Hochschulbetrieb

Lehrveranstaltungen verschoben

Der Campus der Wirtschaftshochschule in Vallendar, Eifel, ist für eine Woche durch das Gesundheitsamt geschlossen worden.
WHU Vallendar
Der Campus der Wirtschaftshochschule in Vallendar, Eifel, ist für eine Woche durch das Gesundheitsamt geschlossen worden.

Ab Montag, 16. März, setzt Österreich alle Lehrveranstaltungen an Hochschulen aus, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Eine vergleichbare Entscheidung ist in Deutschland nicht absehbar. Nur Bayern und Baden-Württemberg haben bislang beschlossen, den Sommersemesterstart zu verschieben. Derzeit sind Mensen und Cafeterien an den Hochschulen hierzulande aufgrund der vorlesungsfreien Zeit wenig frequentiert.

Was passsiert, wenn das Coronavirus auf dem Campus Einzug hält oder halten könnte, haben bislang zwei Hochschulen in Deutschland erfahren. Die WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar wurde vom Gesundheitsamt über einen infizierten Studenten informiert und musste für zunächst eine Woche schließen. In Hannover schlossen die Entscheider am Campus für Maschinenbau in Garbsen vorsorglich eine Mensa.

Mensa-Küchenbetrieb schützen

Seit Montag, 9. März ist wieder geöffnet. Keine Gefahr durch Covid-19. Dennoch waren die Verantwortlichen in Alarmbereitschaft und handelten konsequent vorsichtig, als sich am Donnerstag, 5. März, auch nur der Hauch einer Infektionsmöglichkeit mit dem Coronavirus ankündigte. "Auf einer Familienfeier traf ich eine Verwandte, deren Chef aus einem Risikogebiet zurückgekehrt war." Dieser Anruf einer Kollegin aus dem Mensa-Team ging am Campus Garbsen bei Hannover ein. Die Verwandte war selbst noch nicht getestet. Dazu bestand kein Anlass, so die Information. Dennoch meldete sich die Kollegin mit ihrem Anruf vor Arbeitsbeginn von der Arbeit ab. 

Umgehend wurde beim zuständigen Gesundheitsamt erfragt, was zu tun sei. Die Antwort: nichts. Kein Handlungsbedarf. Dennoch hielten der Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover Eberhard Hoffmann und der Leiter der Hochschulgastronomie Rainer Dowidat, die Mensa am Campus für Maschinenbau an diesem und dem nächsten Tag geschlossen. Zunächst sollte Klarheit bestehen, ob sich die Kollegin angesteckt haben könnte, was am Ende nicht der Fall war.

Informiert wurden die Gäste über einen Aushang am Mensaeingang. Parallel wurde die Campusleitung in Kenntnis gesetzt. Die Social-Media-Kanäle blieben außen vor. Ein informeller Online-Austausch fand jedoch auf dem internen Mensa-Forum statt – ohne nenneswerte Aufregung, wie Pressesprecherin Miriam Riemann betont. 

Mitarbeiter-Information nach Plan

Für die interne Kommunikation und die notwendigen Abläufe in den Studierendenwerken in Deutschland liegen Checklisten und Pläne vor. Zum Teil stammen diese von der rege genutzten Informationsplattform "DSWiki" des Deutschen Studentenwerks in Berlin. Die Website wird bei Bedarf täglich aktualisiert und hat eine eigene Coronavirus-Seite eingerichtet. Die Checklisten für den Notfall sowie wichtige Links zum Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und zum Robert Koch Institut (RKI) sind hier hinterlegt. Dokumente stehen zum Download bereit. 

"Die Lieferanten konnten vom Donnerstag auf den Montag umgeleitet werden", berichtet Riemann. "So wurden finanzielle Verluste vermieden." Die Mitarbeiter wurden für zwei Tage freigestellt. Auf dem Verlust der Einnahmen bleiben die Hannoveraner Hochschulgastronomen allerdings sitzen. "Da wir vorsorglich selbst geschlossen haben – ohne Anweisung durch das Gesundheitsamt – wird die Versicherung nicht zahlen", erläutert die Pressesprecherin. Dabei handelt es sich um die Einnahmen für rund 500 Essen täglich.

In der Region Hannover sind ab Donnerstag, 12. März, alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 1.000 Teilnehmern untersagt. Eine entsprechende Allgemeinverfügung gelte zunächst bis zum 22. März, sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) auf einer Pressekonferenz in Hannover.

