Studierendenwerk Ulm

14.000 Kilo Lebensmittel gerettet

Die Happy Hour in der Universitätsmensa Ulm ist ein Erfolg – für Umwelt und Studierende.
Stw. Ulm
Die Happy Hour in der Universitätsmensa Ulm ist ein Erfolg – für Umwelt und Studierende.

Das Konzept "Happy Hour" des Studierendenwerks Ulm wird seit April 2017 in der Universitäts-Mensa Ulm umgesetzt. Bis Anfang August 2019 wurden so an die 14 Tonnen Lebensmittel gerettet. Ein guter Grund für die Nominierung für den "Zu gut für die Tonne!"-Preis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

"Ohne großen Aufwand haben wir ein schönes Ergebnis vorzuweisen", findet die stellvertretende Abteilungsleiterin der Hochschulgastronomie des Studierendenwerks Ulm, Petra Bosch. "Die ursprüngliche Idee trug die Technische Hochschule Ulm an uns heran," berichtet sie. Dort hatte die lokale Caritas-Organisation angefragt, ob man die Essensreste der Mensa nicht abgeben könne. Die gemeinnützige Idee scheiterte zwar an den lebensmittelrechtlichen Bestimmungen. Dennoch war eine gute Idee geboren: "Wir suchten einen Weg, die Verschwendung von guten Lebensmitteln zu verringern und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten, der gleichzeitig den Studierenden zugute kommt", formulierte es Günter Mayr, Abteilungsleiter Campusgastronomie des Ulmer Studierendenwerkes.

Das hat geklappt. Von der schnellen Einführung der Happy Hour profitieren seit April 2017 täglich 50 bis 70 Studierende der Universitätsmensa in Ulm, insgesamt rund 36.000 Kunden bislang. Als größte Einrichtung des Studierendenwerks bot sich ein ester Testlauf hier an. Selbst in der aktuell vorlesungsfreien Zeit werden täglich an die 50 Gerichte abgenommen.
Das Konzept war für den Bundespreis "Zu gut für die Tonne!" nominiert.
Stw. Ulm
Das Konzept war für den Bundespreis "Zu gut für die Tonne!" nominiert.

Auf die Schnelle vor der Tonne retten

Während des Semesters hat die Mensa bis 13:45 geöffnet. Zurzeit bis 13:30. Danach steht das Happy-Hour-Angebot für 15 Minuten allen offen. Manche Stammgäste warten dann schon mit ihrem Tablett vor der Ausgabe. Sie wissen das günstige Angebot zu schätzen. Da immer chargenweise nachproduziert wird, ist die Auswahl auch nach der Schließung noch vielfältig: Fleischgerichte, Vegetarisches und Veganes sowie Reis und Teigwaren werden an einer Ausgabe gesammelt. Die Gäste bedienen sich selbst und wiegen ihre Portion ab. Üppig gefüllt wiegen die Teller durchschnittlich über 500 Gramm. Kostenpunkt: 45 Cent pro 100 Gramm für Studierende statt regulär 89 Cent bzw. 1,39 Euro. Desserts und Salate werden fertig portioniert zum festen Studie-Preis von 40 Cent abgegeben. Etwa 20.000 seit April 2017.
Nachhaltigkeit der Hochschulgastrononie Ulm
Als Gemeinschaftsverpfleger sieht sich das Studierendenwerk Ulm in der Verantwortung, so nachhaltig wie möglich zu agieren. Hier einige Eckpunkte:
  • "Happy Hour" in der Mensa der Universität Ulm
  • "Ich bin von gestern und heute zum halben Preis zu haben" für Brötchen, Plunder, Salate und anderes
  • Kaffee in Bioqualität und fair gehandelt. Kaffeesatz geht als Biodünger an Unimitarbeiter und die Uni-Gärtnerei
  • Reis, Kartoffeln und Standardnudeln in Bioqualität
  • Salatschüsseln, Müsli- oder Obstbecher sowie Einweg-Besteck aus PLA-Kunststoff
  • To-go-Kaffeebecher sind FSC-zertifiziert
  • Demnächst: Papier-Strohhalme
  • Testbetrieb des Start-ups Noyanum, das durch algorithmusbasierte Absatzprognosen unnötige Lebensmittelverschwendung durch Überproduktion vermeiden will und ebenfalls zu den "Zu gut für die Tonne!"-Nominierten 2019 gehörte.
Manch anspruchsvolles Gemüt bringe es zwar auch bei diesem Angebot noch fertig, sich über eventuell ausgegangene Gerichte zu beklagen, musste Petra Bosch schon feststellen. Nachproduzieren steht jedoch selbstverständlich außer Frage. Die letzten Reste wandern zusammen mit den Tellerresten in die Nassmüllanlage. Zurzeit denke man darüber nach, an der kleineren Mensa der Technischen Hochschule in Ulm ebenfalls eine Happy Hour einzuführen. Schließlich geht die Idee auf deren Initiative zurück. Schön wäre es, so Bosch, wenn das Konzept auch hier aufginge. Der Aufwand neutralisiert sich in der Uni-Mensa. Ein Schalter muss länger aufbleiben und eine Kasse länger besetzt sein und können dadurch erst später geputzt werden. Dafür wurden andere Aufgaben einfach vorgezogen.

Erfolgreich auch ohne Preis

Alle Verantwortlichen sind zufrieden, dass dank Happy Hour an der großen Mensa kaum noch Unverkauftes übrigbleibt, wenn auch der "Zu gut für die Tonne!"-Preis in der Kategorie Gastronomie letztlich nicht bei ihnen landete. Er ging an Cassius Garten für "Alles aufessen" mit einem ähnlichen Konzept. Immerhin gehörte man zu den 18 Nominierten von 177 Einsendungen in vier Kategorien für den "Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung 2019", so die offizielle Bezeichnung.

Studierendenwerk Ulm

Die Hochschulgastronomie des Studierendenwerkes Ulm betreut die Hochschulstandorte Aalen, Biberach, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim, Neu-Ulm und Ulm mit knapp 28.000 Studierenden. Der Umsatzerlös der 23 Mensen und Cafeterien lag laut gv-praxis-Mensaranking 2017 bei 7,7 Mio. Euro (Vj. 7,4 Mio. €), ein Plus von 3,7 Prozent.



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