L & D-Geschäftsführer Jürgen Preuß

"Kassenbonpflicht ist nicht zeitgemäß"

L&D-Geschäftsführer Jürgen Preuß
L & D
L&D-Geschäftsführer Jürgen Preuß

Lieferengpässe und eine Thermopapierflut bestimmen das Bild. Am 1. Januar ist in Deutschland die neue Kassensicherungsverordnung in Kraft getreten. In der Betriebsgastronomie stößt die Bonpflicht auf Unverständnis, so auch bei Jürgen Preuß, Geschäftsführer des Cateringunternehmens L & D mit Sitz in Grafschaft, Rheinland-Pfalz .

"Unsere Kassen sind umgestellt und die Drucker drucken die Kassenbons aus", stellt Jürgen Preuß fest. Der L&D-Geschäftsführer ergänzt: "98 Prozent davon landen im Müll, weil unsere Kunden die ausgedruckten Kassenbons nicht haben wollen." Dazu noch im Sondermüll, wie er anmerkt, da Thermopapier nicht in den Papiercontainer gehört und auch nicht recycelt werden kann. "Dass Umsätze dokumentiert werden müssen, ist richtig", sagt er. "Aber gedruckte Kassenbons sind absolut nicht zeitgemäß. Wo bleibt hier die Rücksicht auf unsere Umwelt?"

Hardware im Lieferstau

Das neue Gesetz bedeutet einen riesigen Aufwand. Diesen hat das Unternehmen früh erkannt und bereits vor über einem Jahr mit Kirsten Frauenhoff eigens eine Fachkraft für Steuerfragen neu eingestellt. Kein geringer Kostenfaktor! Kirsten Frauenhoff kümmert sich darum, dass alle Kassen die gesetzlich richtige Software bekommen – "die Kassenanbieter haben selbst oft Schwierigkeiten mit den Gesetztestexten und deren Umsetzung" – und schult permanent die L & D-Mitarbeiter an allen Standorten. "Für unsere Betriebsleiter haben wir nun einen Leitfaden erstellt, wie sie sich zum Beispiel bei einer Prüfung verhalten und was sie beachten müssen."

"Ab dem Herbst besteht die Gefahr, dass wir uns unverschuldet im luftleeren Raum bewegen", findet Preuß. Denn fragwürdig sei, ob die technischen Bedingungen bis dahin überhaupt erfüllt werden können. "Softwareseitig sind wir up to date. Aber auf die gesetzlich vorgeschriebene Hardware ab 1. Oktober 2020, also die technischen Sicherheitseinrichtungen (kurz TSE genannt), warten wir ja noch." Er moniert, dass derzeit nur wenige Kassenanbieter zur Wahl stehen, deren TSE-Module bereits amtlich geprüft, zertifiziert und überhaupt verfügbar sind.

Hoher Invest notwendig

Das Unternehmen bedient rund 100 Betriebe und ebenso viele Schulen. Das bedeutet: Gut 300 Kassen müssen aufgerüstet werden. Besonders für die Kioske in den Schulen mussten TSE-fähige Kassen komplett neu angeschafft werden. "Ab 500 Euro aufwärts pro Kasse für das Software-Update – da kommt einiges zusammen", so Preuß. Und dann müsse alles auch noch alle drei Jahre neu zertifiziert und abgenommen werden. In den Betriebsrestaurants wird elektronisch bezahlt. Schüler zahlen im Prinzip gar nicht selbst. "Hier wird nicht klassisch kassiert, sondern mit Rechnungen gearbeitet", erläutert Jürgen Preuß. In beiden Fällen – Betrieben und Schulen – sei also sowieso alles vorschriftsmäßig dokumentiert. 

Sonderfall Automatenservice

Besonders kompliziert wird das Ganze bei den Warenautomaten, die an ein Kassensystem angeschlossen sind, da sie dann wie elektronische Kassen zu behandeln sind", äußert Preuß. "Ob es sinnvoll ist, für einen 30-Cent-Umsatz einen Kassenbon auszudrucken, sei dahingestellt." Im Prinzip brauche es neue Automaten, wenn auch hier die Kassenbonpflicht umgesetzt werden müsse. Technisch gesehen seien solche Automaten jedoch noch gar nicht auf dem Markt, sagt er. In diesem Punkt sei man mit dem Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV) im Gespräch. "Auch die Vending-Spezialisten sind noch auf der Suche nach einer Lösung."

Preuß' Vorschlag an den Gesetzgeber: "Einen Kassenbon soll jeder Gast erhalten, der einen verlangt. Gerne! Aber nur dann sollte einer ausgedruckt werden müssen." Mithilfe des Berufsverbandes Dehoga verfolge man eine politische Lösung. 

Über L & D
Der Caterer und Dienstleister mit Sitz im Innovationspark Rheinland ist ein bundesweit tätiges Familienunternehmen. Unter der Geschäftsführung von Jürgen und Phillip Preuß in dritter Generation versorgen rund 1.200 Mitarbeiter rund 100 Betriebsrestaurants sowie 84 Schulen und Mensen. Hinzu kommen die Sparten Event- sowie Freizeit-, Sport- und Messecatering. Zur Firmenphilosopohie gehören Regionalität, Tierwohl und Nachhaltigkeit. L & D verbindet eine langjährige Kooperation mit Camst, einem der führenden italienischen Caterer und Betriebsgastronomen aus Bologna, Italien. Im aktuellen gv-praxis-Ranking der deutschen Contract-Caterer rangiert L & D auf Platz 14 mit einem Nettoumsatz von 60 Mio. Euro in 2018.




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