Franchising

Grenzenloser Nachwuchs

Migranten sollten von Franchisegebern stärker in den Fokus genommen werden.
McDonalds
Migranten sollten von Franchisegebern stärker in den Fokus genommen werden.

Unternehmergeist ist das wichtigste, was ein erfolgreicher Franchisepartner mitbringen muss. Gastronomisches und betriebswirtschaftliches Fachwissen, Sprachkenntnisse und Kapital sind zwar auch unentbehrliche Faktoren, die aber von außen aufgebaut und gefördert werden können. Franchise-Experte Felix Peckert plädiert dafür, den Pool potenzieller Franchisenehmer durch gezielte Ansprache von Migranten zu vergrößern

Um in der Gastronomie schnell und nachhaltig zu wachsen, ist Franchising eine wichtige Option. Franchisenehmer aber sind in Deutschland aus verschiedenen Gründen nicht so leicht zu finden. Erstens gilt der Restaurantbetrieb nicht ganz zu Unrecht als besonders kräftezehrend. Zweitens herrscht hier derzeit so gut wie Vollbeschäftigung, und den meisten erscheint eine sichere Festanstellung attraktiver als ein eigenes Unternehmen. Drittens ist die Sehnsucht nach Selbstständigkeit in Deutschland wesentlich schwächer als in anderen Ländern ausgeprägt und wird hier eher mit selbst und ständig assoziiert als mit der großen Freiheit.


Die Suche nach passenden Franchisepartnern ist also nicht trivial, was auch der Deutsche Franchise Verband (DFV) bestätigt: Zwar verzeichnete rund die Hälfte der Franchise-Geber 2016 branchenübergreifend einen Zuwachs von bis zu fünf neuen Franchise-Partnern, da aber im Durchschnitt pro Jahr 2-5 % der Franchise-Partner ihr Franchise-System wieder verlassen, ist „die strategische Gewinnung neuer Franchise-Partner alternativlos und für das Franchise-System an sich überlebenswichtig“, so Felix Peckert, einer der führenden Franchise-Experten in Deutschland und Chef des Bonner forum franchise und systeme bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Bonn.

Grund zur Sorge besteht aber nicht, denn es gibt mehrere Zielgruppen, deren Potenzial noch brach liegt. Wer bisher neue Franchisenehmer gewinnen wollte, richtete nämlich nach Erhebungen des DFV seinen Fokus auf Fach- und Führungskräfte (81 %) sowie bestehende Unternehmer (66 %) und bestehende Franchisepartner (49 %). Nur sehr wenige haben schon ihre Aufmerksamkeit Arbeitslosen (18 %), weiblichen Unternehmerinnen (16 %) oder gar Migranten (1 %!) geschenkt. Das offenbart ein großes Potenzial an zu erschließenden personellen Goldminen, oder wie Peckert es ausdrückt: „Die Franchise-Wirtschaft verschläft ein strategisch wichtiges Wachstumsfeld.“

Je mehr Migranten in Deutschland leben, desto höher ist auch die Zahl der Unternehmer unter ihnen: Seit 2005 ist diese laut Mikrozensus um 30 % auf insgesamt 737.000 gestiegen. Jede fünfte bis sechste ‘unternehmerisch engagierte Person‘ hat demnach ausländische Wurzeln. In den bundesweit rund 950 Franchise-Systemen haben etwa 5 % der Partner einen Migrationshintergrund, so eine aktuelle Schätzung des Bonner Instituts für Markenfranchise.

Für Migranten ist Franchising neben der Erfüllung des unternehmerischen Traums auch wegen der Aussicht auf ein höheres Einkommen attraktiv. So verdienen sie als abhängig Beschäftigte durchschnittlich 1.537 € netto im Monat und als Unternehmer bis zu 2.994 € netto. Franchise-Partner erzielen demgegenüber laut Institut für Markenfranchise ein mittleres Einkommen von 5.000 bis 6.000 € netto.

To-Do-Liste für Franchisegeber

- Hohe Informationsdichte auf eigener Homepage über Franchise-Möglichkeiten
- Unternehmens-Website in möglichst vielen Sprachen anbieten (englisch, französisch, türkisch, arabisch etc.)
- Anzeigen in den lokalen Medien der Migranten in deren Sprache schalten
- Einblick in kulturspezifische Aspekte, kulturelle Werte und Unterschiede der verschiedenen Kulturkreise gewinnen, z. B. durch kostengünstige Online-Seminare und offene Fragen bei Auswahlgesprächen
- Arbeit an der Reputation der Branche im allgemeinen und des eigenen Unternehmens im speziellen, indem man sich etwa einen guten Leumund von aktuellen und ehemaligen Franchisepartnern und Mitarbeitern bescheinigen lässt

Gerade für Quereinsteiger ist Franchise ideal, um abseits der abhängigen Beschäftigung Karriere zu machen. Die meisten Systeme verlangen keine speziellen Branchenerfahrungen und vermitteln ihren Partnern das spezifische Know-how in Lehrgängen. Je professioneller und standardisierter zudem die Leistungen der Zentrale beispielsweise bei Marketing und Controlling sind, desto weniger Vorkenntnisse müssen mitgebracht werden. Damit bleibt der starke und wache Unternehmergeist das wichtigste, was der Bewerber mitbringen muss, so Peckerts Fazit. Und der scheint in anderen Kulturen eben ausgeprägter als hierzulande.

 

 

 



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