BWiT: Mirko Dähne zur Bonpflicht

"Unsere Gäste haben kein Verständnis"

Mirko Dähne, Franchisenehmer & Finanzmanager in der Franchiseverwaltung bei Best Worscht in Town.
Markus Roman
Mirko Dähne, Franchisenehmer & Finanzmanager in der Franchiseverwaltung bei Best Worscht in Town.

Belegausgabepflicht anschaulich: In einigen Filialen ließ man Anfang Januar bei Best Worscht in Town (BWiT) die Bondrucker laufen. Die Papierschlange häufte sich am Boden und demonstrierte publikumswirksam den hohen Aufwand für die Gastronomen. Im Gespräch erläutert Mirko Dähne, Franchisenehmer & Finanzmanager in der Franchiseverwaltung bei BWiT, seine Ansicht.

FOOD SERVICE: Wie würdet ihr euren ersten Eindruck seit der Einführung der Belegausgabepflicht beschreiben?
Mirko Dähne: 
Unsere Gäste haben eine recht eindeutige Meinung, kein Verständnis. Sie halten das für Unfug. Dieser Meinung sind wir auch. Prinzipiell müssen die schwarzen Schafe ausgefiltert und Vergehen geahndet werden. Das wird aber mit der Belegausgabepflicht nicht passieren.
Warum nicht?
Vor allem, weil wir keine Registrierkassenpflicht haben. Erst ab 50.000 Euro Gewinn muss man eine Registrierkasse führen. Alle anderen sind von den Vorschriften befreit.

Welches Ziel verfolgt ihr mit euren Aktionen. Ihr druckt die Bons aus und lasst sie in den Standorten liegen?
Wir wollen unseren Gästen den Irrsinn vor Augen führen und hoffen, dass vielleicht auch der Gesetzgeber ein Einsehen hat. Vielleicht zieht er noch andere Möglichkeiten in Betracht. Um die Umsetzung hat sich anscheinend niemand Gedanken gemacht. Früher brauchten wir pro Monat zwei Kassenrollen, heute ist es pro Tag eine.

Wie könnte eine praktischere Lösung aussehen?
Zunächst bräuchten wir eine Kassenpflicht für alle. Neue Kassen sollten dann am besten online die Daten direkt an das Finanzamt übermitteln und nicht mehr auf Papier. Und diese Daten müssten die Behörden akzeptieren. Ein Beispiel: Wir haben zwar ein elektronisches Kassenbuch, müssen aber zugleich ein handschriftliches führen. Das macht keinen Sinn.

Über Best Worscht in Town
Konzept Mono-Produkt-Formel (Curry-/Rinds-/Bratwurst) mit 80 % To-go-Anteil, keine Sitzplätze
Units 28 insgesamt; 25 in Deutschland, 1 Unit in Jeddah, Saudi-Arabien, 2 Units in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate (Stand: 4/2019)
Gäste 300-400/Tag/Store
Fläche 20 bis 70 qm/Store
Relation Food/Beverage: 70:30
Umsatz 11 Mio. Euro (Stand 31.12.2018), 300 Tsd.-1,8 Mio. Euro/Store/Jahr
Franchise/Eigenregie 5 Eigenregie-Betriebe, 23 Franchise-Betriebe mit 12 Franchise-Nehmern, darunter einige Multi-Unit-Betreiber
Was erwartet ihr von Politik und Behörden?
In einem Punkt muss ich die Finanzbehörden in Schutz nehmen: Deren Personal müsste deutlich aufgestockt werden, um durch Kontrollen Steuersünder und schwarze Schafe effektiver zur Verantwortung zu ziehen. Ansonsten hoffen wir, dass die Politik andere Formen der Umsatz-Dokumentation in Betracht zieht, ohne diesen ganzen Müll zu produzieren. Dann bitte mehr Steuerprüfungen im Kleinen, um die schwarzen Schafe rauszufiltern – Stichwort Kassennachschau. Aber bitte nicht irgendwelche Gastronomen wegen Flüchtigkeitsfehlern in der Dokumentation anklagen.

Wie hoch waren die Investitionen für die Kassensicherungsverordnung bislang? 
2017 haben wir neue Kassen angeschafft für knapp 6.000 Euro das Stück. 2019 mussten wir pro Kasse noch einmal 1.500 Euro investieren – für Updates, TSE-Kompatibilität und Verfahrensdokumentation. Dazu kommen geschätzt noch grob 100 Euro pro Kasse und Monat an Bonrollen. Außerdem musste unser Personal neu geschult werden.

Über die Belegausgabepflicht
Seit 1. Januar 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung. Sie beinhaltet auch die Belegausgabepflicht. Gastronomen, Bäcker und Einzelhändler sind verpflichtet, bei jedem Kunden einen Kassenzettel auszudrucken. Der Kunde muss den Bon allerdings nicht mitnehmen. Ausnahmen zur Belegausgabepflicht gibt es u.a. für Wochenmärkte. Für die Gastronomie gibt es speziell keine Ausnahmen. Es kann jedoch eine Ausnahmeregelung beim zuständigen Finanzamt beantragt werden. Diese gilt beispielsweise bei Notfällen wie Stromausfällen oder technischen Problemen.



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