Trouble Shooter

Werden Midi-Jobs jetzt attraktiver?


Steuerberaterin Janine Vorderwülbecke, ETL ADHOGA Verbund Marsberg, ist spezialisiert auf die Beratung von Hotels und Gaststätten.
ETL ADHOGA
Steuerberaterin Janine Vorderwülbecke, ETL ADHOGA Verbund Marsberg, ist spezialisiert auf die Beratung von Hotels und Gaststätten.

Arbeitnehmer lieben Mini-Jobs, weil sie so „brutto gleich netto“ im Portemonnaie haben, zumindest, wenn sie sich gegen eigene Beiträge zur Rentenversicherung entscheiden. Beim Gastronom sind Mini-Jobs seiner Mitarbeiter jedoch nicht ganz so beliebt, denn sie sind teurer als ein normales sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.

Dieser Text erschien zuerst in der Märzausgabe der foodservice.

Denn er muss in der Regel pauschal 30 Prozent zusätzlich zum Lohn zahlen (15 % Rentenversicherung, 13 % Krankenversicherung und 2 % pauschale Lohnsteuer). Im Vergleich dazu betragen die Sozialversicherungsbeiträge bei einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis für ihn nur 19,825 Prozent. Hinzu kommen in beiden Fällen die Beiträge zu den Umlagen U 1 und U 2, zur Insolvenzgeldumlage und zur Unfallversicherung.

Dazu kommt, dass die monatliche Arbeitszeit beim Mini-Job begrenzt ist. Die Geringfügigkeitsgrenze wird schon bei 49 Arbeitsstunden überschritten, die mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro vergütet werden. Bei einem höheren Stundenlohn können noch weniger Arbeitsstunden geleistet werden, ohne dass die 450-Euro-Grenze in Gefahr gerät und der Mini-Job zum Midi-Job wird. Verdient der Mitarbeiter allerdings mehr als 450 Euro, ist er in allen Zweigen der Sozialversicherung beitragspflichtig. Das kommt nicht bei jedem Mitarbeiter gut an. Doch in diesem sogenannten Midi-Job- Bereich (aktuell von 450,01 Euro bis 800,00 Euro) muss nur der Arbeitgeber seinen vollen Beitragsanteil zahlen. Die Beiträge der Arbeitnehmer steigen innerhalb dieser Gleitzone erst allmählich auf den vollen Anteil an.

Gleitzone steigt auf 1.300 Euro

Ab 1. Juli 2019 wird dieser Übergangsbereich nun bis auf einen Monatslohn von 1.300 Euro ausgedehnt. Damit hat der Arbeitnehmer bei Löhnen zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro nur geringe Abzüge. So sinkt etwa für einen Arbeitnehmer mit einem Monatslohn von 850 Euro die Beitragsbelastung von bisher knapp 20 auf circa 17 Prozent. Das entspricht einem Plus an Nettolohn von monatlich 23 Euro. Handelt es sich um das erste Arbeitsverhältnis, fällt innerhalb des Übergangsbereichs in der Regel auch keine oder nur eine geringe Lohnsteuer an.

Für Teilzeitkräfte wird es so attraktiver, als Midi-Jobber tätig zu werden, auch, weil sie im Unterschied zum Mini-Job Ansprüche auf Arbeitslosengeld I erwerben. Zudem erarbeiten sich Midi-Jobber ab diesem Zeitpunkt auch Rentenansprüche auf das tatsächliche Arbeitsentgelt und nicht nur auf den beitragspflichtigen Teil. Auch der Gastronom profitiert durch geringere Lohnnebenkosten in vielen Fällen vom Wechsel zum Midi-Job.

Themen:
Mindestlohn
stats