Studie

Jede achte Klinik vor dem Aus

Die Zahl der Betten wird in den nächsten Jahren weiter sinken.
imago images / Jochen Tack
Die Zahl der Betten wird in den nächsten Jahren weiter sinken.

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2018 erneut verschlechtert: 13 Prozent lagen im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr. Nahezu jeder achten Klinik droht also das Aus. Dies zeigt der vor kurzem veröffentlichte "Krankenhaus Rating Report 2020" des Essener RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsförderung.

Demnach waren im Jahr zuvor nur 11 Prozent im "roten Bereich". Immer mehr Häuser verbuchen zudem am Jahresende ein Minus: So schrieben 29 Prozent der Krankenhäuser auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2017 waren es 27 Prozent. Gründe hierfür sehen die Autoren der Studie in der gesunkenen Zahl stationärer Fälle, aber auch im Fachkräftemangel und in den intensiveren Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) verbunden mit einer zunehmenden Ambulantisierung der Medizin. In diesem Jahr könnten die verschiedenen Stützungsmaßnahmen aus dem COVID-19-Gesetz laut Autoren zu einem positiven Netto-Effekt für die Kliniken führen, der jedoch bereits im Jahr 2021 voraussichtlich größtenteils wieder entfällt.

Private schneiden besser ab

Größere Häuser schneiden in dem Ranking besser ab als kleinere. Ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusse das Rating sowie die Patientenzufriedenheit ebenso positiv. Kommunale Kliniken stehen im Schnitt schlechter da als Krankenhäuser in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft. Gleichzeitig deckt der 16. Krankenhaus Rating Report regionale Unterschiede auf: Besonders weit hinten rangieren Kliniken in Baden-Württemberg, Hessen und Bayern, während die ost-deutschen Häuser insgesamt besser abschneiden als die westdeutschen.

Bei den Fallzahlen ist laut der Studie für dieses Jahr wegen der Verschiebung der aufschiebbaren Operationen ein spürbarer Rückgang von mindestens 6 Prozent zu erwarten. Spätestens 2022, so die Autoren, könnte man wieder den Status quo der Fallzahlen des Jahres 2019 erreichen. Bis zum Jahr 2030 wird die Verweildauer weiter sinken, prognostizieren die Forscher. Folglich gehe der Bedarf an Krankenhausbetten weiter zurück.

Landkreise gefordert

Viele Landkreise befassen sich inzwischen intensiv mit der Frage, wie sie eine nachhaltig stabile Struktur schaffen und dabei die flächendeckende Grundversorgung gewährleisten können. Gleichwohl zeige eine Sonderanalyse, dass schätzungsweise 40 Prozent der Landkreise instabile Krankenhausstrukturen aufweisen und sie damit in den kommenden Jahren Handlungsbedarf haben.
Über den Krankenhaus-Rating-Report
Die sechzehnte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“ wurde gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) und der HIMSS erstellt. Der Report  stellt die aktuelle wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser dar – mit einem Exkurs auf das aktuelle Thema „Insolvenzen“. Zudem analysiert er die bestehenden Krankenhausstrukturen in den einzelnen Kreisen Deutschlands und identifiziert solche mit instabilen Strukturen, die sich ohne eine Anpassung bald schon einem existenziellen Risiko ausgesetzt sehen können.
Datengrundlage des Reports sind 515 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2017 und 525 aus dem Jahr 2018. Sie umfassen insgesamt 942 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 71 Prozent.


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