Bundesernährungsministerium

Grünes Licht für Nutri-Score-Kennzeichnung

Wirklich besser? Nicht alle sind vom Nutzen der Nährwertkennzeichnung Nutri-Score überzeugt.
imago Images / Günther Ortmann
Wirklich besser? Nicht alle sind vom Nutzen der Nährwertkennzeichnung Nutri-Score überzeugt.

Der Weg für die flächendeckende Nutzung der Nährwertkennzeichnung Nutri-Score ist frei. Auch der Bundesrat hat jetzt der entsprechenden Verordnung des Bundesernährungsministeriums  zugestimmt. Doch nicht allen schmeckt die neue Kennzeichung. Auch für Speisen scheint das Label ungeeignet.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte entschieden, die Nutri-Score-Kennzeichnung als erweitertes Nährwertkennzeichen auf der Vorderseite von Verpackungen in Deutschland einzuführen. Die verabschiedete Verordnung ermöglicht nun die rechtssichere Verwendung, sie wird nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt voraussichtlich Anfang November in Kraft treten. Der Nutri-Score ermöglicht es laut Bundesministerium, auf einen Blick die Nährwerteigenschaften eines Lebensmittels zu erfassen und verschiedene Produkte innerhalb einer Produktgruppe miteinander hinsichtlich ihres Nährwertes zu vergleichen.

Klöckner appelliert an Unternehmen

„Die Einführung des Nutri-Score ist ein wichtiger Baustein unserer Ernährungspolitik in Deutschland, ein wichtiger Schritt hin zu einem stärkeren Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf und gegen versteckte Dickmacher“, ist Bundesministerin Julia Klöckner überzeugt. Von den Unternehmen erwarte die CDU-Politikerin, dass sie Farbe bekennen und ihr Sortiment umfassend kennzeichnen.
„Sie müssen Transparenz schaffen, es den Verbrauchern so ermöglichen, ihre Erwartungen an ein Produkt mit der zusammenfassenden Nährstoff-Bewertung des Nutri-Score abgleichen zu können“, so die Ministerin.
Die Einführung des Kennzeichens begleitet das Bundesernährungsministerium mit einer umfassenden Informationskampagne für Verbraucher und Unternehmen. Unter einer eigens dafür eigerichteten Homepage stehen Informationen, Expertenmeinungen, Antworten auf häufig gestellte Fragen, eine Erklär-Animation sowie Publikationen zur Verfügung.

Einheitliche Kennzeichnung auf EU-Ebene

Die nationale Einführung von erweiterten Nährwertkennzeichen ist nach geltendem EU-Recht nicht verpflichtend möglich. Demgemäß gilt auch in Frankreich oder Belgien der Nutri-Score nicht verpflichtend, ebenso wenig wie etwa das Keyhole-System in Skandinavien. Mit der Unterstützung vieler weiterer Mitgliedstaaten setzt sich Bundesministerin Julia Klöckner daher für die Einführung einer einheitlichen Nährwertkennzeichnung in der EU ein. Um eine Harmonisierung voranzubringen, hat die Politikerin im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft kürzlich Diskussionen zu diesem Thema eingeleitet. Ziel sei es, bei der Sitzung des EU-Agrarrats im Dezember, gemeinsame Schlussfolgerungen der Mitgliedsstaaten zu erreichen.

Kritik an Kennzeichnung

Für die Kennzeichnung von Speisen in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung scheint "Nutri-Score" nur wenig geeignet. Dies schlussfolgert unser Experte Professor Dr. Volker Peinelt aus eigenen Untersuchungen. gv-praxis hatte darüber bereits berichtet. Hier geht es zu dem Beitrag.

Auch Bundesverband für Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf beim Nutri-Score. Aktuell würden Bio-Lebensmittel, die gesünder und nachhaltiger sind, durch den Nutri-Score benachteiligt. Die BNN-Mitgliedsunternehmen aus Herstellung, Groß- und Einzelhandel würden sich seit Jahrzehnten für gesunde, möglichst gering verarbeitete und nachhaltig produzierte Lebensmittel einsetzen.

Verbraucher sollten umfassend und transparent über Zutaten und Nährwerte von Lebensmitteln informiert werden, um eine bewusste Kaufentscheidung treffen zu können. Doch der Nutri-Score in seiner aktuellen Form weise laut BNN zu viele Mängel auf, um dieses Ziel zu erreichen. Denn im Gegensatz zu konventionell produzierten Lebensmitteln, die eine Vielzahl an Ersatzstoffen enthalten könnten, die vom Nutri-Score nicht erfasst werden, werde bei der Herstellung von Bio-Lebensmitteln gänzlich auf synthetische Ersatzstoffe verzichtet. "Bio-Hersteller können und wollen ihre Produkte nicht in vergleichbarer Weise "schönen", betont der BNN.

Cola light gesünder als Bio-Apfelsaft?

Beispielsweise werde ein Bio-Apfelsaft mit einem gelben "C" bewertet und eine Cola light mit einem grünen "B". Dabei sei der Bio-Apfelsaft ernährungsphysiologisch deutlich wertvoller als eine Cola light. Hochwertige Inhaltsstoffe wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren, hoher Ballaststoffgehalt und sekundäre Pflanzenstoffe werden in der Bewertung bestimmter Produktgruppen gar nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl sie ein ganz wesentlicher Bestandteil gesunder und ausgewogener Ernährung sind, kritisiert der BNN. Aus Sicht der Bio-Branche muss deshalb der Nutri-Score-Algorithmus überarbeitet werden, um Verbraucher eine echte Chance für eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen.

Über Nutri-Score
Die fünfstufige Farb-Buchstabenkombination des Nutri-Score reicht von einem grünen A bis zum roten E und zeigt den Nährwert eines Lebensmittels an. Innerhalb einer Produktgruppe trägt ein Lebensmittel mit grüner A-Bewertung eher zu einer gesunden Ernährung bei als ein Produkt mit rotem E.


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