Expertin über Intoleranzen

Wer mehr weiß, kann besser handeln

 Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Internistin, Gastroenterologin und Ernährungsmedizinerin am Universitätsklinikum Erlangen
Uni-Klinikum Erlangen
Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Internistin, Gastroenterologin und Ernährungsmedizinerin am Universitätsklinikum Erlangen

Glutenunverträglichkeit, Laktoseintoleranz – was bedeutet das eigentlich ganz konkret? Im Gespräch mit foodservice gibt Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Internistin, Gastroenterologin und Ernährungsmedizinerin am Universitätsklinikum Erlangen, Auskunft über Häufigkeit, Ursachen, Symptome, Reaktionen und Gegenmaßnahmen.

Dieser Text ist ein Exzerpt. Das vollständige Interview lesen Sie in der Mai-Ausgabe der foodservice.

foodservice: Frau Prof. Dr. Zopf, leiden heute mehr Menschen an Glutenunverträglichkeit und Laktoseintoleranz als vor 30 Jahren?
Prof. Dr. Zopf: Es hat zumindest den Anschein. Grund hierfür ist vor allem eine zunehmende Thematisierung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der Gesellschaft und den Medien, die natürlich auch mit einer größeren Aufmerksamkeit in der Bevölkerung einhergeht. Immer mehr Menschen lassen sich aufgrund dessen bei Magen-Darm-Problemen auf verschiedene Unverträglichkeiten testen, was dazu führt, dass auch bei mehr Personen eine Nahrungsmittelunverträglichkeit identifiziert werden kann. Auch die Verfügbarkeit neuer Tests und eine vermehrte ärztliche Aufmerksamkeit tragen dazu bei.


Wie viel Prozent der deutschen Bevölkerung vertragen Gluten beziehungsweise Laktose nicht?
Die Prävalenz für Zöliakie in Deutschland liegt circa bei 0,3 %. Die Prävalenz für die gesamte erwachsene europäische Bevölkerung liegt mit circa 1 % deutlich höher. Für Weizenallergie und Nicht-Zöliakie-Glutensensitvität (siehe unten) existieren derzeit keine eindeutigen Daten, die Prävalenz wird aber zwischen 0,5-7 % geschätzt. Die Laktoseintoleranz stellt einen der häufigsten Enzymmängel dar. So kommt es bei über der Hälfte der weltweiten Bevölkerung nach dem Abstillen zu einer Absenkung des Laktaselevels. In Europa liegt die Prävalenz zwischen 2 % und 25 % und nimmt von Norden nach Süden hin zu. In Deutschland leidet mittlerweile fast jeder Fünfte (15 % bis 20 %) an einem chronischen Laktasemangel.

Ist es grundsätzlich empfehlenswert, sich glutenfrei zu ernähren?
Bei gesunden Menschen ist ein Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel nicht sinnvoll. Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und andere glutenhaltige Getreidesorten enthalten neben Gluten auch viele wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien. Ein dauerhafter Verzicht auf diese glutenhaltigen Lebensmittel und eine einseitige Ernährungsweise kann einen Mangel an wichtigen B-Vitaminen, Folsäure, Eisen oder Magnesium zur Folge haben.



stats