Stuttgart | Studie

Schlechte Noten für Schulessen

Den Stuttgarter Schüler schmeckt es häufig nicht.
Thomas Fedra
Den Stuttgarter Schüler schmeckt es häufig nicht.

Nur jedes dritte Kind in Stuttgart findet das Essen in der Schule lecker und jeder zweite Schüler wünscht sich mehr Vielfalt auf dem Teller. Dies sind nur zwei Ergebnisse einer Studie zur Mittagsversorgung an Stuttgarter Schulen, die die baden-württembergische Landeshauptstadt angeschoben hat.


Insgesamt stellen die Schüler dem Essen ein durchwachsendes Zeugnis aus mit einer Durchschnittsnote von 3,2, also gerade einmal befriedigend. Befragt wurden knapp 4.000 Schüler sowie etwa 1.400 Eltern von 72 Stuttgarter Schulen zu Status quo, Wünschen und Erwartungen im Rahmen der Studie "Gutes Essen in der Schule". Im Fokus standen dabei nicht nur der Geschmack und die Qualität der Speisen, sondern auch die Rahmenbedingungen, wie die Gestaltung der Essensräume, das Ausgabepersonal und die Möglichkeiten zur Mitbestimmung.

Zudem wollte die Landeshauptstadt herausfinden, wie der Bio-Anteil von 25 Prozent am Schulessen bei Eltern und Schülern ankommt. Der Stuttgarter Gemeinderat hatte diesen zum Doppelhaushalt 2018/2019 beschlossen und bislang kein Feedback eingeholt.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Niemals ohne, oder? 11 bis 15 Prozent der Kinder gehen ohne Frühstück aus dem Haus. Ein (zweites) Frühstück in der Schule scheint jedoch die Regel zu sein: Gut 80 Prozent der Kinder bekommen von ihren Eltern etwas zum Frühstücken mit auf den Weg.
  • Lecker? Nur jeder zweite Schüler findet das Essen abwechslungsreich, jedem dritten Kind schmeckt es nicht und lediglich 27 Prozent finden es schön angerichtet.
  • Qualität, naja … Nur ein Drittel der Eltern bewerten die Qualität des Essens als sehr gut bzw. eher gut.
  • Macht selten satt. 61 Prozent der Schüler werden in der Schule nur manchmal oder nie satt, weil das Essen nicht schmeckt, nicht reicht oder die Essenszeit zu kurz ist.
  • Erwachsene unerwünscht. Nur jedes fünfte Kind legt Wert darauf, dass Erwachsene mitessen.
  • Bio ist cool. Knapp der Hälfte der Kinder ist das Bio-Essen sehr wichtig, bei den Eltern erachten dies rund zwei Drittel der Befragten. Auffallend: 63 Prozent der Kinder assoziieren mit Bio-Essen, dass es gut für Klima und Umwelt ist. Bei den Eltern sind dies nur 48 Prozent. Und drei Viertel der Schüler erachten Bio-Food als gesund, während nur die Hälfte der Eltern dies finden.
  • Aktionen, bitte häufiger. Knapp zwei Drittel finden Aktionen- und Themenwochen in der Mensa sehr gut. Eltern begrüßen dies ebenso.
  • Caterer mit Luft nach oben. Im Schnitt bewerten die Eltern den Caterer an der Schule ihres Kindes mit einer Gesamtnote von 2,9 als befriedigend. Allerdings fühlen sich knapp 40 Prozent  vom Catering-Service schlecht informiert. Etwa 70 Prozent wissen, an wen Sie sich bei Beschwerden oder Anregungen beim jeweiligen Caterer wenden können. Und rund 40 Prozent der Eltern haben die Möglichkeit, Wünsche an das Catering-Unternehmen zu äußern.
  • Bitte mehr Mitbestimmung. Die Hälfte der Kinder möchte bei der Gestaltung des Speisenplans mitbestimmen und knapp 70 Prozent möchten zwischen verschiedenen Beilagen wählen können. Eine Auswahlmöglichkeit bei der Essensbestellung haben nur 60 Prozent.
  • Schulessen wenig cool. Nur knapp jeder dritte Schüler findet sein Schulessen cool.
  • Am liebsten Fastfood. Bei den Lieblingsessen -gleich ob vegetarisch oder mit Fleisch – liegen die Klassiker vorn: Burger, Schnitzel, Döner, Nudeln, Pizza, Pommes oder etwa Pfannkuchen.

