Klinikum Halle

Taskforce gegen Zucker

Die Teammitglieder der Taskforce.
Petra Mewes
Die Teammitglieder der Taskforce.

Sachsen-Anhalt, insbesondere Halle/Saale, hat bei 236.000 Einwohnern mit 12 Prozent die höchste Diabetes-Rate in Deutschland. Alle Maßnahmen der Prävention, zum Beispiel die Stärkung der Eigenverantwortung, haben laut Adipositas Gesellschaft die Entwicklung der Fettleibigkeit in den letzten 20 Jahren nicht gestoppt. Dr. Rainer U. Pliquett wollte dabei nicht länger zusehen.

Er ist Diabetologe und Oberarzt der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Halle (UKH). Er und seine Kollegen behandeln unter anderem Diabetiker, die in dem Klinikum selbst nicht optimal ernährt werden. Und das trotz eines 80 Seiten starken Katalogs, der entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Sonderkostformen enthält. Dem Privatdozenten Pliquett geht es um ein ganzheitliches Ernährungskonzept, denn das Thema ist sehr komplex, zumal viele Patienten noch gar nicht an Diabetes erkrankt sind, sondern sich erst in einer Vorstufe befinden.

„Wenn wir hier ansetzen, kann ihnen eine langwierige Diabetes-Behandlung erspart bleiben.“
Dr. Rainer U. Pliquett
Inzwischen steht täglich ein Gericht mit dem Symbol eines erhobenen Daumens im grünen Kreis auf dem Speiseplan, das gesündere Speisen mit weniger Zucker kennzeichnet. Das auffällige Icon soll die Patienten zur Auswahl eines gesünderen Menüs motivieren und für das Thema sensibilisieren.

Projekt startete im November 2016

Das Projekt startete im November 2016, als Pliquett fest entschlossen und abteilungsübergreifend die Taskforce „Gesunde Ernährung im Krankenhaus“ gründete. Ihr gehören neben Pliquett als Leiter auch Ines Drenkelfuß, Abteilungsleiterin Patientenservice, und Axel Rettschnick, Betriebsleiter der UKH Service GmbH, als Versorger der Patienten- und Mitarbeiterverpflegung an, dazu Krankenschwestern und Diätassistenten.

Zuerst analysierten sie die Ausgangssituation: Bei 988 Betten, einer angenommenen Auslastung von 80 Prozent und drei Mahlzeiten pro Tag liefert die Service GmbH jährlich 865.488 Mahlzeiten auf die Stationen der insgesamt 27 Kliniken des UKH. Wohl wissend, dass Art und Zusammensetzung der Krankenhausernährung den Heilungsverlauf beeinflussen, bedeutete die Substitution zuckerhaltiger Getränke und Speisenkomponenten den notwendigen ersten Schritt für eine erfolgreiche Ernährungsumstellung, die ambulant weiterverfolgt werden soll. Zudem hat die komplementäre Diät-Beratung dauerhaft mehr Erfolg, wenn diese im Krankenhaus selbst auch schon praktisch umgesetzt wird.


Da die Anordnung der Kostform eine ärztliche Verordnung ist und dem Caterer patientenbezogen mitgeteilt wird, erfolgte auch eine umfassende Schulungsmaßnahme aller Klinken für den Ärztlichen Dienst durch das Team der Ernährungsberatung, die Taskforce sowie Rainer Pliquett persönlich. „Es geht dabei zuerst darum, die korrekte Bestellung der Kostform individuell für den Patienten in der Küche zu optimieren.“

Maßnahmenkatalog
  • Ausführliche Ernährungsinformation (Kalorien) auf Speiseplan
  • zusätzliches Angebot von Vollkornbrot bzw. Ersatz von Roggenmischbrot durch optisch ähnlich gemahlenes Vollkornbrot
  • Auswahlmöglichkeiten von Reis, Nudeln oder Kartoffeln bei der Bestellung
  • Auswahl zum Vesper von Kuchen, Obst oder Joghurt
  • Gemüse oder Salat als Beigabe zum Abendessen
  • Bei Buffet-Versorgung auf den Stationen kann ein zusätzlicher Obstkorb bestellt werden
  • täglich empfohlenes Vollwertmenü auf dem Speiseplan durch einen Daumen markiert
  • fettreiche Mittagsmenüs durch gesündere Mahlzeiten im Speiseplan ersetzt
  • einzelne Komponenten durch fett- oder kalorienärmere Produkte ausgetauscht
  • kalorienärmere Alternative zu Saucenbinder für alle Saucen
  • fortlaufende Überarbeitung der Speisepläne in Bezug auf gesunde Ernährung
  • Überarbeitung der Wahlmöglichkeiten und Menge der Beilagen für Frühstück und Abendessen
  • Darstellung der 10 Regeln der DGE in Intranet und Patienteninformationssystem
  • Kostverordnung laut aktuellem Kostformkatalog, Abstimmungen mit Klinik-Rechenzentrum


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