Kommentar

Reine Showeinlage

Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis
TW Klein
Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis

Damit hatte niemand gerechnet. Nicht mit einer solchen Botschaft, die vertuscht, was nur zu vertuschen geht. Die einen großen Bogen um die Wahrheit macht und die Akteure im Unklaren lässt: „Für nur vier Cent mehr gibt es ein gesünderes Schulessen. Das sollten uns unsere Kinder wert sein“, verkündete jüngst Bundesministerin Julia Klöckner mit einem gewohnt schönen Lächeln auf dem 2. Bundeskongress Schulverpflegung in Berlin.

Dies hätte die von ihr in Auftrag gegebene Studie zu Kosten- und Preisstrukturen in der Schulverpflegung ergeben – die sogenannte KuPS-Studie. Erwartet hatten die über 300 Teilnehmer des Kongresses etwas anderes, umso größer war das Erstaunen bei den vielen in die Hauptstadt angereisten Caterern. Nur 4 Cent mehr? Und wenn ja, wofür? Statt dezidierter Erläuterungen servierte die smarte CDU-Politikerin gemeinsam mit ihrem Kollegen, Gesundheitsminister Jens Spahn, die Ergebnisse im Galopp. Oder besser gesagt: Ein Ergebnis von vielen aus der Studie, das sich allerdings wunderbar verkaufen lässt und weder Eltern noch Trägern weh tut und stattdessen die Verantwortung allein an die Essenslieferanten delegiert.

Julia Klöckner macht einfache Rechnung

Es dürfe jetzt keine Ausreden mehr geben für die flächendeckende Umsetzung der DGE-Standards, mahnt die Ministerin. Doch die Showeinlage war damit nicht vorbei: Denn, so Klöckner, die 4 Cent Mehrkosten könnten durch Prozessoptimierungen und höhere Essenszahlen pro Schule leicht kompensiert werden, so dass am Ende der Verkaufspreis so bleiben kann wie er ist – im Schnitt bei 3,50 Euro. Im Klartext: Wenn die Caterer besser organisiert seien und ein attraktiveres Angebot auftischen würden, ließe sich der DGE-Standard kostenneutral umsetzen. Jammern über zu geringe Abgabepreise – aus Ministersicht alles nur hausgemacht.

Ein genauerer Blick auf die Vorab-Studie – die finalen Ergebnisse kommen erst Ende Januar – bringt wenig Licht ins Dunkel. Auf 40 Seiten sezieren die Verfasser der Studie, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, haarklein erstmals die Gesamtkosten des Schulessens auf Träger- und Catererseite. Der Cent-Betrag bezieht sich auf eine Modellrechnung einer Schule, in der vor Ort gekocht wird und täglich 200 Mahlzeiten rausgehen. Die Schulküche setzt weder Bio- noch explizit regionale Produkte ein, sondern kocht lediglich nach dem Standard.

Nur ein Ergebnis von vielen

Diese Modellrechnungen gibt es selbstverständlich ebenso für die anderen Verpflegungssysteme – und auch mit einem Bio-Anteil von 20 Prozent entsprechend den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung. Hier liegen die Mehrkosten – oh Wunder – überall höher. Bei 20 Prozent Bio-Anteil in dem oben genannten Beispiel bei glatten 16 Cent pro Mahlzeit. Nicht in die Rechnungen eingeflossen sind die anstehende Anhebung des Mindestlohnes ab Januar auf 9,19 Euro, die stetig steigenden Lebensmittelpreise oder die nach oben schnellenden Spritkosten.

Es scheint, dass die Ministerin bei der Verkündung der Ergebnisse nur eines im Blick hatte: Gutes Wetter machen in politisch stürmischen Zeiten. Den Wähler nicht weiter verprellen. Doch ist der „Sache“ damit geholfen? Die Studie sollte Basis sein für eine sachlich fundierte Diskussion. Diese Chance wurde vertan. Schließlich weiß auch die Ministerin: Ein gesundes, nachhaltiges Essen gibt es nicht zum Nulltarif. Eine Wahrheit, die sich nicht weglächeln lässt.



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