Coronavirus / ARD-Podcast

Mehr Raum für Gastronomie im Freien

Christian Drosten schlägt vor, Gastronomen mehr Raum für Außengastronomie als Kompensation für nicht realisierbaren Umsatz in den Lokalen zu gewähren.
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Christian Drosten schlägt vor, Gastronomen mehr Raum für Außengastronomie als Kompensation für nicht realisierbaren Umsatz in den Lokalen zu gewähren.

Seit dem 9. Mai dürfen Restaurants in Teilen Deutschlands wieder Gäste bewirten. Angesichts neuer Erkenntnisse zu Infektionswegen der Covid-19-Viren plädiert der Charité-Virologe Christian Drosten im ARD-Podcast für mehr Möglichkeiten, Außenflächen zu nutzen.

"Der Außenbereich ist zunächst einmal als eine relativ sichere Zone einzustufen", sagt Christian Drosten in seinem 40. ARD-Podcast am 12. Mai. Der Wissenschaftler der Berliner Charité erläutert anlässlich der ersten Restaurant-Öffnungen, was die neuesten Erkenntnisse über Infektionswege für die Gastronomie bedeuten. Einerseits ein neu erkannter, wesentlicher Infektionsweg über Aerosole (siehe unten). Andererseits aber auch Lösungsvorschläge. Ob und wie sich gesetzliche Regelungen danach richten werden, bleibt abzuwarten. Jedoch könnten die Einschätzungen des Virologen Anlass zu Hoffnung für die Außengastronomie geben.

Dass Coronaviren nicht nur über Tröpfcheninfektionen, sondern auch über Aerosole übertragen werden können, erklärte SPD-Gesundheitspolitiker und Epidemiologe Karl Lauterbach in einer Talkshow und warnte vor der Ansteckungsgefahr in Innenräumen.
Belegt werde dies durch diverse internationale Studien, bekräftigt Drosten im Podcast. Tröpfchen seien so schwer, dass sie relativ schnell zu Boden sinken und nicht weiter streuen als die bekannten rund 1,5 Meter um einen Menschen, der spricht oder hustet. Daher die für Restaurants und den täglichen Umgang vorgeschriebenen anderthalb Meter Abstand zwischen Personen unterschiedlicher Haushalte. "Beim Aerosol ist es anders", erklärt der Virologe. Aerosole hätten nur ein Füntel des Gewichts von Tröpfchen und blieben deshalb quasi in der Luft stehen. Das hieße, dass sie sich mit der Zeit in der Luft ansammeln, die Konzentration steige, wenn die Luft nicht genügend zirkulieren kann.

Möglichst viel frische Luft

Kritisch sei dabei, dass diese luftigen Partikel über Stunden infektiös blieben, so Drosten. Eine Stellungnahme der amerikanischen Akademie der Wissenschaften zitiert er so: "Diese Infektion hat eine bedeutende Aerosol-Übertragungskomponente". Seiner Einschätzung nach geschieht fast die Hälfte der Übertragungen per Aerosol, eine knappe zweite Hälfte über Tröpfchen und nur rund 10 Prozent als Schmier- oder Kontaktinfektion. Darum hält er das permanente Hinweisen auf Händewaschen und Desinfektion von Oberflächen für "total übertrieben".

"Wenn die Leute dicht an dicht in einem Raum sitzen, halte ich das für gefährlich", folgert er und erläutert im Umkehrschluss, dass die Infektionsgefahr draußen an der frischen Luft deutlich niedriger sei. Restaurants mit Außenbereichen sollten ermutigt werden, diese zu nutzen, da seiner Meinung nach dort ein 2-Meter-Abstand wahrscheinlich nicht notwendig sei. "Das weht eh weg", schätzt er. Seine Empfehlung: "Warum erlaubt man nicht Gastronomien, auch die Bürgersteige mit zu benutzen. In diesen Zeiten kann man doch auch bei den Kommunen mal Ausnahmen machen und sagen, die Kneipen dürfen jetzt einfach Tische auf den Bürgersteig stellen, solange das nicht massiv stört und Passanten gefährdet." Vilnius zeigt bereits, wie das funktionieren kann.

Auch innen sieht Drosten gute und einfache Möglichkeiten, den Infektionsschutz zu erhöhen. Indem man zum Beispiel durch geöffnete Fenster, unterstützt durch Ventilatoren, für einen besseren Luftumsatz sorgt, um eventuell infektiöse Aersole nach draußen zu befördern. 

Dennoch verheißen diese Experten-Einschätzungen für Gastronomen längst nicht eitel Sonnenschein. Selbst eine dauerhafte Schönwetterlage wird die Umsatzverluste im Gastgewerbe kaum ausgleichen können.




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