Neue Süßungsmittel zugelassen

Seitens der EU wurden neben den bekannten Süßungsmitteln die Sucralose und Aspartam–Acesulfamsalz als zulässig für die Verwendung in Lebensmitteln eingestuft. Durch die ’Verordnung zur Änderung der Zulassungsverordnung und anderer lebensmittelrechtlicher Verordnungen’ vom 20. Januar 2005 (BGBl. I S. 128) wurden diese beiden Süßungsmittel jetzt in die Liste der Süßstoffe (Anlage 2, Teil B der Zulassungsverordnung) aufgenommen. Sucralose entsteht durch kontrollierte Behandlung von Saccharose mit Chlor (Sulfurylchlorid). Die Substanz war bereits seit einiger Zeit in Kanada, Australien, Japan und den USA als Süßungsmittel zugelassen. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Sucralose als Süßungsmittel für die allgemeine Verwendung in Lebensmitteln akzeptabel ist und legte eine zulässige Tagesdosis (ADI) bis zu 15 mg/kg Körpergewicht fest. Der Stoff ist beständig gegen saure und enzymatische Hydrolyse und wurde nach dem Backprozess zu 95 Prozent wieder gefunden. Sucralose soll ungefähr eine 500- bis 600-fache Süßkraft gegenüber handelsüblichem Zucker (Saccharose) besitzen. Andere Autoren geben eine Süßkraft bis zu 750-fach gegenüber Zucker an. Folgende Vorteile werden dem Süßstoff Sucralose zugesprochen:
  • Sucralose lässt sich gut mit Zucker mischen, weshalb der Stoff bestens zur Herstellung einer größeren Vielfalt von Light-Produkten geeignet ist.
  • Sucralose ist stabil bei der Verarbeitung bei hohen Temperaturen (Backen und Pasteurisieren). Das erlaubt seinen Einsatz in größerer Vielfalt bei kalorienreduzierten Produkten wie Backwaren und Getreideerzeugnissen; zudem kann der Verbraucher diesen Süßstoff zu Hause ebenfalls zum Kochen und Backen verwenden.
  • Sucralose ist stabil bei der Langzeitlagerung und bringt so entsprechende wirtschaftliche Vorteile für Industrie und Verbraucher und weist ein Geschmacksprofil auf, das dem von Zucker sehr nahe kommt, ohne Neben- oder Nachgeschmack, wie er häufig bei anderen Süßstoffen vorkommt, beziehungsweise assoziiert wird.
Aspartam-Acesulfamsalz ist, wie der Name sagt, ein Salz aus zwei bereits zugelassenen Süßungsmitteln, nämlich dem Aspartam und dem Acesulfam-Kalium. Es wird aus diesen beiden Stoffen hergestellt, indem man das Kalium-Ion des Acesulfam-Kaliums durch Aspartam ersetzt. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss hatte die Sicherheitsdaten im März 2000 bewertet und auch für diese Substanz fest gestellt, dass er als Zusatzstoff akzeptabel sei und keine zusätzlichen Sicherheitsprobleme aufwirft. Für den neuen Süßstoff werden folgende spezifischen Vorteile gegenüber einer Mischung aus den beiden Stoffen angeführt.
  • Die Kristalle lösen sich schneller auf als eine Mischung aus einzelnen Süßungsmitteln. Bei der Herstellung von Instantprodukten wie Desserts, Getränkepulver und Tafelsüßen verhält sich dieser Stoff besser beim Mischvorgang.
  • Anders als eine Mischung der beiden Süßstoffe ist dieses Salz nicht hygroskopisch. Es lässt sich somit leichter lagern und in der industriellen Produktion besser einsetzen. Erleichtert wird auch das Produkthandling und es stellt weniger hohe Anforderungen an die Verpackung.
  • Die beiden Bestandteile können sich nicht voneinander trennen und ein festes Mengenverhältnis ist stets garantiert. Dies ermöglicht eine einheitliche Produktqualität.
  • Ebenfalls eine Steigerung der Produktqualität ist die Tatsache, dass sich das Salz leicht in schwierigen Produkten wie zuckerfreien Süßwaren verteilt, bei denen sonst eine Mischung von Süßungsmittel schwierig einzusetzen ist. Das Salz steigert die Süße von Kaugummi und verleiht ihm eine längere Haltbarkeit ohne Rückgriff auf eine Verkapselung des Süßungsmittels, zum Beispiel mit polymeren Überzügen. Der Kaliumanteil im Acesulfam-Kalium wird bei der Herstellung des Asparatam-Acesulfamsalz eliminiert. Es liegt damit eine stärker konzentrierte Süßungsquelle vor, denn es vereinigt zwei reine Süßungsmittel, ohne das funktionslose Vorhandensein von Kalium.
Für beide neuen Süßstoffe wurden für die einzelnen Lebensmittel jeweils geltende Höchstmengen fest gesetzt. Wie bei den bisher zugelassenen Süßungsmitteln ist eine Kenntlichmachung auf den Speisenkarten, den Wochenplänen etc. erforderlich.Professor Dr. Lutz Bertling



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