Mehrwertsteuer / Großküchenplanung

Kurz erklärt: Wann gilt welcher Prozentsatz?

Hans-Peter Nollmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VdF.
VdF
Hans-Peter Nollmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VdF.

Seit Anfang Juli 2020 gilt in Deutschland bis Ende des Jahres eine niedrigere Umsatzsteuer von 16 statt 19 Prozent. Die befristete Gültigkeit führt zu Fragen bei der Rechnungslegung für die Leistungsphasen einer Großküchenplanung. Sicher ist: Es ist kompliziert. Der Verband der Fachplaner steht seinen Mitgliedern beratend zur Seite.

Zwar empfiehlt der Verband der Fachplaner Gastronomie – Hotellerie – Gemeinschaftsverpflegung (VdF) bei Detailfragen den Rat eines Steuer- oder Rechtsexperten. Dennoch seien einige Rahmenfaktoren grundsätzlich gegeben, die Fachplaner bei jedem Projekt beachten sollten. Entscheidend für die Höhe der fälligen Umsatzsteuer ist, wann eine Leistung erbracht wird. 

Alle VdF-Mitglieder rechnen nach der Honorarordnung für Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI) ab. Die HOAI umfasst neun Leistungsphasen. Der Verhandlungsspielraum des jeweiligen Honorars wird über eine Ober- und Untergrenze definiert, so der VdF. Die Umsatzsteuer entsteht während des Anmeldezeitraums, in dem die Leistungen ausgeführt wurden. Hier gilt der Abschluss der Leistungen als maßgeblich.

Keine Rolle spielt
der Zeitpunkt der Rechnungsstellung oder des Vertragsabschlusses. Sind alle neun Leistungsphasen nach HOAI Bestandteil des Vertrages, entscheide der Zeitpunkt der Objektbetreuung inklusive Mängelbeseitigung maßgeblich darüber, ob 16 oder 19 Prozent Umsatzsteuer anfallen.

Großes Hin und Her bei Abschlagszahlungen

Sind für eine vollumfängliche Leistung Abschlagszahlungen vereinbart, wird zunächst mit der Abschlagszahlung der zu diesem Zeitpunkt gültige Steuersatz angerechnet – vorläufig!

Kurz gefasst
  • Umsatzsteuersatz richtet sich nach Abschluss einer Leistung
  • bei Abschlagszahlung wird der dann gültige Umsatzsteuersatz fällig
  • bei Abschluss der gesamten Leistung, gilt für alle Zahlungen der dann geltende Umsatzsteuersatz ggf. rückwirkend auf geleistete Abschlagszahlungen
  • vereinbarte Teilleistungen für einzelne Leistungsphasen werden nicht rückwirkend neu berechnet
  • Neuverträge als "zuzüglich gesetzlicher Umsatzsteuer" formulieren
Für ein Gesamtprojekt gilt der Steuersatz zum Abschluss des Projektes. Wird zum Beispiel eine Abschlagsrechnung im Juni 2020 berechnet, liegt der Umsatzsteuersatz zunächst bei 19 Prozent. Die Schlussrechnung, beispielsweise im Oktober 2020, hat dann jedoch den Umsatzsteuersatz von 16 Prozent. Die bereits angemeldete Umsatzsteuer der Abschlagszahlung ist dann dementsprechend im Nachhinein zu berichtigen.

Teilleistungen wieder anders

Etwas anders sieht es aus, wenn Planer und Bauherr sich vertraglich auf Teilleistungen verständigt haben. Dies können verschiedene Leistungsphasen der ersten Vorplanungen sein, die Genehmigungs- und Ausführungsplanung, die Vergabeplanung oder die Bauüberwachung. Diese Phasen müssen allerdings auch tatsächlich teilbar sein, also theoretisch auch an verschiedene Planer vergeben werden können. Eine willkürliche Trennung reicht nicht aus.

Für die Zukunft empfiehlt Nollmann als erfahrener Planer und Inhaber der SN-Beratung, Planung, Umsetzung für die Gemeinschaftsgastronomie allen Großküchenfachplanern: "Bei neu abzuschließenden Verträgen könnte man spezielle Klauseln einfügen, notwendig ist dies aber nicht. Grundsätzlich wäre es aber sinnvoll, alle Honorarregelungen 'zzgl. gesetzlicher Umsatzsteuer' zu vereinbaren." In jedem Fall rät er dazu, bei detaillierten Fragestellungen sicherheitshalber "einen Steuerberater oder Fachanwalt zu Rate zu ziehen".

Über den VdF
Der Verband der Fachplaner Gastronomie – Hotellerie – Gemeinschaftsverpflegung e.V.  (VdF) ist laut eigenen Angaben mit über 250 Mitgliedern der größte deutsche Berufsfachverband für Planer und Berater für die Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung. Im VdF organisierte Fachplaner und Berater verstehen sich als Partner des Bauherren sowie als Mittler hin zum Lieferanten, zu Ämtern und externen Dienstleistern. Im Fokus stehen individuelle, gastronomische Lösungen, basierend auf Wirtschaftlichkeit, Produkt- und Servicequalität der Küche, optimierte Workflows unter Berücksichtigung von Personal- und Betriebskosten sowie Energieeffizienz. Der Verband bietet das Zusatzzertifikat "Großküchenfachplaner VdF" zum Masterstudiengang Bereich Großküchenplanung der Hochschule Albstadt/Sigmaringen an. Ordentliches VdF-Mitglied kann nur werden, wer mindestens fünf Jahre Berufspraxis hat und regelmäßig Qualifizierungsnachweise erbringt.



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