E-Mobilität

Flotte unter Strom


Praktisch: der elektrisch betriebene Streetscooter der EGV in Unna.
EGV
Praktisch: der elektrisch betriebene Streetscooter der EGV in Unna.

Elektro-Fahrzeuge haben viele Vorteile: Sie fahren emissionsfrei, sind lautlos und wartungsarm. Trotzdem rüsten Unternehmen ihre Fuhrparks nur behutsam um. Der Streetscooter könnte den Durchbruch bringen. Ein Praxisbericht.

Dieser Text ist Teil unseres Specials "Nur Mut! - Ideen für das Geschäft von morgen".

Thorsten Schwarz, Leitung Fuhrpark national des Lebensmittelgroßhändlers EGV in Unna, suchte lange vergeblich nach einem geeigneten Kühltransporter mit Elektroantrieb – nach einem mit Strom betriebenen Gefährt, das innerhalb einer überschaubaren Reichweite gekühlte Lebensmittel von einem Lager in eine Küche transportiert. "Fündig wurde ich erstmal nicht", sagt er. Schließlich kam er mit der Deutschen Post zusammen, die seit 2014 den elektrisch angetriebenen Streetscooter auf die Straßen schickt, den mittlerweile auch kommunale Einrichtungen und kleinere Logistikunternehmen nutzen. "Ein Kühlsystem gab es für das Fahrzeug allerdings nicht", berichtet Schwarz.

Ein eigens entwickelter Kühlaufbau

Da Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei der EGV einen hohen Stellenwert haben, ging er das Problem eigenhändig an. Im Herbst 2016 zog er sich mit zwei Kollegen für einige Tage zurück und entwickelte einen Kühlaufbau, der auf den Streetscooter gesetzt wurde. Bei der Planung galt es zunächst, einige knifflige Herausforderungen zu meistern: Die EGV zählt 185 Transportfahrzeuge in ihrem Fuhrpark, und diese werden mit einem einheitlichen Kommissioniersystem beladen. Eine Anforderung, die aus logistischen Gründen auch an den neuen E-Transporter gestellt werden musste. "Wir nutzen in unserem Unternehmen standardisierte Rollcontainer, und mindestens vier dieser Container sollte der Scooter aufnehmen können", so Schwarz. Zudem sollten die Fahrer ohne Mühen von außen jeden dieser vier Container erreichen und öffnen können.

Kaum stand das Konzept, produzierte der Fahrzeugbauer Wüllhorst in Selm den erdachten Kühlaufbau. "Seit Anfang Februar 2018 nutzen wir nun den Scooter – und wir sind mit dem Fahrzeug bisher sehr zufrieden", berichtet der Leiter des Fuhrparks national. In der Regel fährt der elektrisch betriebene Kühltransporter rund 100 Kilometer am Tag: "Das Fahrzeug ist in der Region Unna im Einsatz, zwischen Dortmund und Fröndenberg", erklärt Schwarz. Angesteuert werden Kunden im Nahbereich, etwa Restaurants, die keine allzu großen Mengen kaufen.

Mobiles Tiefkühlen nicht möglich

Die Mitarbeiter-Crew lädt die Lebensmittel mit einer Temperatur von etwa 4 Grad Celsius auf den Scooter, dann sorgt das elektrische Kühlaggregat des Fahrzeugs dafür, dass die Ware im Fahrzeug kalt bleibt. Das mobile Tiefkühlen während der Fahrt sei aktuell nicht möglich, da dies die Kapazität der Fahrzeugbatterie überschreiten würde. "Für unsere Zwecke ist eine mobile Tiefkühlung allerdings nicht notwendig", erläutert der Logistiker. "Die Ware verweilt maximal zwei bis drei Stunden im Transporter." Theoretisch könne man das Fahrzeug ebenso als simplen Kühlschrank nutzen.

Etwa 900 Kilogramm kann der 70.000 Euro teure Scooter transportieren, der nach Einschätzung von Thorsten Schwarz eine Lebensdauer von etwa acht bis neun Jahren hat. Das Fahrzeug kommt mit zwei Batterien daher – eine für den Antrieb, eine für den Aufbau. Nachts werden die Akkus am 230-Volt-Netz aufgeladen, eine weitere Ladung am Tag erübrigt sich. Doch zeige dieser Umstand auch die Schwächen der Technik auf. Die überschaubare Reichweite und die langen Aufladezeiten seien für Logistikunternehmen eine Herausforderung. Obwohl sich der Markt für E-Mobilität bewegt, setzt sich die Technik nur sehr langsam durch.

E-Flotte: Pro & Contra
Vorteile:
  • Keine Emission. E-Fahrzeuge stoßen praktisch keine Abgase aus.
  • Kein Krach. Im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren sind E-Fahrzeuge so leise, dass über akustische Warnsignale nachgedacht wird.
  • Geringer Wartungsaufwand. Abgasuntersuchungen und Ölwechsel fallen weg.
  • Weniger Steuern. Wer bis 2020 ein Elektro-Auto kauft, muss 10 Jahre keine Kfz-Steuer zahlen.
Nachteile:
  • Zu wenig Tankstellen. Aktuell sind es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) etwa 17.400. Ungefähr 12 Prozent davon sind Schnelllader. (Stand: Ende März 2019)
  • Geringe Reichweite. E-Nutzfahrzeuge haben aktuell nur eine geringe Reichweite.
  • Lange Ladezeiten. Sechs bis sieben Stunden dauert es, eine leere Batterie voll aufzuladen.
  • Hoher Kaufpreis. Der Streetscooter kostet rund 25 Prozent mehr als ein Diesel-Transporter.

Hürden in Deutschland

Bislang haben E-Autos hierzulande lediglich einen Marktanteil von etwa 0,9 Prozent. Als Haupthürde bezeichnen Branchenkenner das Preis-Leistungs-Verhältnis. "Der Streetscooter kostet rund 25 Prozent mehr als ein vergleichbarer Diesel-Transporter", weiß Schwarz. Weitere Hürde: Das Netz der Ladestationen ist noch nicht ausreichend ausgebaut. Ende März 2019 waren es etwa 17.400, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im April in Berlin mitteilte. Ursprünglich sollten laut Bundesregierung bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein, doch davon ist man weit entfernt. Und so sagt auch Thorsten Schwarz: "Der Scooter ist eine gute und lohnenswerte Alternative zu unseren Verbrennern. Bei unseren Fahrern und Kunden kommt sie sehr gut an."

In einen weiteren Scooter will EGV vorerst nicht investieren. Derweil lässt jedoch der Mutterkonzern Transgourmet den hippen E-Transporter bauen, um für mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz zu sorgen. Denn zweifelsohne steigt der smarte Elektrotransporter in der Gunst der Kunden stetig.

Dieser Text ist Teil unseres Specials "Nur Mut! - Ideen für das Geschäft von morgen", das bei uns als kostenfreies E-Paper erhältlich ist.




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