Kommentar

Contract Catering ist kein Selbstläufer

Burkart Schmid, Chefredakteur gv-praxis.
Klein
Burkart Schmid, Chefredakteur gv-praxis.

Die neuen Zahlen der Contract Caterer liegen uns vor. Sie sind so was wie der Seismograph einer Branche, die eigentlich nur schwer zu erfassen ist, weil ihre Strukturen von Schulmensa bis Patientenessen eher nach innen als nach außen gerichtet sind.

Überraschend, dass die Catering-Branche auf ein Mini-Erlösplus von nur 1,1 Prozent kommt. Erstaunlich deshalb, weil im letzten Jahr unser Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent gewachsen ist – das stärkste Wachstum seit 2011, als Deutschland sich von den Folgen der globalen Finanzkrise erholte. Also exzellente Rahmenbedingungen mit hoher Beschäftigungsquote. So hätte zumindest das Erlösplus im Businessmarkt besser sein müssen als im Vorjahr mit 4,8 Prozent. Fehlanzeige. Das Plus 2017 lag bei 2,9 Prozent. Und wenn von 31 Unternehmen sieben mit Minuszahlen abschließen, davon fünf unter den Top 10, dann bedarf das einer genaueren Betrachtung.

Marktführer mit Minuswerten

Dass es mit den Marktführern Compass und Sodexo gleich zwei Weltunternehmen mit Minuswerten (-3 bzw. -14,8 %) gibt, zeigt, dass sich der Markt neu sortiert. Größe ist in einem immer mehr von individualisierten Ansprüchen geprägten Geschäft kein Selbstläufer. Apetito-Geschäftsführer Andreas Oellerich betont, dass erfolgreiches Catering echte Maßarbeit ist. In der Riege der Top 10 kommen nur Aramark (Erlösplus: 9,8 %) und Apetito (5,5 %) auf ansprechende Wachstumszahlen. Beide Companies bleiben ihrer Linie treu, sich ausschließlich auf den Cateringmarkt zu fokussieren – ohne weitere Serviceangebote im Facilitybereich.

Trumpf Kundennähe

Kundennähe, so lehrt uns die aktuelle Umfrage, wird von den Auftraggebern immer mehr geschätzt und ist ein wichtiges Auswahlkriterium. Compass sah sich zu einer Neuausrichtung des Business- & Industry-Geschäfts veranlasst, „um durch maßgeschneiderte Angebote noch mehr Kundennähe herzustellen.“ Denn gegen eine sich formierende regionale Anbieterschar von zwei Dutzend Business-Caterern bleibt das Geschäft herausfordernd. Bezeichnend, dass es diese Unternehmen, angeführt von Genuss & Harmonie (Umsatzplus 20 %), ab Rang 11 bis 31 zu einem Umsatzwachstum von 6,9 Prozent brachten. In keinem anderen Marktsegment ist der Wettbewerb so intensiv – und das bei einem weiter zementierten Eigenregieblock, der in den letzten Jahren Dienstleister weitgehend auf Distanz halten konnte. Die Folge ist ein stattlicher Verdrängungswettbewerb, offensichtlich auch auf Kosten der Großen. Zugegeben, manche Umsätze schmelzen durch weniger Flüchtlingsversorgungen ab.

Digitalisierung und Lebensqualität

Die Anforderungen aber steigen in allen Disziplinen. Eine Kernfrage: Wie verändert die Digitalisierung das Nachfrageverhalten und welche Rolle spielt die Gastronomie? Die Trends von heute zwingen die Branche zum Umdenken. Das operative Geschäft wird bunter. Wer fit für die Zukunft sein will, holt sich Anleihen aus dem öffentlichen Profimarkt. Mit dem UP Central (Seite 34 bis 38, gv-praxis im Mai) gibt Merck eine gastrofachliche Antwort. Das Konzept fußt auf einem Mix aus regionalen Spezialisten und Eigenregie, aus Food Court und Restaurants. Spannend, dass die Gastronomie am Standort als Veränderungstreiber gilt – durch ihre Modernität und Vielfalt. Es geht um mehr Lebensqualität. Für alle im Businessmarkt tätigen Manager ein wichtiges Signal, das Profil neu zu justieren.




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