Trouble Shooter

Mindestlohn und Mini-Jobber


Peter Temmert ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Niederlassungsleiter der ETL Adhoga und gibt hier Tipps für Gastronomen.
Peter Temmert
Peter Temmert ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Niederlassungsleiter der ETL Adhoga und gibt hier Tipps für Gastronomen.

Der gesetzliche Mindestlohn soll ab 1. Januar 2019 von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro angehoben werden. Auch Gastronomen müssen damit tiefer in die Tasche greifen, denn das Mindestentgelt gilt grundsätzlich unabhängig von der Qualifikation des Arbeitnehmers. Dieser Text erschien zuerst in der Septemberausgabe der foodservice.

Für einen in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmer (173,33 Arbeitsstunden pro Monat) steigt damit das durchschnittliche monatliche Mindestentgelt von 1.532,27 Euro auf 1.592,93 Euro, also um ca. 60 Euro pro Monat.

Hinzu kommen noch der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung sowie Umlagen zur Sozialversicherung – alles in allem noch einmal fast 25 Prozent. Und auch hier wird es für Arbeitgeber voraussichtlich teurer. Ab 2019 muss der Arbeitgeber auch die Hälfte des krankenkassenindividuellen Zusatzbeitragssatzes übernehmen, den der Arbeitnehmer bisher alleine zahlt und dessen Bandbreite 2018 von 0 bis 1,7 % reicht.

Rechtzeitig Änderungen vereinbaren

Auch Mini- und Midi-Jobber sowie kurzfristig Beschäftigte haben ab Januar 2019 Anspruch auf den höheren gesetzlichen Mindestlohn. Eine besondere Vereinbarung ist dafür eigentlich nicht erforderlich, denn es gibt einen gesetzlichen Anspruch darauf. Doch dieses Nichtstun kann Arbeitgebern zum Verhängnis werden.

Beispiel: Ein Mini-Jobber wird bisher für 50 Stunden pro Monat beschäftigt und erhält eine monatliche Vergütung von 442 Euro, also 8,84 Euro brutto pro Stunde. Ab Januar 2019 hat der Mini-Jobber einen Anspruch auf 9,19 Euro. Zahlt der Arbeitgeber ohne Verringerung der monatlichen Arbeitszeit weiterhin 442 Euro, verstößt er gegen das Mindestlohngesetz, denn er müsste 459,50 Euro zahlen.

Zahlt der Arbeitgeber den höheren Mindestlohn, wird die Geringfügigkeitsgrenze für den Mini-Job überschritten und der Mini-Jobber wird zum Midi-Jobber. Damit fallen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge an und der Arbeitnehmer kann nicht mehr „Brutto für Netto“ verdienen.

Tipp: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten daher rechtzeitig eine Änderungsvereinbarung abschließen. Soll eine Beschäftigung weiterhin als Mini-Job ausgeübt werden, muss die monatliche Arbeitszeit auf unter 49 Stunden reduziert werden, damit sich bei einem monatlichen Entgelt von 450 Euro der Mindestlohn von 9,19 Euro ergibt.


Dieser Text aus der Reihe "Trouble Shooter" erschien zuerst in der September-Ausgabe der foodservice (E-Paper). Kein Abo? Hier Probe-Abo bestellen.

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