TV-Analyse

Frage nach der "richtigen" Ernährung immer wichtiger

Ernährungsthemen sind ein häufiger Bestandteil des TV-Programms.
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Ernährungsthemen sind ein häufiger Bestandteil des TV-Programms.

Das Thema Essen und Ernährung nimmt einen wichtigen Platz in der Öffentlichkeit ein. Um die Trends zu erfassen, hat die Unternehmensberatung Engel & Zimmermann mehr als 655 TV-Sendungen ausgewertet. Zentrale Ergebnisse: Fleischthemen sind nicht mehr die häufigsten, Verbrauchertäuschung der größte Aufreger und die Herkunft von Produkten hat einen hohen Stellenwert.

„Bio-Fleisch aus quälerischer Tierhaltung“ oder „Die Lüge von der gesunden Ernährung“: Solche Formulierungen stehen exemplarisch für die Themen, die die TV-Medien – und damit die Öffentlichkeit – im vergangenen Jahr am häufigsten beschäftigt haben: die Herkunft von Lebensmitteln, Gesundheitsaspekte und Verbrauchertäuschung.

„Die Frage nach der ‚richtigen‘ Ernährung treibt den Verbraucher zunehmend um“, so das Fazit von Sybille Geitel, Vorstand bei Engel & Zimmermann. „Der Fleischkonsum in Deutschland sinkt, die Herkunft der Produkte wird zunehmend wichtiger: Diese Tendenz spiegelt sich auch in unserer TV-Evaluation deutlich wider.“

Fleisch in der Berichterstattung nicht mehr auf Platz 1

Während Fleisch in den vergangenen Jahren stets Spitzenreiter unter den am häufigsten thematisierten Branchen war, ist die Zahl der Sendungen im Jahr 2017 auf 58 gefallen (2016: 71). Auch wenn damit immer noch durchschnittlich einmal pro Woche über Fleischthemen berichtet wird, liegt die Branche erstmals seit vier Jahren nur noch auf Platz zwei. Stattdessen erobert die Obst- und Gemüsebranche mit insgesamt 74 Sendungen die Spitze (2016: 61).
Die Schwerpunkte der Berichterstattung: Fleisch nicht mehr Nummer 1.
Engel & Zimmermann AG
Die Schwerpunkte der Berichterstattung: Fleisch nicht mehr Nummer 1.

Bei den Sendungen mit kritischer Tonalität fällt auf, dass die Zahl der Beiträge über die Getränkebranche deutlich gestiegen ist (18).  Vor allem Tee, Kaffee und Energydrinks standen dabei in Mittelpunkt.

Die Herkunft steht im Fokus

Ob Tierwohl-Label, Umweltrichtlinien oder Nachhaltigkeitsinitiativen – die gesellschaftliche Debatte rund um die Bedingungen der Lebensmittelproduktion reißt nicht ab. Dies führte auch in der TV-Berichterstattung zu entsprechenden Schwerpunkten: Im Vergleich zum Vorjahr thematisierten mehr als doppelt so viele Sendungen die Landwirtschaft sowie Produkte aus Bio- oder regionaler Herkunft (2016: 8; 2017: 21). Auffällig: Obwohl Begriffe wie „Bio“ und „Regional“ in der Regel positiv besetzt sind, waren drei Viertel aller Sendungen zu diesem Thema tendenziell kritisch.

Dass generell das Bewusstsein für die Herkunft und Qualität von Lebensmitteln geschärft zu sein scheint, zeigt sich auch an der gestiegenen Zahl an Sendungen über gesunde Ernährung, Food-Trends, Umwelt und Tierhaltung.
Häufigste Sendungsthemen zur Ernährung 2017
Engel & Zimmermann AG
Häufigste Sendungsthemen zur Ernährung 2017

Bei den Sendungen mit kritischer Tonalität fällt auf, dass die Verbrauchertäuschung mit deutlichem Abstand an der Spitze liegt. Mit mehr als doppelt so vielen Sendungen wie im Vorjahr (2016: 32) überholte dieser Aufreger sogar die Rubrik „Kritische Inhaltsstoffe / Produktbelastungen“, die 2016 die Negativ-Liste anführte.

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