Interview

"Clean Meat kommt"

Dr. Mark Post, Leiter Mosa Meat, Niederlande
Mosa Meat
Dr. Mark Post, Leiter Mosa Meat, Niederlande

Das niederländische Forschungsunternehmen Mosa Meat hat 2013 den ersten Hamburger aus dem Labor vorgestellt. Kathleen Gerstenberg im Gespräch mit dem wissenschaftlichen Leiter, Prof. Dr. Mark Post, über Potenziale und Zukunft von "Clean Meat".

Dieser Text ist ein Exzerpt. Das gesamte Interview lesen gv-praxis-Abonnenten im Mai-Heft.

Wie stark werden kultivierte Produkte die Zukunft des Essens mitbestimmen?
Mark Post:
Ich bin fest überzeugt, dass wir uns immer weiter von tierischen Produkten, wie wir sie heute kennen, entfernen werden. Verbraucher erkennen den Einfluss ihrer Lebensmittelwahl, was zu einer gesteigerten Nachfrage nach tierleidfreien Optionen führt. Diese werden die Zukunft unseres Essens maßgeblich mitbestimmen. Wir sind überzeugt, dass die Vorzüge von kultiviertem Fleisch mit wettbewerbsfähigen Preisen und Qualitätsstandards eine breite Masse von Verbrauchern ansprechen wird.

Welches Einsparpotenzial hat ein Clean-Meat-Burger im Hinblick auf Wasserverbrauch und Treibhausgas-Emissionen verglichen mit einem Rindfleisch-Burger?
Aktuelle Hochrechnungen zeigen, dass kultivierte Fleischprodukte bis zu 96 Prozent weniger Wasser verbrauchen könnten, bei um bis zu 96 Prozent verringerten Treibhausgas-Emissionen. Tierhaltung und Futtermittelanbau beanspruchen große Flächen. Die Folge sind massive Abholzungen und ein drastischer Verlust an Biodiversität.

Würden Sie die Produktion von Clean Meat als tierleidfrei bezeichnen?
Das Wohlergehen der Tiere ist einer der Hauptgründe, weshalb wir Mosa Meat gegründet haben. Unser Fleisch verursacht nahezu kein Tierleid. Zu Beginn benötigen wir die Zellprobe eines Spendertiers, die keinen Schaden verursacht. Aus einer Zellprobe können wir bis zu 10.000 Kilo kultiviertes Fleisch herstellen – diese Biopsien müssen also nur sehr selten durchgeführt werden.
Dr. Mark Post
Prof. Dr. Mark Post ist Forscher an der Universität Maastricht und Mitbegründer des niederländischen Unternehmens Mosa Meat, das im August 2013 den weltweit ersten im Labor gezüchteten Burger in London präsentierte. Schon seit 2006 arbeitet der niederländische Wissenschaftler daran, "cultured beef", also sogenanntes "kultiviertes Fleisch", zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Post gilt weltweit als "Vater des kultivierten Fleisches".
Was ist für Sie dabei die größte Herausforderung?
Eine der größten Herausforderungen ist es, eine Alternative zu fötalem Kälberserum zu finden, einem der gängigsten Bestandteile des Zellkulturmediums. Diese Komponente wird aus Kälberföten gewonnen und ist damit unvereinbar mit unseren Tierwohlansprüchen. Deshalb haben wir einen Produktionsprozess mit einem serumfreien Medium etabliert, den wir derzeit weiter optimieren.

Wie die Fleischindustrie zu Clean Meat steht und wie weit der Weg zur Marktreife sein könnte, lesen gv-praxis-Abonnenten in der Mai-Ausgabe oder im E-Paper.



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