Tiefkühltagung 2018

'Eiskalt' in die Zukunft geschaut

Bernd Stark vom Deutschen Tiefkühlinstitut begrüßt die Gäste.
Christiane Strunk, dti
Bernd Stark vom Deutschen Tiefkühlinstitut begrüßt die Gäste.

Unter dem Motto ‚Neue Werte, neue Wege – die Zukunft beginnt jetzt‘, trafen sich Vertreter der TK-Branche im Dorint Hotel in Wiesbaden zur Tiefkühltagung 2018. Vier hochkarätige Referenten sprachen über Foodtrends, innovative Supermarktkonzepte und veränderte Ansätze von Marketing und Arbeitsleben in der heutigen, immer digitaler werdenden Zeit. Veranstalter war das Deutsche Tiefkühlinstitut e.V.

Food-Trends: Widerspruch von Wissen und Romantik

Den Auftakt der Konferenz machte David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Zürich. In seinem Vortrag „Essen is(s)t mein Leben – Food Trends 2025“, benannte er vor allem Widersprüchlichkeiten im Ernährungsverhalten moderner Gesellschaften als Herausforderungen an die Food-Branche. So sei das Nahrungs- und Essensangebot noch nie so vielfältig wie heute, zugleich gehe aber die Gesellschaft immer kritischer mit dem Thema um.
„Essen ist das neue Pop!“
David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft

Zum einen ist also das Wissen rund um Ernährung und Nahrungsmittel in breiten Schichten der Bevölkerung so groß wie nie, zugleich gibt es aber einen starken Wunsch nach Romantik und Handwerk in der Produktion der Nahrung. Man müsse also gezielt die Emotion der Kunden ansprechen – gerade da (nicht nur) in der Generation der Post Millenials gelte: „Das gilt für Food wie Politik – Food ist zuerst Medienfood“. Sein Vorschlag für die TK-Branche: einen Imagewechsel vom TK-Produkt zum Smart Food am Point of Sale vorantreiben und dort Vorteile wie Frische und Regionalität betonen.

Tiefkühltagung 2018: Referenten geben einen Ausblick auf die Zukunft


Der Online-Supermarkt mit absolutem Kundenfokus

Norbert Hegmann stellte unter dem Motto „Alles dreht sich um den Kunden“ sein Start-up myEnso vor. Der Online-Supermarkt, der gerade für ausgewählte Kunden in einer Testphase läuft, will sich durch eine 100prozentige Kundenzentriertheit von der Konkurrenz abheben und neue Innovationen schaffen. Neben intensiver Marktforschung – laut Hegmann habe man schon im Vorfeld 1,5 Mio. € investiert – ist das Herzstück von myEnso eine aktive Kunden-Community, ‚Pioniere‘ genannt.

Im Austausch mit dem Unternehmen entscheiden diese über viele Details, etwa das Sortiment des Online-Supermarkts, verschiedene Projekte oder Bedienbarkeit und Features der Plattform. Zudem bringen die Pioniere neue Ideen ein, die dann getestet und von der Community erneut bewertet werden. Dank dieser Kundennähe verspricht sich Hegmann einen klaren Vorteil zur Konkurrenz etwa von Rewe oder Amazon Fresh. Zudem ist myEnso als Genossenschaft organisiert, so dass Kunden Teilhaber der Gesellschaft werden können – bei größerem Mitbestimmungsrecht auch mit wenigen Anteilen. Anders also, als etwa in einer Aktiengesellschaft.

Neue Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung

Im Zeitalter der Digitalisierung ändere sich automatisch die Kommunikation, konstatierte Jens Lönneker vom Marktforschungsinstitut rheingold salon. Er unterlegte seine These mit tiefenpsychologischen Erkenntnissen und Beispielen. So sei der Beruf für viele gerade der ‚Digital Natives‘ nicht mehr der zentrale Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Gleichzeitig bleibe aber der Wunsch nach Anerkennung, der früher teils von beruflichem Erfolg gespeist wurde.

Das verlagere sich von der Arbeitswelt hin zu einem diffusen Bedürfnis nach Berühmtheit, getrieben unter anderem von Vorbildern in den (sozialen) Medien. Marken sollten für erfolgreiche Kommunikation überlegen, wie sie dem Kunden auf dem Weg zur Berühmtheit helfen könnten. Dabei dürfe man Berühmtheit nicht nur im großen Stil verstehen: Eine Prominenz in der Nische oder über eine gemeinsames Identitätsgefühl schaffe ebenfalls Anerkennung.

Herausforderungen in der Arbeitswelt der Zukunft

Franz Kühmayer vom Zukunftsinstitut in Frankfurt beschäftigte sich in seinem Vortrag „Lawinen in Zeitlupe“ mit der Zukunft der Arbeit. In einer Welt, in der vielen Arbeitnehmern die persönliche Zufriedenheit über das Einkommen gehe, müsse man sich viel stärker auf die Mitarbeiter fokussieren. Auch, weil Biografien längst nicht mehr so linear verliefen wie in der Vergangenheit. Zudem liege in vielen Unternehmen der Fokus auf starren Hierarchien, während erfolgreiche Projekte heutzutage oft eher in flexiblen Hierarchie-Netzwerken abgewickelt würden. Außerdem wünschten sich viele Unternehmen auf dem Papier innovative und querdenkende Bewerber, bremsten diese dann im Arbeitsalltag mit Verweis auf gewachsene Strukturen aus.

Wie solch einen Verhalten in Zeiten der Digitalisierung zur sogenannten „digitalen Disruption“ – und damit Verlust der Marktposition – führen könne, zeigte Kühmayer am Beispiel von Telefon-Kurznachrichten: Während sich weltweit Telekommunikationsanbieter bis Mitte der 2010er Jahre auf SMS verließen, entwickelte ein kleines Team von weniger als 20 Leuten WhatsApp. Innerhalb kürzester Zeit übertraf die Zahl der versendeten Nachrichten über WhatsApp die der SMS-Nachrichten. Dieses extreme Beispiel zeige, wie mangelnde Veränderungsbereitschaft auch bei großen Unternehmen zu Marktnachteilen führen kann.

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