Rheingold-Studie / Coronakrise

Esskultur wandelt sich dauerhaft

Homeoffice als Treiber einer neuen Esskultur.
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Homeoffice als Treiber einer neuen Esskultur.

Sechs zentrale Treiber verändern derzeit unsere Esskultur. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Rheingold-Studie. Das Kölner Markt- und Medienforschungsinstitut hat im Auftrag des Lebensmittelverbandes Kulinaria Deutschland eine qualitative, psychologische Studie durchgeführt.

Die Versorgung zuhause aufgrund von Homeoffice wird demnach immer wichtiger. Convenience-Produkte gewinnen weiter an Relevanz. Ziel der Studie war es, die Nutzung der verschiedenen Lebensmittel wie etwa Suppen, Eintöpfe, Saucen, Backmischungen, Desserts, Feinkost, Salate, Essig und Senf – tiefgreifend zu untersuchen und die Auswirkungen der Corona-Krise auf Ernährung, Kochen und Essen zu analysieren. 

Aus der Corona-Zeit resultieren viele verschiedene Veränderungen im Ernährungs-, Koch-, Ess- und Einkaufsverhalten, die sich zum Teil auch langfristig halten werden, so der Verband Kulinaria Deutschland. Während im ersten Lockdown insbesondere die Vorratshaltung von hoher Bedeutung war, befinde man sich jetzt in einer "Zwischenwelt", die noch eine ganze Weile andauern werde und in der sich neue Routinen etablieren und festigen. Die gestiegene Verbreitung und Akzeptanz von Home-Office werde erhalten bleiben und die kulinarische Versorgung Zuhause weiterhin von hoher Relevanz sein. Die Grunderfahrung einer "stärkeren Erdung der Ansprüche" und Offenheit für Vereinfachung wirke auch über den Lockdown hinaus.

Für die Veränderung von Ernährung, Kochen und Essen in Zeiten von Corona lassen sich laut Rheingold-Studie sechs zentrale Treiber differenzieren.

1. Versorgung sichern
Aus der Erfahrung einer begrenzten Verfügbarkeit von Produkten sowie aufgrund des eingeschränkten Einkaufserlebnisses aufgrund etwas der Maskenpflicht, werden verstärkt Vorratshaltung und Plankäufe getätigt.

2. Alltag strukturieren
Home-Office und Home-Schooling gehen mit der Herausforderung einer eigenen Tagesstrukturierung einher. Mahlzeiten und Snacks werden als Marker für die Zwischenetappen im Tagesverlauf genutzt, wodurch die Anzahl der Verzehranlässe gestiegen ist.

3. Gemeinschaft pflegen
Das gemeinsame Essen wird zur zentralen Begegnungsstätte, bei der auch Sorgen und Nöte auf den Tisch kommen. Die Reaktivierung des Familientischs wird als sehr positiv erlebt, da hier der Kontakt zu Partner und Kindern intensiviert wird. Statt Ernährungsidealen ist es nun wichtiger geworden, das Wir-Gefühl zu stärken: "Wir schaffen das!"

4. Tristesse kompensieren
Die vielfältigen, anhaltenden Begrenzungen werden als ermüdend bis deprimierend erlebt. Essen bietet eine gewisse Kompensation und wird gezielt zur Stimmungsmodulation eingesetzt: Abwechslung, Inspiration, Spannung, Schärfe und Überraschung.

5. Aktiv bleiben
Angesichts der eigenen Stilllegung und Begrenzung vermitteln Kochen und Backen Erlebnisse von Kreativität, Entwicklung und Selbstwirksamkeit, die stolz serviert und präsentiert werden können. Zum Teil entsteht jedoch auch Frustration: hoher Aufwand, fehlende Kompetenzen, enttäuschende Ergebnisse.

6. Perfektionsansprüche lockern
Die Corona-Zeit hat den Blick für das Wesentliche geschärft und darüber auch eine Erdung für das Thema Ernährung bewirkt, das zuvor mit einem hohen Performance-Anspruch besetzt war. Statt hoher Ernährungsideale steht nun ein gesundes Maß im Fokus.

Vor diesem Hintergrund habe sich die Offenheit für Lebensmittel spürbar verbessert. Das Fazit der Studienmacher lautet:

  • Gelockerte Perfektionsansprüche und ein neuer Pragmatismus erhöhen die Akzeptanz von Convenience-Produkten.

  • Gesundheit, Sicherheit und Hygiene rücken neu in den Blick und rechtfertigen verpackte und vorgekochte Lebensmittel.

  • Alltagsnöte und der Wunsch der Gemeinschaftsbildung legitimieren Vereinfachung und einen konsensfähigen Geschmack.

  • Neue Ambitionen zum Selber-Machen erfordern Hilfsprodukte, die inspirieren und zugleich Aufwand reduzieren und das Gelingen absichern.

  • Verzicht auf breiter Front schafft Bedürfnis nach Trost und unaufwändigen Genuss-Erlebnissen.

    Über Kulinaria Deutschland
    Kulinaria Deutschland e.V. vertritt rund 130 mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Damit zählt Kulinaria Deutschland zu den großen Interessenvertretungen der Branche.
     
    Über das Rheingold Institut
    Das Rheingold Institut gilt als eines der führenden Institute der qualitativen und quantitativen Marktforschung und spürt mit tiefenpsychologischen Methoden gesellschaftliche Trends auf. Rund 45 feste und 55 freie Mitarbeiter erforschen Märkte, Medien und Kultur. Mit Dependancen in San Francisco und Shanghai baut das Institut seine Internationalität stetig aus.



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