der Großküche endlich zu einer digitalen Steuerplattform für alle Geräte kommen. Das HKI hat die Entwicklung und Einführung von OPC-UA als digitalem Kommunikationsmedium für die Großküche durch- und umgesetzt. Die Lösung synchronisiert die Daten unterschiedlicher Systemsprachen, sodass Geräte und Prozesse herstellerunabhängig auf einer Plattform gesteuert werden können. Auch ein "SLA Connector" verdaut, visualisiert und sychronisiert Digitales unterschiedlicher Herkunft und ebenso die eigens entwickelte Rational-Plattform. Sie wurde von Produktentwickler Digital Business Solutions David Jahn von Rational im Diskussionspanel vorstellt.

Sicherheit geht vor

Einen Augenöffner anderer Art präsentierte Bernhard Dörstel von ABB Gebäude Automation. Rund 110.000 Hackerangriffe registriert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik täglich. Ein gewaltiges Problem, das zu wenige auf dem Schirm haben. Ausnahmslos jeder Datenzugang in ein Gebäude oder eine Firma muss geschützt sein, lautet Dörstels dringender Appell. Einen positiven Blick in die Fortschritte der Digitalisierung bot zum Schluss Thomas Mertens, S.A.M.-Strategy Consultants, am Beispiel des Münchener Hofbräuhauses. Dessen automatisiertes Warenlager sortiert die Lebensmittel und optimiert damit den Warenfluss in die Küche. Auch für die VR-Brille sieht er Potenzial.
ÜBER HKI INDUSTRIEVERBAND HAUS-, HEIZ- UND KÜCHENTECHNIK
Der HKI Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik e.V. vertritt die Interessen von rund 200 Mitgliedsunternehmen. Diese sind Hersteller von Großkücheneinrichtungen sowie häuslicher Heiz- und Kochgeräte. Beide Herstellergruppen sind in separaten Fachverbänden organisiert. Diese sind wiederum in gerätespezifische Fachabteilungen untergliedert.


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