Hohenheim | Bioökonomie

Insekten-Snacks? Noch überwiegt Skepsis

Insekten sind als alternative Proteinquellen im Kommen, doch bei den Gästen gilt der Verzehr noch als Mutprobe.
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Insekten sind als alternative Proteinquellen im Kommen, doch bei den Gästen gilt der Verzehr noch als Mutprobe.

Im Vergleich zu Fleisch oder Milchprodukten ist die Öko- und Klimabilanz exzellent. Artgerechte Haltung? Kein Problem! Auch ernährungsphysiologisch können Insekten dank hohem Eiweißgehalt und wertvollen Mikronährstoffen überzeugen. Dennoch gibt es hierzulande noch viele Vorbehalte gegen den Verzehr von Mehlwürmern, Heuschrecken und Co.

Studierende der Universität Hohenheim in Stuttgart haben sie im Rahmen eines Humboldt reloaded-Projektes das Thema genauer untersucht. Zunächst haben sie sich in einer umfangreichen Literaturrecherche einen Überblick über die Forschungslage verschafft. Anschließend entwickelten die Studierenden gemeinsam mit Projektbetreuerin Sandra Flory eine eigene Online-Befragung. 

Warum essen eigentlich viele Menschen Garnelen, aber keine Heuschrecken? Diese Frage beschäftigt Jessica Bartholomä, die an der Universität Hohenheim Ernährungswissenschaft studiert, seit sie eine Reportage über die ökologischen Vorteile von essbaren Insekten gesehen hat.
 

„Am Geschmack selbst scheint es nicht zu liegen“, glaubt die Bachelor-Studentin. Den Selbsttest hat sie bereits gemacht: „Wie Insekten schmecken hängt eigentlich vor allem von der Zubereitungsart ab. Knusprig frittiert und gewürzt können sie z.B. ein pikanter Snack sein. Nudeln mit Insektenmehl haben hingegen kaum Eigengeschmack.“ 

Genuss ist Kopfsache

 Während der Verzehr von Insekten hierzulande nicht zuletzt mit Ekelprüfungen im TV assoziiert wird, sind Insekten in vielen Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas traditioneller Bestandteil des Speiseplans. Reich an Eiweiß, aber z.B. auch an Eisen und Vitamin A, können sie einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten.

Insgesamt nahmen 140 Personen im Alter von 19 - 35 Jahren an der anonymen Umfrage teil:
Jeweils 35 Studierende aus ernährungswissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen, technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen (inkl. Agrarwissen-
schaften und Medizin). „Eigentlich hatten wir vermutet, dass Studierende der Ernährungswissenschaften besonders aufgeschlossen für das Thema wären. Tatsächlich zeigte sich aber das umgekehrte Bild: Nur 3,6 % gaben an schon einmal Insekten gegessen zu haben. Im Bereich Gesellschaftswissen-
schaften liegt der Anteil hingegen bei 40 %“, berichtet Projektbetreuerin Sandra Flory. 
 
Wenn es um die Frage geht Insekten in die alltägliche Ernährung zu integrieren, fällt die Bereitschaft bei Studierenden aller Studiengänge unterm Strich jedoch gleichermaßen verhalten aus: Auf einer Skala von 1 (= gar nicht bereit) bis 5 (= auf jeden Fall) bewegen sich die durchschnittliche Akzeptanzwerte aller vier Gruppen zwischen 2,0 und 2,25. Unterschiedliche Insektenarten wirken dabei auf die befragten Studierenden unterschiedlich appetitanregend: Beispielsweise lehnten 99 % der Probanden Kakerlaken ab, während sich 50 % vorstellen könnten Heuschrecken und Grashüpfer zu verzehren. 35 % verschmähen hingegen den Verzehr jeglicher Art von Insekten. 

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