Das Essen könnte aus Sicht der Schüler deutlich besser sein.
Landeshauptstadt Stuttgart
Das Essen könnte aus Sicht der Schüler deutlich besser sein.

Mehr als ein Essen

"Das Mittagessen an unseren Schulen ist weit mehr ist als reine Nahrungsaufnahme", meint die Stuttgarter Bürgermeisterin für Jugend und Bildung Isabel Fezer. In der Essenssituation haben die Kinder Kontakt zu ihren Mitschülern, sie lernen Tischmanieren und finden heraus, was ihnen schmeckt. "Diese wichtige Phase des Tages möchte die Landeshauptstadt Stuttgart für die Kinder ideal gestalten", unterstreicht Isabel Fezer. Dieser Gedanke habe die Studie angestoßen.

Die Studie zeige, dass ein Wunsch nach mehr Flexibilität und Mitbestimmung bei der Mittagsversorgung besteht. Mitbestimmung fehle beispielsweise bei der Gestaltung der Essensräume, die nach Einschätzung der Kinder gemütlicher und schöner gestaltet sein könnten. Auch bei der Ausgabe der Speisen, so die Schüler, wird nicht ausreichend auf Wünsche eingegangen. Positiv bewertet wird hingegen der Bio‐Tag. Ebenso gut kommen die Aktions‐ und Themenwochen bei den Schülerinnen und Schülern an. Diese wurden laut Isabel Fezer eingeführt, um das Image der Mittagesverpflegung zu verbessern.

Sattmachen sollte es

Nur 39 Prozent der Schüler werden immer satt durch das Essen.
Landeshauptstadt Stuttgart
Nur 39 Prozent der Schüler werden immer satt durch das Essen.

Arbeitgruppe Studie

Für die Studie wurde eigens eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Diese besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft, des Schulverwaltungsamts, des Gesundheitsamts, des Statistischen Amts sowie der Kinderbeauftragten. Die Arbeitsgruppe formuliert Handlungsempfehlungen, die nun umgesetzt werden sollen.

Handlungsempfehlungen

Damit das Essen den Schülern besser schmeckt und auch satt macht, sollen künftig zu jedem Gericht mindestens zwei Beilagen für die Kids zur Auswahl stehen. Zudem sehen die Handlungsempfehlungen vor, im Rahmen der Essensausgabe für eine bessere Absprache zwischen dem Ausgabepersonal und den Kindern zu sorgen. Die Caterer, die an den verschiedenen Schulstandorten tätig sind, wurden hierfür bereits mit den Ergebnissen der Studie vertraut gemacht. Sie sollen zudem dabei unterstützt werden, ihr Personal weiter fortzubilden.

Die positiv bewerteten Aktionswochen zu unterschiedlichen Themen wie etwa Fußball‐EM sollen flächendeckend etabliert und aktiv beworben werden. Aktionswochen werden dabei auch als eine gute Möglichkeit gesehen, um die Schülerinnen und Schüler stärker in die Gestaltung der Mittagsverpflegung einzubeziehen. Insgesamt sei das Thema Mitbestimmung ein zentrales Element der Handlungsempfehlungen. Die Arbeitsgruppe machte in ihren Empfehlungen deutlich, dass es nicht nur wichtig erscheint, die Schüler in die Gestaltung von Speiseplänen und Räumen einzubeziehen. Ebenso zentral sei es im Sinne der Selbstwirksamkeit auch auf umgesetzte Kinderwünsche hinzuweisen. Die Handlungsempfehlungen und eine ausführliche Präsentation der Ergebnisse wurden sowohl den Mitgliedern des Unterausschusses Essensversorgung als auch dem Schulbeirat vorgelegt.

Alle Ergebnisse der Studie zum Nachlesen finden Leser hier.

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