Umsatz-Analyse 2019: Ante portas-Liste

Sansibar auf Sylt ist umsatzstärkstes Einzelrestaurant

Die Sansibar in Rantum auf Sylt.
Imago Images / Manfred Segerer
Die Sansibar in Rantum auf Sylt.

Gretel Weiß, Herausgeberin der foodservice, erstellt jährlich die foodservice Top 100 Rangliste der umsatzstärksten Gastro-Player/-Marken. In dieser Detail-Analyse nimmt sie Deutschlands umsatzstärkstes Einzelrestaurant in den Blick: die Sansibar auf Sylt, im aktuellen Ranking mit Platz 115 ein starker Vertreter der Ante portas-Liste der Top 100 (Plätze 101-167).

Im Ranking der größten Gastronomen Deutschlands steht sie auf Platz 115. Ja, mit geschätzt 24,5 Mio. Euro Jahresumsatz netto (2019 + 8,9%) ist die Sansibar in Rantum auf der Insel Sylt Deutschlands umsatzstärkstes Einzelrestaurant. Und das noch vor dem Hofbräuhaus in München (22,5 Mio. Euro Nettoumsatz/ + 11,4%). Die beiden extrem unterschiedlichen gastronomischen Platzhirsche sind wohl auch die einzigen Einzelrestaurants der Republik mit Jahreserlösen nördlich der 20 Mio. Euro-Marke. Und beides Großkaliber der besonderen Art, weit weg von typischen Betrieben unserer Branche. Einzigartige Exoten!

Re-Start auf Sylt: Sansibar wieder da



Und damit zur Sansibar auf Sylt im Detail: Die Schätzung von knapp 25 Mio. Euro jährlichem Restaurant-Umsatz ist ausgesprochen konservativ. Außerdem komplett ohne all die Einnahmen aus Online-Geschäft und Label-Lizenzen. Sprich: Wein, Mode, Gewürze – you name it!

Die Sansibar ist das Lebenswerk von Herbert Seckler – ein Schwabe aus Wasseralfingen, der vor über 40 Jahren als junger Mann nach Norden zog. Und seither ist er Herr über Deutschlands berühmteste Bretterbude in den Dünen von Sylt.

Schwieriger Start für die Sansibar

Natürlich war es nicht immer so. Ganz im Gegenteil. Die ersten Jahre deuteten eher auf einen Misserfolg hin. Doch dann nach 10 Jahren Existenzkampf brachte Herbert Seckler seine Sansibar Ende der 80er Jahre auf Erfolgskurs. Plötzlich kam die begehrte Schickeria in Scharen.

Luxus im Lümmel-Look ist die DNA der Sansibar. Heißt: erstklassige Produkte, rustikale Einfachheit, lässige Atmosphäre. Und dann ein Wirt, der seine Bodenhaftung auch als Promi-Gastgeber nie verloren hat. Ein qualitätsfanatischer und produktverliebter Einzelkämpfer mit viel Improvisationstalent, der an Spitzentagen im Sommer bis zu 5000 Gäste willkommen heißt: drinnen in der Hütte und draußen im Sand. Die Magie des Restaurants leitet sich aus der Magie des Ortes ab.

Hamburger Foodservice Preis 2009

Vor wenigen Tagen portraitierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den Unternehmer und sein Geschäft auf einer ganzen Seite: Ja, er weiß sich zu verkaufen! Kann seinen Mitarbeitern gegenüber heute ausgesprochen großzügig sein, weil er in den letzten beiden Dekaden viel verdient hat.


2009, also vor gut 10 Jahren, wurde er mit dem Hamburger Foodservice Preis ausgezeichnet (im Trio mit McCafé und dem russischen Unternehmer Rostislav Ordovsky-Tanaevsky Blanco). Der Erfolg der Sylter Sansibar ist legendär. Nicht zum Maßnehmen für normale Geschäfte, aber zum Maßnehmen für Vision, Ausdauer und Glück.
Herbert Seckler (l.) im Jahr 2009 bei der Verleihung des Hamburger Foodservice Preis. Im Bild gemeinsam mit der damaligen Laudatorin und heutigen Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbands Ingrid Hartges.
Thomas Fedra
Herbert Seckler (l.) im Jahr 2009 bei der Verleihung des Hamburger Foodservice Preis. Im Bild gemeinsam mit der damaligen Laudatorin und heutigen Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbands Ingrid Hartges.

Was sie charakterisiert, sagt Herbert selbst

  • Ich glaube ganz fest daran, dass Überdurchschnittliches nur aus dem Chaos entstehen kann und nicht aus Logik und Ordnung. Wir haben keine Managementstrategie, keine Businesspläne, keine Meetings.
  • Unser Erfolg kommt durch die Menschen.
  • Wir machen aus dem Besten im Einkauf das Beste auf dem Teller oder im Regal. Das ist der Stil unserer Küche, unseres Lebens in der Sansibar.
  • Nicht wir sind die Stars, sondern die Produkte. Und wir brauchen keine Kontrolle. Die Kunden sind gnadenlos. Wer etwas für viel Geld kauft, das seinen Erwartungen nicht entspricht, meldet sich sofort bei uns. Darauf vertraue ich.
  • Ein Markenimage leidet erst dann, wenn der Markeninhaber gierig wird und meint, der Kunde habe eh keine Ahnung. Überhaupt: Unser Problem ist die Beschaffung und nicht das Verkaufen.
  • Wenn ich merke, meine Entscheidung war falsch, schmeiße ich sie sofort um. Ich habe nicht das Ego, unbedingt rechthaben zu müssen.
  • Je lauter wir nach außen auftreten, desto mehr müssen wir unseren eigenen Ruf sauber halten.
Ja, die Sansibar gehört zum Reichtum der deutschen Gastro-Welt. Herbert Secklers vier Kinder sind längst aktiv mit im Geschäft. Auf die Frage, ob er in der Corona-Krise Hilfe vom Staat beantragt habe, antwortete er jüngst: "Nein, warum auch? Die Hilfen vom Staat sind ja keine Geschenke, sondern Kredite. Ich bin Schwabe und 68. Da nimmt man keine Schulden mehr auf. Ich stehe jetzt 43 Jahre in dem Laden, bin fast nie im Urlaub, fahre keine dicken Autos – da kann ich mir so eine Durststrecke auch mal leisten."
Über die Top 100
Beim Ranking der 100 größten Gastronomen Deutschlands (Top 100) handelt es sich um eine exklusive Erhebung des Fachmagazins foodservice (dfv Mediengruppe, Frankfurt am Main). Kernergebnisse für 2019: 6,1 Prozent Umsatzplus bei den Top 100, gut ein Viertel kommt vom Marktführer McDonald's (Umsatz 2019 geschätzt: 3,68 Mrd. €, +5,9 %). Gestiegene Durchschnittsbons treiben das Wachstum.
In der Top 100-Liste erhoben werden die gastronomischen Netto-Umsätze direkt an der Schnittstelle zum Verbraucher (System Sales) sowie die Zahl der Betriebe der großen Player. Die Werte beruhen auf freiwilligen Angaben der Unternehmen oder fundierten Schätzungen. Die Exklusiv-Analyse umfasst – Anschlussliste mitgerechnet – über 21.700 Betriebe mit mehr als 16,5 Mrd. Euro Nettoerlösen. 
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