Street Food Convention 2018

Food Trucker kommen raus aus der Nische

Diskussionsrunde auf der Street Food Convention.
Markus Roman
Diskussionsrunde auf der Street Food Convention.

In Nürnberg trafen sich bei der diesjährigen Street Food Convention erfahrene und angehende Food Trucker, Straßenköche und Gastronomen, die neue Wege gehen. In Paneldiskussionen, Vorträgen und Workshops diskutierte die Branche und erarbeitete Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen.

Die Convention fand in der Messe Nürnberg parallel zur Brauer-Messe Brau Beviale statt. Den Auftakt machte ein Panel erfahrener Street Food-Veteranen rund um die Moderatoren Klaus P. Wünsch und Stefanie Schmidts. Thema: die Lage des Street Food in Deutschland.

Nürnberg Messe: Mobile Unternehmer auf der Street Food Convention



Der allgemeine Tenor: Street Food ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und die Branche professionalisiert sich. Andrew Fordyce von Food Trend Tours findet zwar immer noch: "Street Food ist eine Revolution" und bezeugt großen Respekt vor Food Truckern, doch oftmals führe der Weg langfristig in klassische, feste Standorte.

Angekommen im Massenmarkt?

Reine Foodfestivals seien nicht mehr ganz so gefragt wie noch vor wenigen Jahren, Food Trucker catern inzwischen ganz "klassische" Events wie Taufen, Hochzeiten oder runde Geburtstage. "Street Food ist inzwischen Populärkultur. Das ist keine Nische mehr", findet Ramon Backus vom Food Truck Buns & Sons aus Köln. 

Bei der Frage nach den besten Veranstaltungsorten brachen einige Teilnehmer eine Lanze für kleine und mittelgroße Städte. Hier gebe es meist weniger Konkurrenzveranstaltungen und die lokale Politik und Behörden seien oft eher für das Thema zu begeistern. Mit leichter Sorge blicken die Etablierten auf Mitbewerber, die den guten Ruf von Food Trucks und Street Food nutzen, um beispielsweise das schnelle Geld mit Convenience-Produkten zu verdienen. Alle Teilnehmer stimmten überein, dass für echtes Street Food das hohe Qualitätsbewusstsein essentiell bleibe. 

Wirtschaftliche Tipps für Trucker

Doch natürlich sind auch wirtschaftliche Faktoren ein wichtiger Aspekt für die (mobilen) Gastronomen. Bei der Preisgestaltung etwa plädierten einige Panelteilnehmer für mehr Flexibilität. Bei einem Business-Event etwa ist die Preistoleranz der Kunden höher als auf einem lokalen Weinfest – dementsprechend sollten Food Trucker hier die Preise anpassen.

Nach neuen Einkommensquellen sucht zum Beispiel Melanie Linden von Goodman's Burger Truck aus Köln. Mit ihren inzwischen sechs Trucks und 35 Mitarbeitern setzt sie vor allem aufs Mittagsgeschäft und Catering. In naher Zukunft möchte sie einen Test mit einem Lieferportal wie Foodora, Lieferando oder Deliveroo starten. Dazu wird einer der Trucks an einem festgelegten Standort für eine bestimmte Zeit in der Woche bei dem Portal wie ein Restaurant gelistet und bearbeitet die Bestellungen der Lieferkunden.

Dominik Füzi erklärt, wie er seine Speisekarte optimiert.
Markus Roman
Dominik Füzi erklärt, wie er seine Speisekarte optimiert.

Beispiele aus der Praxis präsentierte Dominik Füzi. Er hat mit ein paar einfachen Kniffen aus der Verkaufspsychologie die Speisekarte seines Konzepts Lokalspießer optimiert und verzeichnet so nach eigenen Angaben deutlich mehr Umsatz.

8 Kniffe aus der Verkaufspsychologie (Dominik Füzi)
  • Kein Euro-Symbol verwenden
  • Kreditkartenzahlung anbieten, die Logos prominent präsentieren
  • Hochpreisige Produkte auf die Karte nehmen
  • Teuerstes Produkt (oder das mit der besten Marge) auf der Karte nach oben
  • Über Formulierungen nachdenken ("Worte schaffen Werte")
  • "Anker" auf der Karte setzen (z.B. "Bestseller", "Topangebot")
  • Schwellenpreiseffekt nutzen (7,95 Euro statt 8 Euro)
  • Sog. "Social Proof", etwa über Bilder des eigenen Stands mit vielen Menschen


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