Aktuelle Informationen zum Nitrofen-Skandal

Wo liegt die Ursache der Kontamination? Unstrittig ist, dass bei den aktuellen Vorfällen mangelhafte Kommunikation sowie verzögerte Reaktionen auf die Kontrollergebnisse und fehlende Konsequenzen zu beklagen sind. Grundsätzlich ist das Vorhandensein von Nitrofen in Ökoprodukten aber ein Problem, das "von außen" in das System Ökolandbau gelangt ist. Skandale wie der gegenwärtige werden durch kritikwürdiges Verhalten einzelner Menschen verursacht und sind nicht die Schuld einer ganzen Branche. Sicher gibt es derzeit noch einzelne Defizite im Vollzug des Kontrollverfahrens, die ausgeräumt werden müssen. Aber im Sinne von Verbraucherschutz und Produktsicherheit ist und bleibt der biologische Landbau das zuverlässigste landwirtschaftliche System. Was ist Nitrofen? Nitrofen (2,4-dichlorophenyl-p-nitrophenylether) ist ein Getreideherbizid, das 1964 in den USA entwickelt wurde. Der Einsatz in der konventionellen Landwirtschaft ist seit 1981 in der Bundesrepublik und seit 1990 auch in den neuen Bundesländern verboten, denn Nitrofen steht im Verdacht, Krebs erregend zu wirken. Im Ökolandbau war es nie zugelassen. Nitrofen wurde in den alten Bundesländern in vier verschiedenen Pflanzenschutzmitteln als Breitbandherbizid gegen einjährige Unkräuter sowie gegen Gräser wie Windhalm und Ackerfuchsschwanz eingesetzt. Vorwiegend wurde es in Wintergetreide, Winterraps und teilweise auch im Gemüsebau verwendet. Nitrofen darf gemäß EU-Richtlinie 79/117/EWG (zuletzt geändert am 19.03.1991) innerhalb der Europäischen Union als Pflanzenschutzmittel weder in Verkehr gebracht noch angewendet werden. Das Verbot ist auf nationaler Ebene in der Pflanzenschutzanwendungsverordnung geregelt (zuletzt geändert durch die Erste Verordnung zur Änderung pflanzenschutzrechtlicher Verordnungen vom 27. 10.1999,BGBl. I S. 2070, 2071; siehe http://www.goinform.de/demo/allgem/ps/bu/pflsanwv.pdf). Verboten wurde das Mittel vor allem aus Gründen des Anwenderschutzes. Welche Rückstände wurden bisher festgestellt? Nach der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) vom 21.10.1999 gilt für Nitrofen eine allgemeine gesetzliche Höchstmenge von 0,01 mg/kg Lebensmittel (http://www.verbraucherministerium.de/verbraucher/lebensm-rueckstaende). Analysen von betroffenem Ökofutterweizen ergaben Rückstandswerte bis 5,96 mg/kg, in Ökoputenfleisch wurden Rückstande bis 0,8 mg/kg gemessen. Damit wurde der Grenzwert um ein vielfaches überschritten.



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