Urteil

Kündigung nicht gerechtfertigt

Der Diebstahl von Nahrungsmitteln am Arbeitsplatz rechtfertigt nicht automatisch die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers. Dies entschied das Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Die dortigen Arbeitsrichter gaben der Klage eines Arbeiters gegen eine Großbäckerei statt, erklärten aber die zusätzlich ausgesprochene fristgerechte Kündigung für wirksam. Der Arbeiter hatte nach dem Ende der Nachtschicht einen Beutel mit zwölf Brötchen an sich genommen. Beim Verlassen des Betriebes wurde er von Vorgesetzten auf den Diebstahl angesprochen. Unter Hinweis auf das strenge Verbot, Backwaren ohne Bezahlung mitzunehmen, wurde ihm fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht vertrat die Ansicht, dass bei der fristlosen Kündigung jedoch auch die lange Betriebszugehörigkeit des Arbeiters und dessen Unterhaltspflichten für seine drei Kinder hätten berücksichtigt werden müssen. In Anbetracht des geringen Wertes der gestohlenen Brötchen von nur rund 11,- DM müsse eine Abwägung der Interessen daher zu Gunsten des Arbeitnehmers ausgehen. Die zusätzlich ausgesprochene ordentliche Kündigung sei jedoch eine angemessene Sanktion, erklärte das Arbeitsgericht (Aktenzeichen: 9 Ca 2960/01).


stats