Fulda – ein Fall zum Nachdenken

Die Salmonelleninfektion in Fulda ist abgeklungen, aber die genauen Umstände der Ansteckung sind weiter unklar. Laut Stefan Kortüm, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, gibt es keinen vergleichbar komplexen Fall einer Salmonellenepidemie und wohl auch keinen, der so detailliert untersucht wurde. Unser Experte, Prof. Dr. Lutz Bertling, analysiert, was Praktiker daraus lernen können.

Im Mai wurde die Bevölkerung und die Fachwelt durch die Meldung aufgeschreckt, dass im Klinikum Fulda und im benachbarten Altersheim in einem Zeitraum von mehr als drei Wochen 271 Personen an Salmonellose erkrankt seien. Zwei Menschen starben. Die Klinik gab bekannt, dass die Epidemie wahrscheinlich durch Lebensmittel ausgelöst worden sei.

Auslöser waren Apfelschnee, Diabeteskost und eine Salatsauce, die in der Presse als mit Keimen verunreinigte Produkte bekanntgegeben wurden. Die Nachrichtenlage: Am 04.05.2007 wird die Epidemie verkündet. Um welches Lebensmittel es sich handelte, wurde auch am 22.05.2007 lt. WZ nicht mitgeteilt. Das mit Keimen verunreinigte Produkt sei eingekreist und bekannt – würde es allerdings benannt, könnten künftige Befragungen manipuliert werden, hieß es.

Der Gesundheitsdezernent des Landkreises Fulda sagte (lt. Pressemeldung) dazu: „Wir rechnen fest damit, dass wir in den nächsten Tagen (!) wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen können.“ Nach Angaben der Klinikleitung kamen zwei Varianten in Frage: ein infizierter Mitarbeiter, der von seiner Erkrankung nichts wusste, oder verunreinigte Lebensmittelzusätze. Der Medizinische Direktor meinte dazu, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch äußerst selten sei. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ein. Sie nannte Sabotage als eine durchaus mögliche Variante. Die Küche, die auch das angeschlossene Altenheim belieferte, wurde (lt. Pressemitteilung) am 16.5.07 geschlossen (nach der „zweiten Welle“ der Erkrankungen! s.u.), das heißt, seit mehr als 14 Tagen war eine Vielzahl von Erkrankungen bekannt, die Ursache noch nicht exakt ermittelt und in der Küche wurde weiter gearbeitet und folglich die Patienten und das Personal aus dieser Küche verpflegt. Mit der Verpflegung im Klinikum Fulda wurde ein Catering-Unternehmen mit Sitz in Flensburg beauftragt. In der o.a. Meldung hieß es dann weiter, dass ein Team aus 40 Experten (!) nach den Ursachen der Epidemie suche, am Klinikum Lebensmittel untersuche und Patienten und Mitarbeiter befrage. War zu diesem Zeitpunkt das „eingekreiste und bekannte, aber nicht benannte“ Produkt doch noch nicht bekannt ? Anderenfalls hätten die Experten ja nicht noch nach den Ursachen suchen müssen! Seuchen- und Infektionsexperten aus dem Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) seien eingeschaltet.




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