Kommentar

Ohne Ecken und Kanten

Claudia Zilz, Redaktion gv-praxis
Klein
Claudia Zilz, Redaktion gv-praxis

Es ist vollbracht, nach einer langen Hängepartie und viel Gezerre haben wir endlich eine neue Bundesregierung. Mit ihr kommen viele neue – und vor allem junge Gesichter – ins Kabinett, um den längst überfälligen Generationenwechsel einzuläuten. Ein Kommentar von gv-praxis Redakteurin Claudia Zilz.

Auf den farblos agierenden Christian Schmidt folgt die smarte Ex-Weinkönigin Julia Klöckner als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Die bis dato rheinland-pfälzische Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU ist keine Unbekannte. Wir erinnern uns: Die 45-Jährige war bereits von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin im Ernährungsministerium. Damals widmete sie sich intensiv der Schulverpflegung. Nun hat sie selbst das Zepter in der Hand und will ihr Ministerium fortan als „Lebensministerium“ verstanden wissen, welches sich um „Die Lebensthemen der Menschen“ kümmert. Dies verkündete Julia Klöckner bereits vor ihrer Antrittsrede Mitte März. Nach dem Heimat- kommt nun auch ein Lebensministerium, warum nicht? Dahinter steckt der Gedanke, den Lebensmitteln bzw. den „Mitteln zum Leben“ mehr Wertschätzung zukommen zu lassen – und letztendlich ihrem Ministerium. Eine längst überfällige Aufgabe.


Erreichen will sie dies über Ernährungsbildung – ein Kernthema der frisch gebackenen Bundesministerin. Kinder sollen von klein auf lernen, wie man sich ausgewogen ernährt. Und deshalb gehört das Thema für sie unbedingt in Kitas und Schulen inklusive einer vorbildlichen Verpflegung. Um dies zu erreichen, sollen die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sich bundesweit auf den Tellern widerspiegeln. Ein Ziel, das es sogar in den Koalitionsvertrag geschafft hat. Immerhin. Ob sich damit etwas an der schwierigen Gesamtsituation vieler Schulverpfleger ändern wird, bleibt fraglich.

Wird die Mehrwertsteuer reduziert?

Schon lange fordert die Branche eine Reduzierung der Mehrwertsteuer. Wir interviewten Julia Klöckner in der gv-praxis bereits 2011 zu diesem wunden Punkt. Ihre Antwort blieb schwammig: Statt Position zu beziehen, verwies die ausgebildete Journalistin auf Kommissionen, die das erst einmal prüfen müssen. Und wie wir alle wissen: Auch sieben Jahre nach diesem Interview ist es bei diesem „Prüfen“ geblieben. Umso mehr sollten wir die Bundesministerin jetzt beim Wort nehmen und einen erneuten Anlauf starten. Denn Qualität gibt es bekanntlich nicht zum Nulltarif. Ihre weiteren Ziele? Die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels. Daran hatte sich bereits ihr Vorgänger versucht – erfolglos! Jenseits davon bleibt die Antrittsrede bei schönen Worten, viel Unkonkretem und wenig Punkten zum Anecken. Eine Sonntagsrede.

Ein Blick auf den Koalitionsvertrag verrät mehr: Das Aktionsprogramm „In Form – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ soll mit Fokus auf Kinder- und Seniorenverpflegung weiter laufen. Davon könnte die Branche profitieren. Und noch bis Ende dieses Jahres – so das ambitionierte Ziel – strebt die Bundesregierung im Kampf gegen Übergewicht ein Konzept an, um Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu reduzieren. Schließlich will das selbsternannte Lebensministerium nicht weniger, als einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil vom Acker bis zum Teller fördern. Blumige Worte, auf die hoffentlich starke Taten folgen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.



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