37. Internationales Foodservice-Forum

Food! Erfolgsfaktor, Kulturgut, Style.

Mirko Silz beschreibt, wie eine gesunde Unternehmenskultur Wachstum möglich macht.
Thomas Fedra
Mirko Silz beschreibt, wie eine gesunde Unternehmenskultur Wachstum möglich macht.

Der Nachmittag des Internationalen Foodservice-Forums in Hamburg servierte ein Drei-Gang-Menü: Wie wird Food zum strategischen Erfolgsfaktor im Handel? Welche Faktoren ermöglichen es einem Gastro-Unternehmen nachhaltig zu expandieren? Wie kann Architektur zusammen mit Foodtrends Innenstädte wiederbeleben?

Traditionelles trendig weiterentwickeln

Stavroula Ekoutsidou, seit 2010 für die Foodservice-Sparte des Ikea-Konzerns in Deutschland verantwortlich, hat für einen Food-Boom gesorgt. Restaurants, Mitarbeiter-Gastronomie und das Bistro Schwedenshop sind heute ein Business von 230 Mio. Euro und machen 51 Prozent des Ikea-Umsatzes aus. Es ist in den letzten fünf Jahren auf bestehenden Flächen um über 20 Prozent gewachsen, mit zwei neuen Einrichtungshäusern und einem Relaunch in gut 50 Häusern. 

Jeder 5. der 40 Millionen Ikea-Besucher jährlich kommt um zu essen. Die Strategie: Ikea hat Trends aufgenommen und mit der eigenen Identität verknüpft. Die klassischen Fleischbällchen wurden vegetarisch interpretiert zum Renner. Der schwedische Graved Lachs kommt super hip als Streetfood-Burger zu neuen Ehren. Hot Dogs gibt es zum selbst Bauen im Party Paket mit 32 Würstchen samt Zubehör. Im Fokus der Unternehmensstrategie stehe die Nachhaltigkeit. Sie werde im Essen und in Produkten umgesetzt und in den neuen Gebäuden. 

Das neue Ikea-Gebäude in Kaarst bei Düsseldorf ist laut Ekoutsidou das energieffizienteste weltweit und umfast einen neuen Ausstellungsbereich, der dem Thema Nachhaltigkeit komplett gewidmet ist. 

Internorga: Impressionen - Internationales Foodservice-Forum 2018



 

Die Führung muss die Kultur vorleben

Mirko Silz, seit 1991 einer der drei Köpfe der Pizza- und Pasta-Kette L'Osteria hat beste Erfahrungen mit gesundem Wachstum bei Marken wie McDonald’s, Vapiano und Coa vorzuweisen. L'Osteria hat aktuell 85 Stores, 25 mehr als zu Silz' Einstieg.

Er zeigte mit viel Verve, wie Unternehmenskultur oben vorgelebt werden muss. "Vertrauen", sagt er, "ist das größte Geschenk, das wir einander machen können." Und nur damit ist Erfolg möglich. Daneben müsse, wer wachsen will, genau analysieren, wo er steht und wo er hinwill. Dann kann man planen und umsetzen. Aber Wachstum sei nur ein Baustein der Unternehmenskultur neben zum Beispiel Gäste- und Mitarbeiterzufriedenheit. Er plädierte dafür sogenannte Wachstumsschmerzen positiv zu bewerten, ihre Gründe zu erkenne und daraus besser und gestärkt hervorzugehen. Wichtig dabei: Die Unternehmensinfrastruktur muss mit dem Umsatz wachsen.

Die Stadt wiederbeleben mit Gastronomie

Jan Knikker ist Partner beim niederländischen Architektenbüro MVRDV, das mit mehr als 200 Mitarbeitern weltweit in Sachen Architektur und Städtebau aktiv ist. Bekannt wurde das Büro zum Beispiel mit der Rotterdamer Markthalle. In Deutschland wird aktuell an Projekten in München, Mainz, Mannheim, Hannover, Hamburg und Kiel gegarbeitet.

Innovation für mehr Leben

Ein wahres Feuerwerk an Beispielen weltweit demonstierte dem hochkarätigen Fachpublikum, wie intelligente Entwürfe totgeglaubten Innenstädten Leben einhauchen können - vor allem durch gastronomische Konzepte. Selbst eine hässliche Autobahn in Seoul wurde zur grünen, stark frequentierten Oase mit Naturlehrpfad und Gastronomie nicht nur für die Berufstätigen der umliegenden Büros. In Rotterdam wurde eine überdachte Markthalle für 110 kleine Stände von je 20 qm Fläche gebaut, finanziert und belebt unter anderem dadurch, dass der Überbau aus verkauften Wohnappartments besteht. Gegessen wird auch zum Beispiel auf den Dächern der Marktstände mit kulinarischen Angeboten aus aller Welt. Was kann man in der Mall kaufen? Nur und ausschließlich Food.



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