Trouble Shooter

Ist- oder Sollbesteuerung?

StB Jens Kriester, ETL ADHOGA Verbund, aus Gera, spezialisiert auf die Beratung von Hotels und Gaststätten
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StB Jens Kriester, ETL ADHOGA Verbund, aus Gera, spezialisiert auf die Beratung von Hotels und Gaststätten

Bereits bei der Unternehmensgründung stellt das Finanzamt die Frage: Soll-Versteuerung oder Ist-Versteuerung? Diese Frage kann auch für gestandene Unternehmen interessant sein, entscheidet die Antwort doch über den Zeitpunkt der Umsatzsteuerzahlung an das Finanzamt.

Dieser Text erschien zuerst in der Märzausgabe der foodservice.  Jetzt im E-Paper lesen

Grundsätzlich unterliegen umsatzsteuerpflichtige Unternehmer der Besteuerung nach den vereinbarten Umsätzen (sogenannte Soll-Versteuerung). Dabei wird die Umsatzsteuer auf die erzielten Umsätze in dem Monat fällig, in dem die Leistung erbracht wurde – und zwar unabhängig davon, ob der Kunde die Leistung bereits bezahlt hat.

Damit müssen Unternehmer mit den vom Kunden zu zahlenden Umsatzsteuerbeträgen oftmals in Vorkasse gehen. Je nach dem gewährten Zahlungsziel und der Zahlungspünktlichkeit der Kunden kann dies zu erheblichen Liquiditätsengpässen führen.

Wechsel zur Ist-Besteuerung

Zur Vermeidung von finanziellen Schwierigkeiten besteht daher für kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, zur sogenannten Ist-Versteuerung zu optieren. Dabei muss die Umsatzsteuer für eine erbrachte Leistung erst dann an das Finanzamt überwiesen werden, wenn der Kunde den Bruttobetrag auch tatsächlich gezahlt hat.

Die Ist-Versteuerung, also die Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten, können Unternehmen in Anspruch nehmen, die im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 600.000 Euro Gesamtumsatz erwirtschaftet haben. Damit stieg die Grenze zum 1. Januar 2020 um 100.000 Euro, wovon kleine und mittelständische Unternehmen profitieren, die bisher Jahresumsätze im Bereich von 500.001 Euro bis 600.000 Euro erzielt haben.

Aufpassen bei Umstellung

Mit einem formlosen Antrag an das Finanzamt haben sie die Möglichkeit, von der bisherigen Soll-Versteuerung zur Ist-Versteuerung zu wechseln. In der Buchhaltung des Unternehmens ist dabei Sorge dafür zu tragen, dass keine Umsätze doppelt erfasst oder vergessen werden. So bleibt es bei Umsätzen, die in 2019 erbracht wurden, bei der Soll-Besteuerung.
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Die Umsatzsteuer war spätestens mit der Umsatzsteuer-Voranmeldung Dezember 2019 an das Finanzamt zu melden und eine Umsatzsteuerzahllast zu begleichen. Umsätze des Jahres 2020 können nach Antragstellung und Zustimmung durch das Finanzamt dann mit der günstigeren Ist-Besteuerung behandelt werden.

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