Richtlinie über die Etikettierung von chinin- und koffeinhaltigen Lebensmitteln vom 18.7.2002

Chinin und Koffein werden bei der Herstellung und Verarbeitung bestimmter Lebensmittel verwendet, und zwar als Aroma oder - insbesondere Koffein - als Zutat. Bei der Mehrzahl der Verbraucher ist der Konsum dieser Stoffe, sofern er nicht im Übermaß erfolgt, nicht mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. Nach Meinung des Wissenschaftlichen Ausschusses 'Lebensmittel' gibt es vom toxikologischen Standpunkt aus keinen Einwand gegen die weitere Verwendung von Chinin in einer bestimmten Höchstdosierung in Bitter-Getränken. Unabhängig davon kann der Genuss von Chinin bei bestimmten Personengruppen aus medizinischen Gründen oder wegen Überempfindlichkeit gegen diesen Stoff kontraindiziert (mit Nachteilen verbunden) sein. Bereits 1999 hat sich der Wissenschaftliche Ausschuss zu Koffein und andere in so genannten Energy-Drinks als Zutaten verwendeten Stoffe geäußert. Er kam dabei zu dem Schluss, dass der Beitrag der genannten Getränke zum Gesamt-Koffeinkonsum bei Erwachsenen mit Ausnahme von Schwangeren nicht Besorgnis erregend erscheint. Der Ausschuss ging von der Voraussetzung aus, dass diese Drinks anstelle anderer Koffeinquellen treten. Insbesondere bei Kindern kann eine Erhöhung zu vorüber gehenden Verhaltensänderungen führen, zum Beispiel erhöhte Reizbarkeit, Erregung, Nervosität oder Angstgefühle. Besonders bei Schwangeren wird eine reduzierte Koffeinzufuhr empfohlen. Es ist deshalb erforderlich, die Verbraucher durch entsprechende Etikettierung über das eventuelle Vorhandensein von Chinin oder Koffein in Lebensmitteln eindeutig aufzuklären und im Fall von Koffein ab einer bestimmten Dosierung in Getränken, in denen Koffein nicht auf natürliche Weise enthalten ist, einen Warnhinweis und die Angabe des Gehaltes anzubringen. Da in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Regelungen über die Etikettierung beim Vorhandensein von Chinin und Koffein vorliegen, erfolgt durch diese Richtlinie eine europaweite Regelung. Sofern diese Stoffe als Aromen bei der Herstellung oder Verarbeitung von Lebensmitteln Verwendung finden, müssen sie in Zukunft im Zutatenverzeichnis nach dem Begriff 'Aromen' unter ihrem spezifischen Namen aufgeführt werden. Enthält ein Getränke mehr als 150 mg pro Liter Koffein, muss in demselben Sichtfeld wie die Verkehrsbezeichnung der Hinweis 'erhöhter Koffeingehalt' angebracht sein. Nach diesem Hinweis muss zusätzlich der Koffeingehalt in Milligramm pro 100 ml angegeben werden. Diese Regelungen gelten nicht für Getränke auf der Basis von Kaffee, Tee oder Kaffee- oder Teeextrakt, deren Verkehrsbezeichnung den Begriff Kaffee oder Tee enthält. Quelle: Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (2002,Nr. L191/20 -2002/67/EG)



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