Brüssel

EU-Richtlinie für Fleisch

Wenn das Wort "Fleisch" auf dem Etikett von Fleisch- und Wurstwaren steht, handelt es sich ab dem Jahr 2003 um Muskelfleisch. Innereien und Separatorenfleisch müssen dann gesondert gekennzeichnet werden. Das bestimmt eine EU-Richtlinie, mit der Klarheit über die vorgeschriebenen Angaben geschaffen werden soll. Mit dieser Regelung hat der Ständige Lebensmittelausschuss einem Vorschlag der Europäischen Kommission zugestimmt, in dem die Definition des Begriffs "Fleisch" für die Etikettierung von abgepackten Fleischerzeugnissen, wie Fleisch- und Wurstwaren, Fertiggerichten und Fleischkonserven, festgelegt wird. Die einzige gegenwärtig bestehende gemeinschaftliche Definition von Fleisch unterscheidet nach Ansicht der Kommission nicht zwischen Muskeln, Fett und Schlachtnebenprodukten, während Fleisch nach der Vorstellung der Verbraucher im wesentlichen Muskelfleisch ist. Sie erlaubte also keine zufriedenstellende Etikettierung, und mehrere Mitgliedstaaten hatten schon eine Definition von Fleisch für Etikettierungszwecke eingeführt. Die Richtlinie enthält im Einzelnen eine Reihe von Bestimmungen, die die Information der Verbraucher über abgepackte Fleischerzeugnisse in mehrfacher Hinsicht verbessern sollen: Sie beschränkt zunächst die Definition von Fleisch auf
  • Muskelfleisch, was eine wesentliche Änderung darstellt. Die anderen zum menschlichen Verzehr geeigneten Teile von Tieren, wie beispielsweise Innereien (Herz, Leber usw.) und Fett, müssen von nun an als solche etikettiert werden und nicht mehr als "Fleisch".
  • Ein Teil des Fetts und des Bindegewebes darf jedoch unter der Bezeichnung "Fleisch" deklariert werden, sofern es mit dem Muskelfleisch verbunden ist und einen Anteil von jeweils 25 Prozent bei Fleisch von Säugetieren nicht überschreitet. Schweinefleisch darf nicht mehr als 30 Prozent Fett und 25 Prozent Bindegewebe enthalten; für Geflügel- und Kaninchenfleisch liegen die zulässigen Fett- und Bindegewebsanteile bei 15 Prozent beziehungsweise 10 Prozent.
Die Richtlinie sieht außerdem die systematische Angabe der Tierspezies vor, von der das Fleisch stammt (Rindfleisch, Schweinefleisch usw.). Diese Information soll es den Verbrauchern erlauben, Preisunterschiede zwischen den Erzeugnissen besser nachvollziehen zu können und sich gemäß ihrer persönlichen Ernährungspräferenzen zu entscheiden. Schließlich nimmt die Richtlinie "Separatorenfleisch" von der Definition von Fleisch aus. Dieses ist bei der Etikettierung gesondert anzugeben; es kann nicht mehr in die Angabe desFleischanteils von Erzeugnissen, in denen es vorhanden ist, einbezogen werden. Die Mitgliedstaaten haben diese Richtlinie bis spätestens zum 1.Januar 2003 in nationales Recht umzusetzen. Alle nach diesem Zeitpunkt hergestellten Erzeugnisse müssen also nach diesen neuen Bestimmungen etikettiert sein. Jedoch dürfen die vor diesem Zeitpunkt hergestellten Erzeugnisse, die nach den alten Bestimmungen etikettiert wurden, vermarktet werden, bis die Lagervorräte erschöpft sind. "Diese harmonisierte Definition wurde mit dem Ziel ausgearbeitet, durch eine transparentere und genauere Etikettierung von Fleischerzeugnissen die Information der Verbraucher zu verbessern", stellte das für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Kommissionsmitglied David Byrne fest. "Ich denke, dass die Verbraucher ein Recht auf die bestmögliche Information über die von ihnen verzehrten Erzeugnisse haben. Die Etikettierung ist ein wesentliches Instrument, um dies sicherzustellen, und meine Priorität ist es, die Möglichkeiten für eine bewusste Kaufentscheidung zu verbessern." Die Richtlinie ermögliche es auch, gewisse auf Grund unterschiedlicher nationaler Definitionen bestehende Handelshemmnisse zu beseitigen. (Der vollständige Name lautet "Richtlinie der Kommission zur Änderung der Richtlinie 2000/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Etikettierung und Aufmachung von Lebensmitteln.") Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung



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