Social Media / Gastbeitrag

Wie die Gastronomie das Potenzial von TikTok nutzen kann

Die Kurz-Video-Plattform TikTok ist auf dem Vormarsch. Auch die Gastronomie kann sie sehr gut für Marketingzwecke einsetzen.
imago images / Hans Lucas
Die Kurz-Video-Plattform TikTok ist auf dem Vormarsch. Auch die Gastronomie kann sie sehr gut für Marketingzwecke einsetzen.

TikTok ist die App, dank der sich Facebook-Nutzer endgültig alt fühlen. Die Kurzvideo-Plattform ist enorm erfolgreich und erzielt große Reichweiten. Auch für die Gastronomie bietet TikTok enorme Chancen. Ein Gastbeitrag von Sebastian Stöwer.

Zugegeben: Wer einst MySpace, Lokalisten und StudiVZ durchgespielt hat und sich heute richtig gut auf Facebook auskennt, hat auf TikTok zunächst einmal rein gar keinen Vorteil. Ein bedeutender Anteil der TikTok-Nutzer wird vermutlich nie einen Facebook-Account besessen haben.

Doch auch als Social-Media-Dino ist man ratzfatz gefangen in dieser aufgedrehten Parallelwelt. Ab dem ersten Öffnen von TikTok fliegen einem im Sekundentakt Clips um die Ohren. Und hat der Algorithmus erstmal die eigenen Interessen erkannt, ist das eigene Schicksal besiegelt. Kinder bis 15 Jahre verbringen durchschnittlich täglich 80 Minuten in der App. Mehr sind es nur auf YouTube (85). Die Community wächst rasant, 2020 ist TikTok die meistgeladene App in den Stores von Google und Apple. Fast die Hälfte der User ist zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Warum sollte sich jemand meine Restaurant-Clips ansehen?

Interesse entsteht auf TikTok dort, wo es Reibungspunkte zwischen Erwartung und Realität gibt. Wo Nachrichtensprecher plötzlich lustig (oder barfuß) sind und Restaurants die Grenze zwischen Besuchererlebnis und Mitarbeiterkultur verschwimmen lassen.

Frittenwerk: AVOUKADOU!

TikTok ist der Blick hinter den Vorhang, die Einladung ins eigene Wohnzimmer. Nahbar und menschlich, aber vor allen Dingen: nicht perfekt. Die amerikanische Kette Chipotle erzielt mit gänzlich unvollkommenen Einblicken in ihren Alltag sechs- bis siebenstellige Aufrufzahlen. In Deutschland konnten wir mit der Pommesmanufaktur Frittenwerk seit Mai zeigen, dass hier ohne große Anlaufzeit ähnliche Erfolge möglich sind. In wenigen Wochen sammelte Frittenwerk mehr als 36.000 Follower und knapp 4,5 Millionen Videoaufrufe. Die Protagonisten sind Mitarbeiter und Gäste, die erzählten Geschichten bieten ein enormes Identifikationspotenzial.

Chipotle

@chipotle

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♬ original sound - Chipotle

Reicht es, wenn ich ein kurzes Video in der Mittagspause aufnehme?

Mitmachen kann jeder mit Handy und Daumen, im Zweifel reichen auch der Zeigefinger und das alte iPhone mit dem zersplitterten Display. Die Gleichung "Wenig Aufwand = Hoher Ertrag" geht dennoch selten auf, erst recht im Gastro-Alltag. Oft braucht es Zeit und viele Versuche, bis das Video sitzt. Wer regelmäßig posten will, muss zudem kreativen Aufwand einplanen. Ähnlich wie YouTube und Instagram kann TikTok zum Vollzeitjob werden. Erste Agenturen haben hier bereits einen Erfahrungsvorsprung und bieten Expertise und Umsetzung an.

Gastronomie ist ein TikTok-Erlebnispark

Die Themenvielfalt ist für Gastronomen unerschöpflich, der tägliche Arbeitsplatz ein wahrer TikTok-Erlebnispark. Wer keine eigenen Ideen hat, lässt sich einfach von der App inspirieren. Täglich erscheinen neue Challenges, Hashtags und Trends auf der Startseite. Foodporn zieht ohnehin immer. Auf einer Welle mitzuschwimmen ist oft sogar der schnellste Weg zu vielen Videoaufrufen. Jemand macht etwas Spannendes vor und tausende andere machen es nach. Witzig, dass ausgerechnet das Businessmodell von Instagram zuletzt darauf basierte, andere Apps nachzuahmen.

Was ist mit dem Datenschutz?

Donald Trump sieht TikTok in Händen des chinesischen Eigners als Bedrohung für die nationale Sicherheit und ordnete im August die Rückabwicklung des Verkaufs des TikTok-Vorgängers Musical.ly an. Selbst ein Verbot in den USA schien lange Zeit nicht ausgeschlossen, inzwischen scheint TikTok jedoch in die USA umzuziehen. Dass der Präsident diesen Kampf so öffentlich austrägt, untermauert den prominenten Status der App.

Inwieweit Datenschutzbedenken Auswirkungen auf die Verfügbarkeit in Europa haben, ist noch nicht abzusehen. In den nächsten Wochen könnte der bisher eingeschränkt verfügbare Ads-Manager für alle geöffnet werden, parallel belohnt Instagram die Nutzung der Konkurrenz "Reels" mit massig Reichweite. Berührt hat das TikTok bisher jedoch nicht. Die Viralität ist ungebremst.
Sebastian Stöwer ist Texter und Pressereferent bei der Düsseldorfer Kreativagentur Teomedia, die inzwischen täglich TikTok-Videos für ihre Kunden dreht. Er verantwortet insbesondere die Social-Media-Auftritte der deutschlandweit vertretenen Pommesmanufaktur Frittenwerk.

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