Zwischenruf

Internorga: Eine erzwungene Absage

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Deutschland - ein Land der Hysteriker? Die Internorga in Hamburg ist wegen des Coronavirus verschoben. Diese Absage für den März wurde von Tag zu Tag deutlicher.

 Die Einschläge kamen in den vergangenen Tagen immer näher: Absage ITB in Berlin, Absage Guide Michelin in Hamburg, Verschiebung der Prowein in Düsseldorf. Die Schweizer verbieten Veranstaltungen, an denen mehr als 1000 Menschen teilnehmen, die Franzosen erhöhen immerhin auf 5000. Der Tenor ist immer der gleiche: Alles geschieht zum Wohl und Schutz der Besucher.
Und doch stimmt diese Absage nachdenklich. Besonders nachdenklich. Nicht nur wegen des immensen wirtschaftlichen Schadens, der durch die Absagen entsteht. In Berlin geht man nach der Absage der Internationalen Tourismusbörse von einem Schaden in der Höhe von 7 Mrd. Euro aus.


In Hamburg wird diese Summe - auch wegen der angedachten Verschiebung des Termins - sicher bei weitem nicht erreicht werden. Aber eines ist gewiss: Rechtsanwälte und Gerichte werden sich im Nachgang auch hier mit vielen Forderungen auseinandersetzen müssen.

Hysterie war noch nie ein guter Ratgeber. Es wurden in den vergangenen Tagen Stimmen laut, dass die Messe Hamburg mit ihrer Entscheidung zu lange gezögert habe. Das ist verständlich, wenn auch barer Unfug.


Natürlich versucht eine Messe in erster Linie ihr ureigenstes Interesse zu wahren: Menschen zusammenzubringen, die Geschäfte machen. Und dabei selbst ein Geschäft zu machen. Es ist in keinster Weise verwerflich, dass die Hamburger so lange wie möglich versucht haben, dieses Zusammenkommen der Branche zu retten. Im eigenem, aber auch im Interesse der Branche.

Weiter oben in diesem Text sprach ich ja bereits davon, dass diese Absage besonders nachdenklich stimmt. Hält man sich vor Augen, dass von den Restriktionen eigentlich in erster Linie nur Messen betroffen sind, andere Großveranstaltungen aber in aller Seelenruhe weiter durchgeführt werden, so kommt schnell die Frage nach der Gleichmäßigkeit der Behandlung auf.

Verstehen Sie mich nicht falsch - dies ist kein Plädoyer für die Absage von Konzerten mit 15.000 Musikfans oder Fußballspielen mit 50.000 Fußballfans. Aber die Frage muss schon gestattet sein: Wird hier nach zweierlei Maß entschieden?



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