Infizierter Student

"Die Nachricht des Gesundheitsamtes Mayen-Koblenz erreichte uns am Sonntagmittag. Wir reagierten schnell und haben vorerst den gesamten Campus in Vallendar geschlossen", erklärt Prof. Dr. Markus Rudolf, Rektor der WHU, Wirtschaftshochschule mit knapp 1.700 Studenten. Es sei kein Fall von Quarantäne. Bis zum 13. März bleibe der Campus als Vorsichtsmaßnahme geschlossen, um Infektionsketten zu identifizieren und zu vermeiden. Am Dienstag, 10. März, wurden die fünf engsten Kontakte des betroffenen Studenten bereits getestet. Ergebnis: negativ, nicht infiziert, berichtet Nicolas Vogt, Manager Public Relations der Wirtschaftshochschule in der Eifel. "Die Hochschulleitung der WHU arbeitet eng mit dem Gesundheitsamt Mayen-Koblenz zusammen und handelt grundsätzlich nach dessen vorgegebenen Regeln", erläutert Rudolf. Derzeit werden alle Personen, die in direktem Kontakt zum Infizierten gestanden haben, ermittelt, kontaktiert und durch das Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen sowie über eine mögliche häusliche Isolierung informiert.

Der Betreiber der Mensa, Kai Griesbach, S&G Catering, geht noch davon aus, dass der Betrieb am 16. März wieder aufgenommen wird. Mit sieben Mitarbeitern bereitet er dort täglich rund 250 Mittagessen für die Studierenden zu. Zum Tagesgeschäft gehören noch Cafeteria und Tagungsbewirtung. "Derzeit freut sich mein Team über die freie Zeit. Um die Formalitäten wegen der ausgefallenen Einnahmen kümmere ich mich im Nachgang", bleibt der Chef von insgesamt 25 Mitarbeitern gelassen. 

Radikal aber konsequent

In Österreich hat die Politik genauso radikal und konsequent vorsichtig entschieden wie die Verantwortlichen in Hannover. Im Alpenstaat sollen bis Anfang April alle Veranstaltungen in geschlossenen Gebäuden mit mehr als hundert Menschen verboten werden, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag in einer Pressekonferenz. Die Maßnahme gilt laut Bildungsminister Heinz Faßmann zunächst bis zum 3. April. An den mehr als 70 Hochschulen des Landes studieren insgesamt fast 380.000 Personen, berichtete die österreichische Zeitung "Der Standard". An den Universitäten Innsbruck und Salzburg werden diese Maßnahmen bereits umgesetzt. An der Uni Wien soll der Betrieb von Mittwoch, 11. März, an eingeschränkt werden, an der Universität Klagenfurt von Donnerstag an. Eine Entscheidung zum Schulbetrieb steht auch in Österreich noch aus. Derweil schloss das Land am Mittwoch die Grenzen nach Italien, dem in Europa zurzeit am stärksten von Coronavirus-Infektionen betroffenen Land. Einreisen darf nur, wer ein ärztliches Attest vorlegen kann. Griechenland hat ab Mittwoch, 11. März, für zwei Wochen alle Universitäten, Schulen, Kindertagesstätten und andere Bildungseinrichtungen. Polen, Spanien und die Ukraine setzetn ebenfalls Lehrveranstaltungen aus.

Die meisten Hochschulen in Deutschland befinden sich derzeit in der vorlesungsfreien Zeit. Die Mensen und Cafeterien sind entsprechend wenig frequentiert. Lediglich die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg haben eine erste umfangreichere Maßnahme beschlossen. An den Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie an den Kunst- und Musikhochschulen in Bayern wird der Beginn der Vorlesungszeiten auf den 20. April verschoben, in Baden-Württemberg verschiebt sich der Start des Sommersemesters bis nach Ostern. Insgesamt erhöhen die Studentenwerke in den gastronomischen Einrichtungen die Hygienemaßnahmen. In diesem Zusammenhang appelliert Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerk (DSW), an die politischen Entscheider: "Die Zeitverschiebung bis zum tatsächlichen Start des Sommersemesters 2020 muss verbindlich und offiziell als 'vorlesungsfreie Zeit' deklariert werden. Denn während der vorlesungsfreien Zeit läuft die BAföG-Förderung weiter. So wird sichergestellt, dass die bereits geförderten Studierenden nicht in ein finanzielles Loch fallen, sondern ihr BAföG lückenlos weiterbeziehen."

Zur Debatte stehen offene Salattheken generell, Salz- und Pfefferstreuer sollen nicht mehr auf den Tischen stehen, Besteck soll zur Sicherheit in Servietten eingeschlagen zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich werden flächendeckend Desinfektionsstationen installiert, heißt es beim Deutschen Studentenwerk in Berlin.


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