Seniorenverpflegung

Skandal um Schlierseer Seniorenresidenz

In einer Schlierseer Seniorenresidenz ermittelt die Staatsanwaltschaft München II unter anderem wegen 17 Todesfällen infolge von Unterernährung.
IMAGO / Leonhard Simon
In einer Schlierseer Seniorenresidenz ermittelt die Staatsanwaltschaft München II unter anderem wegen 17 Todesfällen infolge von Unterernährung.

Die Staatsanwaltschaft München II untersucht das italienische Unternehmen Sereni Orizzonti, Betreiber einer Seniorenresidenz in Schliersee. Massive Vernachlässigung, nicht eingehaltene Corona-Schutzmaßnahmen und der Verdacht auf Tod durch Verhungern in 17 Fällen stehen im Raum. Ein Bundeswehreinsatz wegen des Corona-Ausbruchs hat die skandalösen Zustände offengelegt, wie Medien berichten.

Der Bayerische Rundfunk (BR) berichtete, dass Bewohner der Residenz infolge massiven Pflegemangels und Unterernährung verstorben seien. Beschwerden sollen jahrelang von der Heimaufsicht ignoriert worden sein.

Das Landratsamt Miesbach betont laut Merkur, die Heimaufsicht habe aufgrund häufiger Betreiberwechsel in der Einrichtung nicht allen Vorwürfen nachgehen können. Der zuständige Medizinische Dienst komme einmal jährlich zur einer Regelprüfung. Aufgrund konkreter Vorwürfe sei im betroffenen Seniorenwohnheim im Jahr 2020 zweimal unangemeldet kontrolliert worden. Landrat Olaf von Löwis (CSU) habe dies gegenüber dem BR eingeräumt. Bereits Ende Februar fanden Hausdurchsuchungen bei vier Beschuldigten statt, drei seien ehemalige oder aktive Mitarbeiter im Heim. Im Landratsamt wurde zwischenzeitlich ein eigener Fachbereich eingerichtet, eine Mitarbeiterin sei beurlaubt worden.

Betreiber unter Verdacht

Außer dem Landratsamt, das bereits zweimal von der Staatsanwaltschaft untersucht wurde, steht der italienische Betreiber, Sereni Orizzonti, im Fokus der Ermittlungen. Der frühere Manager Siro Bona macht einen strengen Sparkurs für die Zustände in der Residenz verantwortlich. Er verließ das Unternehmen im Sommer 2020. Diese Vorwürfe weist Pressesprecher Vittorio Pezzuto jedoch zurück. Als Beleg für eingehaltene Standards führt er an, dass die Residenz nicht geschlossen worden sei.

Die Ergebnisse der Kontrollen gehen an die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände (ARGE). Die wiederum fordert die Betreiber auf, nachzubessern und setzt eine Frist. Schließen könne ein Heim nur die Heimaufsicht eines Landratsamtes. Dies sei jedoch ein extremer Schritt, betont ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, das mit dem Landratsamt bereits in Kontakt ist. Mildere Konsequenzen wären beispielsweise ein Aufnahmestopp. Den soll Landrat Löwis bereits im Mai 2020 verhängt haben.

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